Axel Weber: „Keines der Probleme Europas lässt sich nur geldpolitisch lösen“

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InterviewAxel Weber: „Keines der Probleme Europas lässt sich nur geldpolitisch lösen“

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UBS-Verwaltungschef Axel Weber über Deutschlands Rolle in der Geldpolitik.

von Miriam Meckel und Sven Prange

Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber über die Plage Niedrigzins, Deutschlands Rolle in der Geldpolitik und die Risiken der Blockchain-Technologie.

Als Axel Weber einst das Gefühl hatte, Europas Geldpolitik nicht mehr in seinem Sinne beeinflussen zu können, trat er als Präsident der Bundesbank zurück. Die Geldpolitik, die er als Notenbanker einst verhindern wollte, holt den deutschen Ökonomen dennoch heute als Verwaltungsratschef der Schweizer UBS ein. Niedrige Zinsen und aufgeblähte Notenbank-Bilanz treffen auch sein Geschäft. Weber ist an einem der ersten Züricher Hochsommertage dennoch in bester Plauderlaune. Auch weil seine Meinung immer noch all überall gefragt ist, weit über die Schweiz hinaus. Am Abend zuvor hat er auf einer Podiumsdiskussion in Frankfurt Europa gewarnt, in Sachen Banken abgehängt zu werden. Weber mischt sich weiter gerne ein, nicht zu vergleichen mit einem deutschen Aufsichtsratschef.

Zur Person

  • Axel Weber

    Axel Weber, 60, ist Verwaltungsratspräsident der Schweizer Bank UBS. Zuvor war der Ökonom Präsident der Bundesbank.

WirtschaftsWoche: Herr Weber, wie groß ist Ihr Mitgefühl für die Sparerinnen und Sparer Europas, deren Geldanlagen seit Jahren wie Butter in der Sonne schmelzen, weil die Banken kaum Zinsen bieten?

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Axel Weber: Ich war von Beginn der Krise an darauf bedacht, die langfristigen Konsequenzen der expansiven Geldpolitik im Blick zu behalten. Die Zinsen zu Beginn der Finanzkrise 2008 zu senken hat Schlimmeres verhindert. Als die EZB dann jedoch breitflächig Anleihen von Staaten und Unternehmen kaufte, begann die Geldpolitik in Europa sehr viele Nebenwirkungen zu entwickeln. Eine ist eben das jetzige Zinsumfeld.

Glauben Sie, dass sich die Situation absehbar verbessert?

Wenn man diese unorthodoxe Geldpolitik lange so massiv betreibt, wie das zurzeit passiert, begünstigt man dauerhaft die Aktienmärkte. Investoren mit Risikobereitschaft verdienen in diesem Umfeld sehr gut. Der normale Bürger aber kann davon nicht profitieren. Deswegen nehmen viele Sparer diese Politik so wahr, dass sie auf Dauer ihrer finanziellen Lebensplanung schadet.

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Die UBS arbeitet vor allem für vermögende Kunden. Die sind aber doch die Gewinner der von Ihnen beschriebenen Politik?

Bei UBS als dem größten und einzigen globalen Vermögensverwalter gibt es nicht den Kunden schlechthin. Es gibt für uns asiatische, europäische und amerikanische Kunden. Die amerikanischen Kunden sind traditionell deutlich offener dem Kapitalmarkt gegenüber. Deshalb sind sie anders betroffen als der Kunde in Europa, der generell stärker risikoavers ist. Insgesamt stimmt es aber nicht, dass die besonders Vermögenden nur profitieren. Natürlich haben sie die Möglichkeit zu investieren und tun dies auch. Aber auch in dieser Anlegergruppe hat die Krise sehr zur Verunsicherung beigetragen.

Inwiefern?

Die sehr Wohlhabenden üben bei ihren Anlageentscheidungen eine deutliche Zurückhaltung gegenüber Risiken und suchen Sicherheit. Diese Kunden halten überproportional hohe Bargeldbestände und sind weniger stark investiert als vor der Krise. Die Krise hat überall Spuren hinterlassen.

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Warum ziehen die Europäische und die US-Zentralbank aus diesen Entwicklungen so unterschiedliche Schlussfolgerungen?

Die Amerikaner waren früher in der Krise und haben auch früher, schneller und massiver auf die Krise reagiert. Die US-Wirtschaft läuft in der Folge nun wieder rund, auf dem Arbeitsmarkt ist fast Vollbeschäftigung erreicht. Europa ist noch nicht an diesem Punkt, an dem eine schnelle Kehrtwende der Geldpolitik als angebracht erachtet wird.

Also haben Sie Verständnis dafür, wie vorsichtig EZB-Präsident Mario Draghi die Kehrtwende in der Geldpolitik einleitet?

Die EZB betreibt ja aktuell eine extrem expansive Geldpolitik, indem sie Anleihen von Ländern und Unternehmen im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat kauft und jetzt erst vorsichtig beginnt, über ein Ende dieses Prozesses zu reden. Im nächsten Jahr wird sie die Ankäufe wohl stufenweise reduzieren, meines Erachtens über sechs bis neun Monate. Und dann wird sie Ende 2018 den Ausstieg aus der stetigen Bilanzerweiterung und dem Negativzinsumfeld finden. Das ist überfällig. Wichtig ist jedoch: Die geldpolitische Normalisierung steht endlich auf der Tagesordnung des EZB-Rats.

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