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Bankenstresstest: Kontrolleure wollen Bilanztricks verbieten

von Mark Fehr

Trotz strenger Krisenvorsorge sollen die Banken fleißig neue Kredite vergeben. Vor allem für die Commerzbank wird es daher eng.

Blick auf die Skyline der Frankfurter Bankhäuser Quelle: dapd
Der kritische Blick auf die Kapitaldecke der Banken ist richtig. Doch solange die Spielregeln der Stresstests nicht klar definiert sind und in letzter Minute geändert werden, können sich die Banker leicht herausreden und ihre Situation schön färben. Quelle: dapd

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Der neue Stresstest war streng – und das ist gut so. Schlecht ist dagegen, dass die von der europäischen Bankenaufsicht dirigierte Veranstaltung zum zweiten Mal in diesem Jahr chaotisch ablief. Die Kontrolleure korrigierten die Testkriterien hektisch und legten erst nach und nach auf den Tisch, welche Maßnahmen sie den Instituten beim Krisenschutz durchgehen lassen wollen und welche nicht.

Angesichts der eskalierenden Schuldenkrise verlangt die EU, dass die großen Geldinstitute ihr hartes Haftungspolster bis Mitte kommenden Jahres deutlich stärken, wobei die Wertverluste von Staatsanleihen kriselnder europäischer Länder berücksichtigt werden. Die aufgestockte Eigenkapitalquote soll das Haftungsvolumen der Aktionäre vergrößern, so dass die Gläubiger der Banken besser vor Verlusten geschützt sind. Derzeit lechzen viele Häuser nach frischem Geld, da potenzielle Finanziers wie Versicherungen, Hedgefonds oder andere Geldinstitute an der Bonität des Bankensektors zweifeln.

Keine klaren Spielregeln

Das Ziel des Stresstests, zusätzliche Haftungsmasse und damit neues Vertrauen zu schaffen, ist grundsätzlich sinnvoll. Das Problem: Solange die Spielregeln nicht klar definiert sind und in letzter Minute geändert werden, können sich die Banker leicht herausreden und ihre Situation schön färben. Der Kapitalbedarf für deutsche Institute ist mit 13 Milliarden Euro gegenüber ersten Schätzungen der Aufsichtsbehörde EBA vom Oktober deutlich gestiegen. Erst nach und nach ließen die Aufseher durchblicken, dass sie den Stichtag des Tests auf Ende September 2011 verschieben oder etwa die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten aus Staatskrediten unterschiedlicher Länder verbieten würden.

Jetzt hält EBA-Chef Andrea Enria einen weiteren Hammer bereit. Er will den Banken verbieten, ihr Kreditgeschäft einzudampfen, um zu verhindern, dass der Stresstest die Geldversorgung der Wirtschaft zusammenbrechen lässt. Dieses Verbot macht Pläne zunichte, die Mindestquote an hartem Kernkapital durch Bilanzkosmetik zu erreichen. In Deutschland wäre davon vor allem die Commerzbank betroffen.

Commerzbank will Staatshilfen vermeiden

Ursprünglich wollte das Frankfurter Institut den von der Bankenaufsicht geforderten Bedarf an zusätzlichem Risikokapital zu einem großen Teil dadurch zu reduzieren, dass neue Kredite nur noch an Kunden in den Kernmärkten Deutschland und Polen vergeben werden. Ob die Aufseher das durchgehen lassen, ist nach der neuen EBA-Leitlinie zweifelhaft. Trotzdem will die Commerzbank ihren Abwehrkampf gegen weitere Staatshilfen tapfer fortsetzen. Falls es schief geht, wartet der Bankenrettungsfonds Soffin, den die Bundesregierung wohl noch in diesem Jahr wiederbeleben wird.

Die Europäischen Bankenaufseher wollen die Pläne der Finanzchefs für die Kapitalaufstockung im Januar 2012 sehen, umsetzen müssen die Banken diese bis Ende Juni. Einige deutsche Institute haben ihre Hausaufgaben schon weitgehend gemacht. Die Landesbank Hessen Thüringen wird die stille Einlage der Bundesländer und Sparkassen bis Jahresende endgültig härten, so dass ihre Kapitallücke rechtzeitig geschlossen wäre. Die Deutsche Bank will ihr Polster größtenteils mit einbehaltenen Gewinnen stärken.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.12.2011, 20:53 UhrAnonymer Benutzer: bel

    Die EBA hat zumindest erreicht, dass keine europäische Bank mehr neue Staatsanleihen der Südländer kauft - damit wird bei hohem Anschlussfinanzierungsbedarf bspw. von Italien mit ca. € 300 Mrd. in 2012 die Spirale nach unten weiter angeheizt - wenn die EZB nicht kauft steigen die Zinsen und die Kurse der Papiere fallen weiter.

    Zwei Anmerkungen zur EBA-Technik:
    Es werden nur Staatsanleihen aus dem Euro-Raum der markt to market-Bewertung der EBA unterworfen - mit bei steigenden Zinsen entsprechenden negativen Auswirkungen auf den Kurs - und weiter steigendem kapitalbedarf der Banken. Wenn die betroffenen Banken aber das "Glück" haben ein bspw. ungarisches Staatspapier zu besitzen kann dies weiterhin laut EBA zu 100 im Anlagebestand der Bilanz geführt werden - offensichtlich wird EBA-seitig die ungarische Bonität höher bewertet als bspw. die von Italien.
    Das mark to market-Bewertungsthema gilt nur für börsennotierte Staatsanleihen der Euro-Länder - auch eine Forderung bspw. ggü. der Stadt Rom einer italienischen Bank als ganz normaler Kommunalkredit bleibt bei 100.
    Und - wenn bspw. eine Bank eine Beteiligung in Griechenland oder Italien hat kann sie diese - trotz deutlich höherem Risiko - weiterhin im Anlagevermögen zu überhöhten Werten stehen lassen.

    Basis der EBA-Bewertung ist die Planbilanzen der Institute 2012 (incl. des geplanten Bilanzsummenwachstums im kommenden Jahr) - dies fällt nunmehr aus - aber ist das wirklich verwunderlich ?

    Leider haben diese Bewertungskriterien nichts mit einer HGB oder IFRS-Bilanzierung zu tun - und Stress nehmen diese Methoden nicht aus dem System - ganz im Gegenteil.

  • 10.12.2011, 13:20 UhrAnonymer Benutzer: Wegweiser

    Bei der Bilanzierung wurden insbesondere in Deutschland in den letzten zehn Jahren eine Vielzahl von grundlegenden Bilanzierungsstandards dem angelsächsichem Recht angepasst. Nicht mehr der Gläubigerschutz stand im Vordergrund, sondern die Informationsfunktion für den Investor am Markt. Grundlegende Standards wurden bewußt und geplant geändert, der Wesensgehalt von Rechtsvorschriften zur Rechnungslegungen wurden "angepasst".

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bilanzierung-paradigmenwechsel-in-der-bilanzanalyse-1303518.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

    http://www.fmm-magazin.de/finanzen-mm.php?id=2742

    http://www.cecu.de/1012+M5e83f6250bb.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Grundsätze_ordnungsmäßiger_Buchführung

  • 09.12.2011, 16:26 UhrAnonymer Benutzer: Werner

    Wäre es nicht angemessener würden die Herren "Kontrolleure" - oder wer auch immer - das Schuldenproblem der Staaten angehen um den Anleihen auf diese Weise wieder ihren ursprünglichen Wert zu geben?
    Diese willkürlichen Eingriffe in die Privatwirtschaft klingen langsam wie eine Diktatur der Dummen, ähnlich wie die Ratingagenturen ist auch bei der Bankenaufsicht nicht eben die Intelligenz des Kontinents versammelt.

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