Banken: Unicredit leidet unter sich selbst

Banken: Unicredit leidet unter sich selbst

von Cornelius Welp

Der Expansionskurs der italienischen Großbank war beispiellos. Doch jetzt leidet Unicredit unter dem wahnwitzigen Wachstum der vergangenen Jahre.

Bild vergrößern

Sitz der UniCredit in Mailand

An den Wänden hängen dunkle Porträts in goldenen Rahmen, stolz und ernsthaft blicken die in Öl gebannten Bankvorstände der vorigen Jahrhundertwende auf den runden Tisch in der Mitte des großen Saals. Wenn die UniCredit demnächst in ein neues Hochhaus in der Nähe des Bahnhofs Porta Garibaldi zieht, passt das besser zum Anspruch, eine der ersten und modernsten Adressen des europäischen Kreditwesens zu sein.

Doch löst UniCredit den noch ein? Die Bank, die wegen ihres rasanten Wachstums und ihrer starken Präsenz in Osteuropa lange als Vorbild galt, sieht sich seit Monaten mit massiven Problemen konfrontiert. „Bei Kapitalausstattung und Liquidität gehören wir zur Spitze in Europa“, sagt zwar Bankchef Federico Ghizzoni. Doch der Vorstandsvorsitzende, der sein gesamtes Berufsleben bei der Bank und ihren Vorgängerinstituten verbracht hat, muss derzeit die schwierigste Phase ihrer Geschichte meistern.

Anzeige

"Systemrelevant"

Als Großbank entsteht UniCredit erst 1998 , als die traditionsreiche Bank Credito Italiano sechs norditalienische Sparkassen und eine Regionalbank übernimmt. Danach startet sie einen beispiellosen Expansionskurs. Motor ist Alessandro Profumo, Ex-McKinsey-Berater, Charismatiker und intern „Magnifico“, „der Große“, genannt. Die Bilanzsumme klettert zwischen 1998 und 2008 von 150 Milliarden auf mehr als eine Billion Euro, die Zahl der Beschäftigten von 35.000 auf mehr als 160.000.

Bild vergrößern

Klicken Sie auf die Grafik, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

Der richtige Mann zur richtigen Zeit

Heute ist UniCredit in 22 Ländern Europas vertreten. Wie die Deutsche Bank zählt sie zu den weltweit 29 großen Instituten, die Regulatoren als systemrelevant eingestuft haben. Der größte Kauf ist 2005 die damals angeschlagene HypoVereinsbank (HVB) aus München. Attraktiv für Profumo ist dabei vor allem das Geschäft der Tochter Bank Austria im Wachstumsmarkt Osteuropa. Die Fusion verläuft turbulent, zahlreiche Top-Manager verlassen die HVB, Anleger klagen gegen den Zusammenschluss.

2010 muss Profumo auf Druck der eher politisch als ökonomisch orientierten Sparkassenvertreter im Verwaltungsrat gehen. Sie drängen auf eine stärkere Hinwendung zu Italien. Nachfolger wird Osteuropachef Ghizzoni. Der gilt intern als unabhängig von politischen Umtrieben und erledigt seinen Job sachlich und ohne großspurige Auftritte. „Er ist der richtige Chef zur richtigen Zeit“, heißt es in der Bank.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%