Banken: Vernachlässigte Aktionäre bei der Commerzbank

Banken: Vernachlässigte Aktionäre bei der Commerzbank

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Obwohl bei der Commerzbank alles getan wurde, um staatliche Hilfen zurück zu zahlen sind die Aktionäre unzufrieden.

von Mark Fehr

Die Commerzbank-Manager müssen sich auf der Hauptversammlung ihren frustrierten Anteilseignern stellen.

Fern der Bankentürme versammeln sich die Commerzbank-Aktionäre am Mittwoch in der Jahrhunderthalle im Frankfurter Stadtteil Höchst. Die Vorstände der zweitgrößten deutschen Bank sollten sich schon mal für einen Aufstand ihrer frustrierten Eigentümer wappnen. Im Zentrum der Kritik wird CEO Martin Blessing stehen, dessen kürzlich bekannt gewordene Gehaltserhöhung für das Jahr 2012 hoch umstritten ist.

Managergehalt Nicht so schnell, Herr Blessing!

Der Aufsichtsrat gönnt dem Chef der Commerzbank ein höheres Gehalt. Beim Steuerzahler sorgt das für Bauchschmerzen.

Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Martin Blessing Quelle: dpa

Die Agenda der Hauptversammlung hält eine weitere Provokation für die Aktionäre bereit. Der Vorstand will sich Kapitalerhöhungen genehmigen lassen, mit denen die stillen Einlagen des Versicherers Allianz sowie des Bankenrettungsfonds Soffin abgelöst und in Aktien umgewandelt werden könnten. Der Staat müsste bei einer solchen Aktion wohl wiederholt neue Anteilsscheine an der Commerzbank zeichnen, um seine Beteiligungshöhe von einem Viertel konstant zu halten. Für die anderen Altaktionäre wäre das mit der Gefahr verbunden, dass sich ihre Anteile verwässern, also etwa bei Abstimmungen an Gewicht verlieren.

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Viel Anstrengung, aber Nichts für die Aktionäre

Es steht außer Frage, dass Top-Manager Blessing und sein Team in den zurückliegenden Monaten eine Reihe anstrengender und wichtiger Projekte erledigt haben. Von den Schweißtropfen der Bankchefs und Mitarbeiter haben die Aktionäre aber nichts gehabt. Im Gegenteil: Viele wurden von einem Kursrutsch überrollt und werden dem Management dafür in Frankfurt-Höchst die Leviten lesen.

Blessing und seine Leute haben im Frühjahr 2011 unter immensen Anstrengungen den größten Teil der staatlichen Krisenhilfen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro zurückgeführt. Zudem hat das Management die IT-Systeme der übernommenen Dresdner Bank erfolgreich in die Commerzbank integriert. Obendrein wird die Bank die strenge Kapitalhürde aus dem Stresstest der EU-Finanzaufsicht mit reichlich Sicherheitsabstand überspringen können.

Schrumpfen um jeden Preis

Der Vorstand hat im zurückliegenden Geschäftsjahr bewusst Priorität auf die Forderungen der Bankenaufsicht gelegt, damit die Commerzbank nicht restlos verstaatlicht werden muss. Diesem Ziel wurde alles andere untergeordnet. Das Schrumpfen um jeden Preis hat das traditionelle Geschäftsmodell der Bank dabei fast in den Hintergrund treten lassen.

Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

  • Asset Based Finance

    Diese Sparte schrieb 2011 einen operativen Verlust von 3,91 Milliarden Euro. Zur ABF zählen die gewerblichen Immobilien-, Schiffs-, und Staatskredite. Das ändert sich im Juli. Dann zählen Schiffskredite und ein Teil der Immobilienkredite zur Real Estate and Ship Finance. Der Rest wird in Non Core Assets abgewickelt.

  • Privatkunden

    Das operative Ergebnis 2011 betrug 375 Millionen Euro. Zu diesen Segment zählt das Vermögensmanagement und die Online-Tochter comdirect. Die Commerzbank möchte das Privatkundengeschäft weiter ausbauen, bisher sind die Erfolge übersichtlich.

  • Osteuropageschäft

    Operatives Ergebnis 2011: 483 Millionen Euro. Zwischenzeitlich gab es große Probleme in der Sparte. Zu ihre zählen die polnische Tochter BRE, die jetzt wieder hohe Gewinne schreibt und die ukranische Bank Forum.

  • Investment-Banking

    Das operative Ergebnis der Sparte betrug in vergangenen Jahr 583 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich umfasst das kundenorientierte Investmentbanking und die Betreuung der kapitalmarktaffinen Kunden.

  • Mittelstandsbank

    Diese Sparte lieferte 2011 ein operatives Ergebnis von 1,53 Milliarden Euro. Damit ist die Mittelstandsbank die wichtigste Sparte. Sie betreut mittelständische und große Unternehmenskunden, sowie institutionelle Kunden.

Allein im ersten Quartal 2012 hat die Bilanz 14 Milliarden Euro abgespeckt. Das forderte seinen Preis in Form enttäuschender Geschäftszahlen für das Startquartal 2012. Dem Institut blieb im operativen Geschäft ein Plus von nur 584 Millionen Euro. Dagegen hatte die Commerzbank im entsprechenden Zeitraum 2011 noch gut doppelt so viel verdient.

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Die Teilerfolge bei Staatsausstieg, Kapitalstruktur und IT-Integration mögen schwer erkämpft sein. Für Jubel bei den Aktionären sorgen sie jedoch nicht. Ausreichende Kapitalpolster und funktionierende IT-Systeme sind zwar notwendige Kriterien für das Überleben einer Bank, aber keine hinreichenden Kriterien für den finanziellen Erfolg der Investoren. Deshalb werden die Vorstände am Mittwoch zu Recht ins Kreuzverhör genommen.

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