Bankenstresstest: "Ich glaube nicht, dass Banken versuchen, ihre Bilanzen zu schönen"

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Bankenstresstest: "Ich glaube nicht, dass Banken versuchen, ihre Bilanzen zu schönen"

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Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), spricht von einem sehr großen Druck auf die Banken.

Europas Banken sind schwer unter Druck. Daraus macht Bankenpräsident Fitschen keinen Hehl. Er weiß aber auch: Nur kompromisslose Tests der künftigen EZB-Bankenaufseher schaffen Vertrauen im Markt.

Bankenpräsident Jürgen Fitschen sieht die laufenden EZB-Tests als harte Bewährungsprobe für die Institute. „Der Druck auf die Branche ist sehr groß“, sagte Fitschen bei einem Redaktionsbesuch bei der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Was an uns an Informationswünschen herangetragen wird, ist enorm. Der Prozess ist für die EZB und alle Beteiligten Neuland“, stellte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) fest, der zugleich Co-Chef der Deutschen Bank ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ab 4. November die größten Banken im Euroraum zentral überwachen und durchleuchtet gerade mit gewaltigem Aufwand die Bilanzen von 128 Instituten. So sollen Altlasten und mögliche Kapitallöcher aufgedeckt werden. Im Sommer folgt ein Stresstest, der die Krisentauglichkeit der Institute im Falle von Wirtschaftseinbruch und Absturz der Immobilienpreise unter die Lupe nehmen wird. Ergebnisse wollen die Aufseher im Oktober veröffentlichen.

„Das wird von jetzt bis in den Herbst ein sehr intensiver Prozess, der alle fordern wird“, sagte Fitschen. Er warnte zugleich vor Versuchen, die Kriterien aufzuweichen: „Der Test darf nicht zu einem Muster ohne Wert verkommen. Am Ende muss der Markt im Herbst zu der Erkenntnis kommen: Das war ein ernsthafter Test mit harten Kriterien.“ Er halte es jedoch nicht für notwendig, dass die Aufseher zwingend eine bestimmte Zahl von Banken durchfallen lassen: „Es muss nicht zwangsläufig Opfer geben, um das Vertrauen wiederherzustellen.“

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Gleichwohl werde die Zahl der Banken in Europa weiter schrumpfen: „Es wird auch Banken geben, die den Test bestehen und trotzdem keine Zukunft haben. Das Test-Ergebnis ist keine Garantie dafür, dass Banken auch auf Dauer ein sicheres Auskommen haben werden“, befand Fitschen. „Ich glaube nicht, dass alle Banken, die wir heute in Europa sehen, dauerhaft bestehen werden. Die Suche nach einem aussichtsreichen Geschäftsmodell ist angesichts der Niedrigzinsen, den Belastungen aufgrund der neuen Regeln und Abgaben eine besondere Herausforderung. Hinzu kommt der harte Wettbewerb.“

Aus all dem ergebe sich „zwangsläufig ein starker Druck, die Kostenstrukturen nachhaltig zu verbessern“, sagte Fitschen. Im Euroraum gibt es derzeit etwa 6000 Geldinstitute. Insgesamt sei die Branche stabiler geworden, meint Fitschen: „Wir haben seit der Finanzkrise eine ganze Menge für die Sicherheit der Bankenbranche getan.“

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Dass die dreistufige Überprüfung der EZB inklusive Stresstest bei einzelnen Häusern Probleme aufdecken wird, ist nach Fitschens Einschätzung durchaus zu erwarten: „Ich kann mir vorstellen, dass die Prüfung Defizite bei einzelnen Instituten feststellen wird. Diese können aber auch schon im Laufe der Prüfung korrigiert werden. Einige Banken haben ja bereits im Januar vorausschauend Kapital aufgenommen. Weitere Institute werden dem folgen.“

Fitschen appellierte, Banken, die sich frisches Kapital etwa bei Investoren besorgten, dafür nicht abzustrafen. „Im Ergebnis ist das genau das, was gewollt ist: Banken sollen ihre Risiken mit ausreichend Kapital absichern“, sagte er. „Was ich für fatal hielte: Wenn Banken an den Pranger gestellt würden, die nun sagen, dass sie frisches Geld brauchen.“ Die Branche mahnte der BdB-Präsident, ihre Kapitalpolster nicht per Bilanzkosmetik aufzupolieren. „Ich glaube nicht, dass Banken versuchen werden, ihre Bilanzen mit Tricks zu schönen. Das wäre ja fast so, als ob ein Sportler vor laufenden Kameras Doping betreibt und die ganze Welt dabei zuschaut.“

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