Bankbilanzen: Wie gefährlich sind die faulen Kredite?

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Bankbilanzen: Wie gefährlich sind die faulen Kredite?

von Angela Hennersdorf

Der Bilanztest beförderte in den Bankbilanzen Risikokredite in Milliardenhöhe ans Tageslicht. Woher stammen diese und was sind die Folgen?

Im Jubel darüber, dass nur 9 von 128 Instituten den Bilanz- und Stresstest der EZB nicht bestanden haben, ist völlig untergegangen, dass noch viel mehr faule Kredite in den Bilanzen der europäischen Banken stecken als bisher bekannt. Die Aufseher hatten auch die Kreditportfolios der Institute genau unter die Lupe genommen und entdeckten zusätzliche faule Kredite in Höhe von 136 Milliarden Euro. Insgesamt beläuft sich die Zahl an risikobehafteten Krediten in allen geprüften Instituten damit auf rund 880 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Europäische Bankbilanzen

  • Gewerbeimmobilien

    Notleidende Finanzierungen für überdimensionierte Bauprojekte bereiten Banken und Aufsehern große Kopfschmerzen.
    Die Summe fauler Kredite: 236,5 Milliarden Euro

  • Schifffahrt

    Die Krise der Schifffahrt drückt auf die Bankbilanzen. Deutsche Geldhäuser sind hier Weltmarktführer.
    Die Summe vom Untergang bedrohter Investments: 35,4 Milliarden Euro

  • Wohnungsmarkt

    Der Niedrigzins lässt den Wohnungsbau boomen, Banken vergeben billige Kredite. Doch das Ausfallrisiko ist hoch. Die Summe
    der bedrohten Portfolios: 134,6 Milliarden Euro

  • Großunternehmen

    Die EZB will die Kreditvergabe an die Realwirtschaft ankurbeln. Aber nicht jeder Unternehmenskredit wird zurückgezahlt.
    Die notleidenden Forderungen: 135,4 Milliarden Euro

Wie kommt es zu dieser Differenz? Die neu entdeckten faulen Kredite resultieren aus einer vereinheitlichten Definition. Diese haben die Prüfer bei der Bewertung von Krediten für alle europäischen Institute zugrunde gelegt, um die Portfolios vergleichbar zu machen bei Schiffsfinanzierungen, privaten und gewerblichen Immobilienkrediten, Firmen- und Geschäftskundenkrediten sowie Projektfinanzierungen. Diese bewerten die Banken unterschiedlich. Dafür gibt es nun eine einheitliche Definition. Ein Kredit gilt als risikobehaftet, wenn er 90 Tage lang nicht bedient wurde, eine Wertkorrektur vorgenommen worden oder der Kredit komplett ausgefallen ist. Dadurch sind Kredite in den roten Bereich gerutscht, die zuvor von den Banken selbst positiver eingeschätzt wurden. Die Stichproben beim Test haben die Prüfer auf das gesamte Portfolio projiziert. Ergebnis: insgesamt 136 Milliarden Euro an Risikokrediten.

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Immobilien, Unternehmen, Schiffe

Den größten Batzen davon machen Immobilienkredite aus. Nach der neuen Messlatte stieg die Anzahl von faulen Finanzierungen für gewerbliche Immobilien europaweit um fast 13 Prozent auf fast 240 Milliarden Euro. Einen prozentual größeren Zuwachs von fast 16 Prozent stellte die Aufsicht bei großen Unternehmenskrediten fest. Und faule Schiffskredite stiegen um rund 27 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Banken, die Schiffskredite im Portfolio haben – vor allem deutsche, italienische, griechische und niederländische Institute –, müssen nun Wertberichtigungen in Höhe von rund sieben Milliarden Euro vornehmen. Insgesamt summiert sich die Summe aller Wertberichtigungen für faule Kredite auf 48 Milliarden Euro.

Die Summe zeige, wie groß die Abweichungen bei der Bewertung von Krediten in Europas Finanzhäusern bisher gewesen seien, sagt Katharina Barten, Analystin bei Moody’s in Frankfurt. Das Positive daran sei, dass die neue Aufsicht es ernst meine damit, die Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen den Instituten zu verbessern: „Die Banken müssen ihre Bilanzierung und die Darstellung der Risiken nun auf diese neuen Bewertungsstandards umstellen.“

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Diese seien durch die Erkenntnisse des Tests aber nicht quasi über Nacht besorgniserregend geworden. „Ein Risikokredit bedeutet noch nicht, dass er komplett ausfallen wird“, so Barten. „Die Banken werden ja wohl hoffentlich nicht diejenigen Kredite verschwiegen haben, die am meisten ausfallgefährdet sind.“

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