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Bankenzukunft: Banken - eine vom Aussterben bedrohte Spezies?

17. Februar 2013
Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWocheBild vergrößern
Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche
von Saskia Littmann

Während die Banken noch gegen die Regulierer und um das Vertrauen ihrer Kunden kämpfen, wollen ihnen neue Player aus Bereichen wie Mobile Payment oder Crowdfunding Marktanteile wegschnappen.

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Die Handlung des neuen Werbespots der Commerzbank ist nichts Besonderes. Eine junge Frau im Kapuzenpulli joggt durch Frankfurt, über den Main, vorbei an Marktständen läuft sie zu ihrem Arbeitsplatz, einem der großen Bankentürme. Die Joggerin ist Filialleiterin bei der "Bank an deiner Seite".

Besonders sind allerdings die Fragen, die der Spot stellt. "Woran liegt es, dass man den Banken nicht mehr vertraut?", fragt die Protagonistin. Es ist einer der ersten Versuche einer großen Bank, in aller Öffentlichkeit Fehler einzuräumen. Ob die Kunden ihrer Bank die neuen Einsichten abnehmen, sei einmal dahin gestellt. Diese Geschichte ist eine andere. Denn dieser neue, scheinbar selbstkritische Ton der Bank zeigt vor allem eins ganz deutlich: Die Finanzindustrie steckt in einem großen Dilemma, denn sie hat das Vertrauen ihrer Kunden nahezu komplett verspielt.

Nicht erst seit der Finanzkrise vertrauen Verbraucher ihrer Bank nicht mehr. Skandale gibt es schließlich weit und breit. Allein in der Affäre um den manipulierten Interbankenzinssatz Libor stehen zahlreiche Großbanken wie die Deutsche Bank oder die Schweizer UBS unter Verdacht. Namen von Händlern, die Milliarden verzockt haben, sind mittlerweile nicht mehr nur in Finanzkreisen geläufig. Jérôme Kerviel beispielsweise, der durch seine Zockereien sogar die Société Générale an den Rand des Ruins brachte, immerhin das zweitgrößte Institut Frankreichs.

Man könnte meinen, dass diese großen, öffentlichen Skandale der Großbanken den Kunden einer regionalen Sparkasse oder Volksbank wenig interessieren. Das mag sein. Allerdings sind Libor und Co. längst nicht der einzige Grund, warum Kunden ihrer Bank nicht mehr vertrauen. Viel tiefer sitzt das Unbehagen, Kunden fühlen sich nicht mehr gut beraten. Im Gegenteil, sie fühlen sich verraten und verkauft. Das Misstrauen, der Berater könnte einem die angeblich so renditeträchtige Lebensversicherung nur verkaufen, weil er selber dafür die höchste Provision kassiert, ist zu groß geworden. "Das Vertrauen der Bevölkerung in die Bankindustrie ist durchaus angeknackst", gibt auch Klaus Schilling, Bankberater bei Steria Mummert Consulting, zu.

Laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vertrauen nur noch 29 Prozent der Verbraucher ihrem Geldinstitut ganz oder zumindest überwiegend. Die Finanzindustrie hat damit die rote Laterne inne, sie liegt im Vergleich zu anderen Branchen auf dem letzten Platz. Selbst die Bundesregierung – normalerweise auch nicht gerade ein Vertrauensgarant – liegt mit 34 Prozent etwas weiter vorne in der Gunst der Verbraucher. Zum Vergleich: In anderen Ländern genießen Banken Vertrauenswerte von rund 80 Prozent.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 18.02.2013, 17:18 UhrZahungsverkehrs-Kenner

    Das Interessante ist, dass Kunden bei den ach so innovativen Zahlungsdienstleistern Abzüge von mehreren Prozent des Zahlungsbetrags hinnehmen, während bei einer Bank schon gejammert wird, wenn für den Zahlungsverkehr überhaupt etwas bezahlt werden soll.
    Un die ganzen ach so tollen mobilen Payments sind in der Mehrzahl nichts anderes, als die Kartenterminals bei den Händlern zu virtualisieren (oder auf ein Dongle für das iPhone einzuschrumpfen). Das ist zwar eine Weiterentwicklung, aber kein komplett neues Geschäftsmodell, auch wenn der Hype es anders vermuten lässt.
    Am Ende braucht jeder dieser Zahlungsdienstleister doch wieder einen Bank, um den letzten Schritt der Zahlung auszuführen.
    Gehaltskonten bei PayPal und dann Abwicklung aller Zahlungen innerhalb PayPals (oder ähnliche)? Ja gerne, aber dann zu den gleichen regulatorischen Bedingungen, die Banken auch einhalten müssen. Denn außer dass sich das Unternehmen dann nach außen noch als "Internet-Dienstleister" verkauft, ist es am Ende doch auch nur wieder eins: eine Bank (und für die "echte" Kontenführung wird dann auch eine Banklizenz gebraucht.
    Wie lange die Kunden dann noch höhere Kosten für die Abwicklung der Zahlungen über PayPal akzeptieren als wenn sie mit einer Bank arbeiten (ja, Verbraucher sind manchmal "dumm", aber nicht so dumm))? Und ich glaube nicht, dass - im Gegensatz zu Internet-Händlern (zähneknirschend) - die meisten Zahlungsempfänger gewillt sein werden, die Abzüge bei den Zahlungen hinzunehmen.

  • 18.02.2013, 16:01 UhrMarco

    Interessanter Beitrag und Buch ist bestellt

  • 18.02.2013, 12:03 Uhrln-von-e

    Würden die Politiker die wirtschaftlichen Zusammenhänge kennen, dann wären die Regelungen für Banken und Versicherungen erheblich schärfer. Jeder Investmentbanker vernichtet mindestens 10 Arbeitsplätze, in Zeiten von Blasen über 200.
    Gottseidank erleben wir gerade einen Umbau der Finanzierungswelt.
    Das (unfreiwillig) komischste Argument ist: Wenn hier die Banken scharf reguliert werden dann weichen sie nach UK oder LUX aus.
    Was besseres kann uns gar nicht passieren.

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