Banken-Krise: Erste Bank will keine Staatshilfen mehr

Banken-Krise: Erste Bank will keine Staatshilfen mehr

, aktualisiert 28. Oktober 2011, 14:12 Uhr
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Das Logo der österreichischen Erste Bank am Firmensitz in Wien.

von Reuters Quelle:Handelsblatt Online

Die österreichische Erste Bank will „auf keinen Fall“ weitere Staatshilfen. Und das trotz eines Kapitalbedarfs von knapp 750 Mio. Euro und eines Quartalsverlusts von 1,5 Mrd. Euro.

WienDie Erste Bank will trotz eines Milliardenverlusts im dritten Quartal die Schuldenkrise ohne weitere Staatshilfen bewältigen. Zwar müsse das Sparkassen-Spitzeninstitut nach eigener Einschätzung bis Juni 2012 weitere knapp 750 Millionen Euro aufbringen, um die Bankenaufseher zufriedenzustellen. Das werde das Institut aber voraussichtlich aus eigener Kraft schaffen, sagte Firmenchef Andreas Treichl. Staatshilfen wolle er „auf jeden Fall vermeiden“.

Ob die Erste erwäge, den Kapitalmarkt anzuzapfen, um sich zusätzliches Geld zu beschaffen, ließ Treichl offen. „Wir wollen so viel Kapital haben, dass wir sicher durch die Krise segeln, aber wir wollen keine Polster aufbauen, die nicht notwendig sind“, sagte er lediglich. Vorrangig plane die Bank, die Kapitallücke durch einbehaltene Gewinne zu stopfen.

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Um die Schuldenkrise zu bewältigen, müssen die großen europäischen Banken nach Anweisung der Aufseher insgesamt 106 Milliarden Euro Kapital aufnehmen. Damit sollen sie bis Mitte 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent kommen.

Bei der Erste sank diese Kennziffer zum Ende des dritten Quartals auf 8,8 Prozent von 9,2 Prozent Ende 2010. Grund dafür war ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro im dritten Quartal, der die Gewinne aus den Vormonaten auffraß. Nach neun Monaten stand unter dem Strich daher ein Minus von 973 Millionen Euro. Die Erste hat ihre Töchter in Ungarn und Rumänien deutlich abgewertet und ihr Portfolio für Kreditabsicherungen (CDS) neu bewertet und fast ganz abgebaut. „Wir haben aufgeräumt“, sagte Treichl. „Das Ergebnis ist, dass wir für 2011 einen Nettoverlust zwischen 700 und 800 Millionen Euro haben werden“, bekräftigte er. An der Börse gab die Erste-Aktie erneut nach und verlor knapp sechs Prozent an Wert.


Ärger mit den Ungarn

In Ungarn macht der Ersten eine Gesetzesänderung zu schaffen, die es Privatleuten ermöglicht, ihre Fremdwährungskredite zu für sie deutlich günstigeren Wechselkursen zurückzuzahlen. Die daraus entstehenden Verluste müssen die Banken tragen, auf die dadurch hohe Abschreibungen zukommen. Bislang hätten sich rund 4500 von 96.000 betroffenen Erste-Kunden in Ungarn für eine Umwandlung angemeldet - knapp 21.000 hätten Interesse daran gezeigt, erklärte die Bank. Viele Ungarn haben Franken-Kredite für ihre Häuser aufgenommen, die sie nun wegen des Wertverfalls der Landeswährung Forint gegenüber dem Franken nur mehr schwer bedienen können. Mit dem Gesetz will Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban den Banken einen Teil ihrer in dem Land verdienten Gewinne wieder abknöpfen und sein Volk von der „Schuldensklaverei“ befreien, wie er am Freitag sagte.

Die Erste stellt sich angesichts solcher Kampfansagen für die kommenden Jahre auf weiteren Turbulenzen ein. „Während wir in allen Ländern signifikante Gewinnsteigerungen erwarten, erwarten wird das nicht für Ungarn - nicht in 2012 und wahrscheinlich auch nicht in 2013“, sagte er. Nach den ersten neun Monaten verbuchte die dortige Tochter ein Minus von 532 Millionen Euro.

Konzernweit stieg die Risikovorsorge durch die Probleme in Ungarn um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende erwartet die Erste einen weiteren Zuwachs auf insgesamt 2,3 Milliarden Euro.

In Rumänien macht der Bank die maue Wirtschaftsentwicklung zu schaffen, die auch die Geschäftsaussichten für die vor mehreren Jahren übernommene BCR trübt. Die Erste hatte daher knapp 700 Millionen Euro auf den Firmenwert abgeschrieben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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