Bad Bank : Italien lässt deutsche Bad Bank zittern

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Bad Bank : Italien lässt deutsche Bad Bank zittern

von Mark Fehr

Die von der Skandalbank Hypo Real Estate auf Staatskosten abgespaltene Abwicklungsanstalt erzielt einen Mini-Gewinn. Doch jetzt müssen die deutschen Steuerzahler wegen italienischer Staatsanleihen zittern.

Nach einem Verlust von zehn Milliarden Euro im Vorjahr kann die FMS Wertmanagement für das Geschäftsjahr 2012 ein positives Ergebnis melden. Die Anstalt öffentlichen Rechts verwaltet seit 2010 Altlasten und Schrottpapiere aus der Krisenbank Hypo Real Estate, die nach der Finanzkrise verstaatlicht und zerschlagen wurde. Der gesunde Teil lebt befreit davon unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank weiter und soll demnächst privatisiert werden.

In der abgespaltenen Bad Bank FMS Wertmanagement liegen faule Wertpapiere, notleidende Kredite und nicht strategienotwendiges Randgeschäft im Volumen von fast 137 Milliarden Euro. Die tapfere Mannschaft um Vorstandssprecher Christian Bluhm hat die Aufgabe, die Resterampe unter Inkaufnahme möglichst geringer Verluste aufzuräumen. Im vergangenen Geschäftsjahr schrumpften Bluhm und seine Leute das Portfolio um knapp 15 Prozent und erzielten dabei einen Gewinn von immerhin 37 Millionen Euro. Dem staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin in Frankfurt fließen davon nach Abzug von Steuern und der Verrechnung mit bereits ausgeglichenen Verlusten 17 Millionen Euro zu.

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Das sind endlich mal gute Nachrichten für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der für das Jahr zuvor einen Verlust der Bad Bank von knapp 10 Milliarden Euro schultern musste. Grund war der Schuldenschnitt für das bankrottbedrohte Griechenland, bei dem Eigentümer von griechischen Staatsanleihen, zu denen auch die Münchner Abwicklungsanstalt zählt, ihre Papiere stark abschreiben mussten. Der Bundeshaushalt ist verpflichtet, die Verluste der FMS Wertmanagement jederzeit auszugleichen.

Pfandbriefbank Hypo Real Estate setzt auf Tagesgeld

Deutsche Kleinsparer sollen die verstaatlichte Bank Hypo Real Estate für Käufer attraktiver machen. Um die Kapitalbasis zu stärken, setzt die HRE-Nachfolgerin Deutsche Pfandbriefbank nun auf Tagesgeldkonten.

huGO-BildID: 24105012 Bayern/ ARCHIV: Das Firmenschild der Zentrale der Hypo Real Estate Holding AG und der pbb (Deutsche Pfandbriefbank), aufgenommen in Unterschleissheim bei Muenchen (Bayern) (Foto vom 12.09.10). Die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) hat nach Uebertragung ihrer Altlasten in eine "Bad Bank" zum vierten Mal in Folge Gewinn gemacht. Vor Steuern erwirtschaftete der bundeseigene Immobilienfinanzierer im dritten Quartal ein Ergebnis von 36 Millionen Euro. Das Ergebnis wurde von der Tochter Deutsche Pfandbriefbank pbb getragen - die andere Tochter Depfa macht kein Neugeschaeft mehr. (zu dapd-Text) Foto: Joerg Koch/dapd Quelle: dapd

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein solcher Fall wiederholt eintritt. Auch angesichts der aktuell positiven Entwicklung in der Bad Bank kann von Entwarnung für die Steuerzahler keine Rede sein. Zwar ist der besonnene Bluhm für das laufende Geschäftsjahr vorsichtig optimistisch. Das gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass sich 2013 keine wesentlichen Makrorisiken materialisieren. Im Klartext: Es muss in der Eurozone ruhig bleiben.

Problem der Bad Bank – darauf weisen Bluhm und seine Leute immer wieder hin – ist neben den langen Laufzeiten vieler Papiere die hohe Konzentration von Risiken. So entfallen etwa 30 Prozent des Portfolios der Abwicklungsanstalt auf deren zehn größte Schuldner. Ein Klumpenrisiko ballt sich etwa in Form italienischer Staatsanleihen, von denen die Bad Bank ein Volumen in Höhe von knapp 30 Milliarden Euro hält.

Wegen des Kursverfalls vor allem südeuropäischer Staatspapiere weist die Abwicklungsanstalt im neuestem Geschäftsbericht unter anderem stille Lasten in Höhe von 8,6 Milliarden Euro aus. Davon entfallen 6,9 Milliarden Euro auf Italienrisiken. Sollte Rom etwa wegen seines maroden Staatshaushalts oder der aktuellen Regierungskrise als verlässlicher Schuldner ausfallen, hätte die deutsche Bad Bank also nach der Beinahe-Pleite Athens ein weiteres ein großes Problem.

Hypo Real Estate Verschollen im Bermudadreieck

Das Institut und seine Bad Bank behindern sich beim Abbau des gigantischen Problemportfolios gegenseitig. Auf die Steuerzahler kommen neue Schocknachrichten zu.

Eingang einer Niederlassung der Hypo Real Estate Quelle: dpa

Dabei ist es kaum möglich, die Italienpapiere unter Inkaufnahme der Realisierung bisher entstandener Kursverluste schnell loszuwerden, denn die Münchner besitzen so viele römische Anleihen, dass ein großangelegter Verkauf den Markt überschwemmen und die ohnehin schon unter Druck stehenden Kurse abstürzen lassen würde. Zudem wäre die Signalwirkung fatal. Private Investoren könnten in Panik geraten, wenn eine öffentlich-rechtliche Anstalt der Bundesrepublik Italienpapiere abstößt. So sitzen die deutschen Steuerzahler in der Falle und können nur auf einen glimpflichen Ausgang der Eurokrise hoffen.

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