Banken: Verschwinden jetzt die Filialen an der Ecke?

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Banken: Verschwinden jetzt die Filialen an der Ecke?

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Bin ich schon drin? Digitalfreak Franke hilft der Commerzbank im Internet auf die Sprünge

von Cornelius Welp und Mark Fehr

Stirbt die klassische Filiale? Kostendruck und Digitalisierung bedrohen die Zweigstelle an der Ecke. Die Rettung sollen nun vor allem technische Spielereien bringen – ein riskanter Weg.


Ole Franke ist nicht sauer, wenn man ihn einen Nerd nennt. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die neuesten Tablet-Rechner, Smartphones und Laptops, über die behäbigen Dienstrechner und klassischen Blackberrys seiner Kollegen in der Commerzbank kann er nur milde lächeln. Franke ist neu in der Finanzbranche, vorher hat er für Mobilfunker und Elektronikhändler den digitalen Vertrieb auf Vordermann gebracht. Nun soll er dem bisher stiefmütterlich behandelten Online-Banking bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus auf die Sprünge helfen.

Technikfreaks wie Franke sind die Hoffnungsträger der Banken im Kampf um private Kunden. Sind sie zugleich die endgültigen Totengräber der klassischen Bankfiliale? „Der große Vorteil von Filialen ist die Beratung“, sagt selbst Online-Profi Franke. Doch seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Zweigstellen bundesweit von 57 000 auf 36 000 gesunken.

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Nun verschärfen niedrige Zinsen, der harte Wettbewerb und strenge Vorschriften bei der Anlageberatung den Kostendruck. Etliche Banken reagieren, indem sie weitere Standorte dichtmachen. Ein allzu rabiater Abbau ist jedoch riskant. Denn aller Technikbegeisterung zum Trotz bleiben Filialen für Kunden vorerst unverzichtbar.

Wenig Erfolg mit Sperenzchen

Ungeachtet dessen holt die Münchner HypoVereinsbank besonders weit mit der Axt aus. In den kommenden zwei Jahren wird sie bis zur Hälfte ihrer knapp 600 Filialen dichtmachen. Vorstandschef Theodor Weimer bemüht sich, den Eindruck einer Kapitulation aus Kostengründen zu vermeiden, und erklärt den Schritt zur Reaktion auf verändertes Kundenverhalten. 300 Millionen Euro steckt er in neue Technik und die Modernisierung der verbliebenen Standorte. Die Kunden will die Bank nun vermehrt mit technischen Sperenzchen wie Videoberatung in einer „Online-Filiale“ beglücken. Damit hatte die HVB bereits experimentiert, mit mittelmäßigem Erfolg.

Tatsächlich ist die Bedeutung digitaler Angebote nochmals rapide gewachsen. In einer Studie der Beratung Bain gaben 35 Prozent der befragten Bankkunden an, in den vergangenen drei Monaten zumindest eine Zahlung mobil per Smartphone erledigt zu haben – eine Verdopplung innerhalb eines Jahres. Insgesamt mehr als 60 Prozent aller Bankgeschäfte finden digital statt. Tendenz: weiter stark steigend.

Trotzdem scheuen die meisten Banken den großen Schlag. Die Commerzbank, deren Geschäft mit Privatkunden als eine der größten von vielen Großbaustellen im Konzern gilt, versucht einen Mittelweg zwischen Rückzug und Offensive. Sie dünnt nach der Schließung von rund 300 Filialen infolge der Übernahme der Dresdner Bank 2008 das Netz zwar nicht weiter aus, baut aber 1800 Stellen im Privatkundengeschäft ab. Die verbliebenen 1200 Filialen sollen für 120 Millionen Euro modernisiert werden und ihre Produkte stärker über das Internet vertreiben. „Wir schaffen die Trennung zwischen Filiale und Online-Banking ab“, sagt Privatkundenvorstand Martin Zielke. Bis Ende 2014 will er alle Produkte online anbieten, die auch große Direktbanken im Programm haben. Den Abschluss von Verträgen über das Netz hat die Commerzbank ursprünglich vorwiegend über die Tochter Comdirect ermöglicht, die als digitale Speerspitze fungierte. Die Sphärentrennung soll nun fallen, auch in den Köpfen der Mitarbeiter.

Kunden wollen Ratgeber aus Fleisch und Blut

Diese möglichst sinnvolle Verbindung von Technik und Filiale gilt aktuell als aussichtsreichster Weg aus der Misere. „Auch die Großbanken unterschätzen noch die Bedeutung der digitalen Präsenz“, sagt Oliver Mihm, Chef der Frankfurter Beratung Investors Marketing. So könnten sie sich über einen ansprechenden Online-Auftritt deutlich stärker von der Konkurrenz absetzen als über ein schickes Filialdesign oder das vage Versprechen einer besonders guten Beratung.

Gerade für diese brauchen die Kunden weiterhin Ratgeber aus Fleisch und Blut. „Die Filiale wird primär zur Beratung für komplexere Themen wie Altersvorsorge, Baufinanzierung oder Vermögensmanagement aufgesucht“, sagt Mihm.

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