Banken erheben Gebühren: Girokonten und Überweisungen werden teurer

Banken erheben Gebühren: Girokonten und Überweisungen werden teurer

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Das Girokonto wird teurer: Banken drehen an der Gebührenschraube.

Mini-Zinsen nagen nicht nur an den Sparguthaben der Verbraucher, sie machen auch den Kreditinstituten zu schaffen. Für manchen bisher kostenlosen Service müssen Bankkunden nun zahlen.

Strafzinsen auf Guthaben von Großkunden oder Extra-Gebühren für Papier-Überweisungen: Angesichts der Mini-Zinsen im Euroraum werden Kreditinstitute immer kreativer, um mit ihren Kunden Geld zu verdienen. Jüngstes Beispiel ist die Postbank, die ab 1. April von Kunden, die Papierbelege einreichen, prinzipiell 99 Cent pro Überweisung verlangen will.

Die Deutsche-Bank-Tochter begründet den Schritt mit den hohen Kosten, die mit der Abwicklung der Papierbelege verbunden seien. „Wir konnten das über Jahre kostenlos anbieten, weil wir mit dem Geld auf den Konten arbeiten konnten. Wegen der niedrigen Zinsen geht das jetzt aber nicht mehr“, erklärt ein Firmensprecher. Im Einzelfall will sich das Institut kulant zeigen.

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„Wenn sich eine 85-jährige Kundin beschwert, die 20 Kilometer vom nächsten Serviceterminal entfernt wohnt und kein Online-Banking betreiben kann, schauen wir, ob wir eine Kulanzentscheidung treffen können“, sagt Postbank-Sprecher Ralf Palm dem „Mannheimer Morgen“. Online-Überweisungen, Telefon-Banking und die an den Terminals in den Filialen abgewickelten Geschäfte sind weiter kostenlos.

Die günstigsten Filialkonten für Bestandskunden

  • Musterkunde

    Kontoführung: Filiale/Online

    Monatlicher Geldeingang: 3500 Euro

    Maestrocard: 1

    Kreditkarte: 1

    Kreditkartenumsatz p.a.: 3000 Euro

    Durchschnittsguthaben: 300 Euro pro Monat

    Beleglose Buchungen: 10 pro Monat

    Beleghafte Buchungen: 2 pro Jahr

    Abhebungen im Verbund: 4 pro Monat

    Abhebungen Fremdautomaten: 3 pro Jahr

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014

  • Geschäftsbanken bundesweit

    Basiskosten1. Jahr2. Jahr3. JahrSummeBemerkungen
    Geschäftsbanken bundesweitpro JahrKosten fürs Girokonto pro JahrBonuszahlungen
    Santander Bank7,44-28,56-28,56-28,56-85,6836 € p.a.
    norisbank5,885,885,885,8817,64 
    BBBank15,7215,7215,7215,7247,16 
    HypoVereinsbank20,8820,8820,8820,8862,64 
    Targobank30,0030,0030,0030,0090,00 
    Postbank30,8430,8430,8430,8492,52 
    Commerzbank40,8040,8040,8040,80122,40 
    Santander Consumer Bank72,1272,1272,1272,12216,36 
    Deutsche Bank107,76107,76107,76107,76323,28 

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014

  • Filial- und Onlinebanken regional

    Basiskosten1. Jahr2. Jahr3. JahrSummeBemerkungen
    Filial-/Onlinebanken regionalpro JahrKosten fürs Girokonto pro JahrBonuszahlungen
    PSD Niederbayern-Oberpfalz5,165,165,165,1615,48 
    PSD Hessen-Thüringen5,765,765,765,7617,28 
    Sparda München5,885,885,885,8817,64 
    Sparda West5,885,885,885,8817,64 
    Sparda Hessen5,885,885,885,8817,64 
    Sparda Hamburg5,885,885,885,8817,64 
    PSD Nord6,606,606,606,6019,80 
    PSD Rhein-Ruhr7,567,567,567,5622,68 
    PSD Köln30,607,807,807,8023,40KK frei bei Gehaltseingang
    PSD Koblenz8,528,528,528,5225,56 

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014, KK = Kreditkarte

Auch andere Geldinstitute drehen an der Gebührenschraube. So erhöhten zum Jahreswechsel zum Beispiel die Sparkassen Gladbeck und Bottrop erstmals seit gut einem Jahrzehnt ihre Girokonto-Gebühren. In Bottrop verteuerte sich das Konto-Pauschalangebot nach einer Bankmitteilung von sechs auf sieben Euro im Monat. In Gladbeck erhöhten sich die monatlichen Kosten für das Privat-Girokonto einem Sprecher zufolge von 2,68 Euro auf 4 Euro.

„Die Kreditinstitute verdienen wegen der Niedrigzinsen derzeit mit Guthaben auf Girokonten kein Geld“, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Die Folge: Die Geldhäuser erhöhten in kleinen Schritten die Gebühren an den verschiedensten Stellen.

Die FMH Finanzberatung beobachtet 80 Konten regelmäßig, 50 davon sind ohne Kontoführungsgebühr, davon aber nur neun wirklich kostenfrei. „Bei allen anderen gibt es irgendwo Einschränkungen, zum Beispiel eine umsatzhängige Kreditkartengebühr“, sagt Herbst.

Die günstigsten Onlinekonten für Bestandskunden

  • Musterkunde

    Kontoführung: Online

    Monatlicher Geldeingang: 1800 Euro

    Maestrocard: 1

    Kreditkarte: 1

    Kreditkartenumsatz p.a.: 1500 Euro

    Disponutzung: 6 Tage im Monat

    Dispohöhe: 100 Euro

    Beleglose Buchungen: 12 pro Monat

    Abhebungen im Verbund: 5 pro Monat

    Abhebungen Fremdautomaten: 3 pro Jahr

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014

  • Direktbanken

    Basiskosten1. Jahr2. Jahr3. JahrSummeBemerkungen
    Direktbankenpro JahrKosten fürs Girokonto pro JahrBonuszahlungen
    Santander Bank7,44-28,56-28,56-28,56-85,6836 € p.a.
    DAB1,561,561,561,564,68 
    DKB1,561,561,561,564,68 
    CortalConsors1,561,561,561,564,68 
    ING-DiBa1,561,561,561,564,68 
    netbank1,561,561,561,564,68 
    Volkswagen1,801,801,801,805,40 
    Wüstenrot2,282,282,282,286,84 
    Skatbank6,846,846,846,8420,52 
    comdirect7,687,687,687,6823,04 

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014

  • Geschäftsbanken bundesweit

    Basiskosten1. Jahr2. Jahr3. JahrSummeBemerkungen
    Geschäftsbanken bundesweitpro JahrKosten fürs Girokonto pro JahrBonuszahlungen
    BBBank27,7227,7227,7227,7283,16 
    HypoVereinsbank28,2028,2028,2028,2084,60 
    Postbank30,2430,2430,2430,2490,72 
    Targobank31,5631,5631,5631,5694,68 
    Commerzbank42,9642,9642,9642,96128,88 
    Santander Consumer Bank71,8871,8871,8871,88215,64 
    Deutsche Bank107,04107,04107,04107,04321,12 

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014

  • Filial- und Onlinebanken regional

    Basiskosten1. Jahr2. Jahr3. JahrSummeBemerkungen
    Filial-/Onlinebanken regionalpro JahrKosten fürs Girokonto pro JahrBonuszahlungen
    PSD Berlin-Brandenburg7,207,207,207,2021,60 
    PSD Westfalen-Lippe7,207,207,207,2021,60 
    PSD Köln7,327,327,327,3221,96KK frei bei Gehaltseingang
    PSD Koblenz7,447,447,447,4422,32 
    PSD Hessen-Thüringen7,447,447,447,4422,32 
    Sparda München7,687,687,687,6823,04 
    Sparda Hessen7,807,807,807,8023,40 
    Sparda Hamburg7,807,807,807,8023,40 
    Sparda Südwest8,168,168,168,1624,48 
    PSD Rhein-Ruhr17,5217,5217,5217,5252,56 

    Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 23.10.2014, KK = Kreditkarte

Früher hätten Banken und Sparkassen mit günstigen oder gar kostenlosen Girokonten gelockt, um den Kunden in einem zweiten Schritt dann Darlehen oder Kapitalanlagen verkaufen zu können, urteilt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Doch jetzt, wo diese Geschäftsfelder immer weniger Geld in die Kasse spülen, besinnen sich die Banken darauf, dass auch mit dem Girokonto selbst Geld zu verdienen ist.“

Rückendeckung erhalten die Geldhäuser dabei von höchster Stelle. Die scheidende Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, riet den Instituten kürzlich, für ihre Dienstleistungen angemessene Preise zu verlangen: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich die Kunden freuen, wirtschaftlicher Logik entsprechen sie nicht.“

Wenn die Postbank nun das Thema Papierüberweisungen ins Visier nimmt, ergibt das aus ihrer Sicht also durchaus Sinn. Der Trend geht ohnehin in Richtung Online-Banking. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank wurden 2013 von 6,3 Milliarden Überweisungen nur noch 816 Millionen schriftlich eingereicht. Etwa 5,5 Milliarden Transaktionen waren beleglos, darunter 2,7 Milliarden online.

Mit zunehmenden Alter sinkt allerdings der Anteil der Verbraucher, die Online-Banking nutzen. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes BdB wickeln 78 Prozent der 30- bis 39-Jährigen ihre Bankgeschäfte über das Internet ab, bei den 70-Jährigen und Älteren sind es dagegen nur 22 Prozent.

Weitere Konten

Bislang waren kostengerechte Preise bei Girokonten wegen des harten Wettbewerbs hierzulande häufig nicht durchsetzbar. Doch könnte sich dies nun ändern, glaubt Verbraucherschützer Feck. Die Gebühren für Überweisungen mit Papierbelegen müssten da nicht das letzte Wort sein. Denkbar seien auch Gebühren etwa für Bareinzahlungen auf das eigene Konto oder Benachrichtigungsentgelte bei geplatzten Lastschriften.

„Das ist im Einzelfall wenig, aber die Masse macht es“, meint der Verbraucherschützer. Der Kunde könne sich gegen eine schleichende Verteuerung seines Girokontos eigentlich nur auf eine Art wehren: „Er kann mit den Füßen abstimmen und sich eine andere Bank suchen.“

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