Banken: Zerschlagung ist kein Allheilmittel

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Banken: Zerschlagung ist kein Allheilmittel

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Neel Kashkari, Chef der Niederlassung der US-Notenbank Federal Reserve in der Stadt Minneapolis im Bundestaat Minnesota.

von Mark Fehr

Ein einflussreicher US-Notenbanker fordert die Spaltung von Großbanken. Der Vorschlag ist populär – allein macht er aber das Finanzsystem nicht sicherer.

Es ist nicht irgendwer, der den Vorschlag gemacht hat. Zwar ist Neel Kashkari auf den ersten Blick nur Chef der Niederlassung der US-Notenbank Federal Reserve in der Stadt Minneapolis im Bundestaat Minnesota. Zwölf regionale Notenbanken gibt es im amerikanischen Fed-System, Kashkari hat also längst nicht das internationale Gewicht einer Janet Yellen. Doch ein Blick in Kashkaris Lebenslauf macht seinen Vorstoß, US-Großbanken zu zerschlagen, durchaus brisant.

Der damals erst 35-Jährige hat auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 als Beamter des US-Finanzministeriums vorübergehend den mit 700 Milliarden Dollar bestückten Rettungsfonds für die amerikanischen Banken verwaltet. Er arbeitet auch in der privaten Finanzwirtschaft, etwas für die Großbank Goldman Sachs und die Investmentgesellschaft Pimco, die dem deutschen Versicherungsriesen Allianz gehört. Für die Republikaner hat er bereits für ein hohes politisches Amt als Gouveneur von Kalifornien kandidiert.

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Es wird daher interessant sein, zu sehen, ob jemand aus seiner Partei oder gar jemand von den Demokraten seine Thesen zur Zerschlagung von Großbanken aufgreift. In den USA läuft gerade der Vorwahlkampf zu den Präsidentenwahlen auf Hochtouren. Dabei kämpfen innerhalb der politischen Blöcke Politiker darum, von ihrer Partei als Präsidentschaftskandidat aufgestellt zu werden.

Was ist inhaltlich dran an Kashkaris Vorschlag? Er findet, die gute Verfassung der US-Banken solle nun dafür genutzt werden, diese auf staatliches Geheiß aufzuspalten. Wegen ihrer guten Geschäftszahlen könnten sie seiner Meinung nach einen solchen Schritt verkraften. Damit will Kashkari das als Too-big-to-fail-Problem bekannte Dilemma lösen. Gemeint sind Banken, deren Kredit- und Einlagenvolumen so groß ist, dass ihr Zusammenbruch ganze Volkswirtschaften in den Abgrund reißen würde. Das zwingt den Staat zu teuren Rettungsaktionen mit öffentlichem Geld. Davon kann Kashkari als ehemaliger Verwalter des US-Bankenrettungsfonds ein Lied singen.

Der Gedanke ist zunächst überzeugend, große in kleine Einheiten aufzuspalten, um das Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen. So sollen Risikokonzentrationen verhindert werden. Mit diesem Kleinteiligen Konzept sind etwa die deutschen Sparkassen oder die Volks- und Raiffeisenbanken gut durch zahlreiche Krisen gekommen.

Ein Allheilmittel ist die Bankenaufspaltung allerdings nicht. Auch in kleinteiligen Strukturen können sich Risiken bündeln. Das sollte auch Kashkari wissen. Beispiel ist die Savings-and-Loans-Krise in den USA der 1980er-Jahre. Damals hatten sich kommunale Kreditinstitute mit massenhaft boomenden Baufinanzierungen und Ramschanleihen verhoben. Ihre Kleinteiligkeit konnte sie damals nicht retten, die Kosten trug der Steuerzahler.

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Das Beispiel zeigt noch einen weiteren Punkt: Gefahren für die Finanzstabilität kommen nicht immer aus dem Investmentbanking mit seinen Wertpapier- und Derivatetransaktionen. Auch das als grundsolide angesehene Geschäft mit Krediten an Privatleute und Unternehmen kann zum Systemrisiko werden. Eine Abtrennung des Investmentbankings von den Krediten und Einlagen wird die Bankguthaben von Verbrauchern und Unternehmern nicht vor allen Krisen schützen können. Was hinzukommen muss, ist sinnvolle Regulierung, eine wachsame Finanzaufsicht und für den Fall der Fälle ein wirksamer Schutz der Einlagen.

Wenn Kashkaris Vorschlag dazu führt, dass US-Banken verkleinert werden, nur um sich dann unterhalb des Radars der Aufsicht und Regulierung bewegen zu dürfen, würde er das Finanzsystem nicht sicherer machen sondern unsicherer.

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