kolumneBettina Röhl direkt: Deutscher Richterbund versus Deutsche Bank

25. Dezember 2012
Kolumne von Bettina Röhl

Die Deutsche Bank hat derzeit viele Baustellen. Die antikapitalistischen Ressentiments gegen Banken und Banker haben Hochkonjunktur. Auch der Deutsche Richterbund schießt scharf gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und könnte dabei selber das Prinzip der Gewaltenteilung verletzt haben.

Kleines Symptom? Große Aussagekraft! Deutsche-Bank-Boss Jürgen Fitschen hatte in der vorvergangenen Woche den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier angerufen, um sich bei ihm über die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einer Hausdurchsuchung wegen Beteiligung an einem Steuerhinterziehungsdelikt zu beschweren. Bekanntlich hat dieser Anruf in der Öffentlichkeit ein großes, wenn auch wenig qualifiziertes Echo gefunden. Politik und Medien sprachen sehr schnell von einem ungeheuerlichen Versuch Fitschens als großer Chef der deutschen Bank zu deren Gunsten Druck auf die Justiz auszuüben.

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Bettina Röhl direkt Deutsche-Bank-Bashing macht Spaß!

Fitschen beschwert sich telefonisch bei Volker Bouffier über die Fahndungsmaßnahmen. Ein gefundenes Fressen für Medien und Politiker. Dabei ist die Rechtslage klar: Fitschen durfte sich beschweren.

Bettina Röhl direkt: Deutsche-Bank-Bashing macht Spaß!

Von verschiedenen Seiten tönte es, dass Fitschen das Verfassungsprinzip der Gewaltenteilung nicht oder nur ungenügend kennte. Fitschen sei ungeeignet das größte deutsche Bankhaus zu führen. Stillos und instinktlos hätte Fitschen sich verhalten. Und dieser Anruf konterkariere die von ihm versprochene "Kulturrevolution" in der Deutschen Bank. Auch SPD-Boss Sigmar Gabriel warf seine Stimme ins allgemeine Getöse ein und forderte verklausuliert alles, was das linke Lager hören will: Zerschlagung der Deutschen Bank, Rauswurf von Fitschen. Er verglich den Anruf von Bouffier mit dem Anruf eines gewissen Christian Wulff beim Chef der BILD-Zeitung Ende 2011.

Und der Gescholtene knickte ein. Jürgen Fitschen bedauerte und entschuldigte sich, bezeichnete seinen Anruf bei Bouffier als einen "Fehler", gelobte Besserung und schwor inzwischen auch im Konzert mit dem Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, in einem hausinternen Brief an die Mitarbeiter unter dem Stichwort "Kulturwandel" aus dem Geldhaus Deutsche Bank eine mustergültige Bank machen zu wollen. Gemeint ist eine Bank, die die Interessen ihrer Aktionäre, aber auch die der Öffentlichkeit, die der Mitarbeiter, des Marktes und der Kunden voller Transparenz hegt und pflegt.

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Kommentare | 17Alle Kommentare
  • 31.01.2013, 08:34 UhrJoselyn

    Ich bin garantiert keine Kapitalistenhasserin. Mein Opa war schon Bankkaufmann und hat gesagt, dass die Deutsche Bank schon immer "ihre Leichen im Keller" hatte.
    Leider war es auch immer so, dass die wirklich Schuldigen nie bestraft wurden, sondern es immer EINZELNE Mitarbeiter waren, die als Sündenbock hingestellt wurden und bei näherem Hinsehen nie die Kompetenz gehabt hätten, dass alleine zu entscheiden. In einem hierarchischem Unternehmen geschieht nichts, ohne dass das mindestens ein Vorgesetzter Kenntnis davon gehabt hätte.
    Bei dem Libor-Skandal gehe ich davon aus, dass wenigstens der Finanzvorstand der Deutschen Bank eingeweiht war und das gebilligt hat. Schließlich waren 2 Mitarbeiter, die darin verwickelt sein sollen, ruck zuck im Sommer in der Schweiz und arbeiten jetzt da.
    Ich denke, die meisten Menschen sind darüber wütend, dass die Deutsche Bank mit ihren Lügen und Vertuschungen immer wieder davon kommt. Und das seit Jahren.
    Ausgetragen wird das alles natürlich auf dem Rücken der Angestellten. Die Deutsche Bank streicht Stellen, schließt Standorte. Neue Mitarbeiter und übernommene Auszubildende arbeiten für ein kleines Grundgehalt und Provision, ausscheidende Mitarbeiter werden nicht mehr ersetzt. Frauen erhalten schon seit Jahren, wenn sie aus dem Mutterschaftsurlaub kommen, 1-2 Gehaltsstufen weniger als vorher. Will man Mitarbeiter loswerden, erhöht man die individuellen Zielvorgaben des Verkaufs so eklatant, dass das nicht zu schaffen ist.

    Ich denke, jeder mit einem gesunden Gerechtigkeitsempfinden ist wütend bei solchen Machenschaften.

  • 27.12.2012, 07:35 UhrB.Giertz

    Ich habe nichts gegen Banker als solche.
    Die von meiner Genossenschaftsbank sind ganz patente Leute ; -)

  • 27.12.2012, 00:19 UhrUll

    Gemütlicher und einfacher ist es ja, ein schönes, ein eindeutiges Feindbild zu haben. Zum Beispiel die bösen Banker. Die gierigen Banker. Die gemeinen Banker, die das Geld der armen Leute verpulvern. Es läßt sich auch so schön personifizieren, eben die Banker! Statt dessen "die Kapitalisten", ne, das ist zwar gemeint, aber sagt sich zur Zeit nicht so gut.
    Der Artikel von Frau Röhl zeigt dankenswerterweise viel kompliziertere und differenziertere Sichtweisen. Die anstrengend zu durchdenken sind.
    Gottseidank ist die Wirklichkeit nicht einfach schwarz und weiß. Das konkrete Klein-Klein des Gelingens und Versagens ist eben anstrengender, weil man genau hinschauen muß.
    Artikel: hilfreich, dankeschön !

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