Blockchain: Kaum Experten gesucht, Innovation verpasst

Blockchain: Kaum Experten gesucht, Innovation verpasst

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Deutsche Unternehmen suchen nur vereinzelt neue Mitarbeiter als Blockchain-Experten.

von Sebastian Kirsch

Deutsche Konzerne wollen zwar erforschen, welche Möglichkeiten ihnen die dezentrale Datenbank Blockchain bietet: Spart sie Geld, oder bringt sie gar zusätzliche Einnahmen? Sie stellen aber kaum Personal ein, um das herauszufinden.

Ist es wirklich eine Revolution? Ein Hype mit geringen Auswirkungen auf das operative Geschäft? Oder am Ende doch nur ein Luftschloss, das in den nächsten Jahren wieder in sich zusammen fällt?

Die Blockchain sorgt seit zwei Jahren für Aufsehen. Zunächst erkannte die Finanzbranche, dass sich mit diesem digitalen Register bisherige Prozesse besser abbilden lassen. Denn in einer Blockchain haben alle angeschlossenen Nutzer einer Datenbank zu jeder Zeit gleichen Einblick in alle bisherigen Transaktionen. Das soll für mehr Transparenz sorgen, könnte Prozesse vereinfachen (also Geld sparen), oder gar neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

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So forschen mittlerweile deutsche Unternehmen von Dax-Konzernen bis zum Mittelstand bereits an Einsatzmöglichkeiten. Von einem Hype sollte man aber besser nicht sprechen. Denn eine Analyse der Meta-Suchmaschine Joblift zeigt: Bislang werden in Deutschland kaum Stellen ausgeschrieben, die einen Bezug zum Thema Blockchain haben.

Welche Vorteile hätte eine solche dezentrale Datenbank denn überhaupt?

Beispiel Bitcoin: Durch die digitalen Währung wurde das Konzept der Blockchain bekannt. Denn jeder Bitcoin-Nutzer hat immer Einblick in alle Zahlungsströme weltweit, kann erkennen, auf welchem Konto wie viele Bitcoins liegen, und von welchen Konten diese überwiesen wurden. Gleichzeitig müssen alle Nutzer in der Blockchain neuen Kontoeinträgen zustimmen, bevor sie in der Datenbank – also auf den Konten - gutgeschrieben werden. Das schließt Manipulationen durch einzelne oder Gruppen aus.

Dieses Konzept könnte also etwa bisherige Zahlungsabwicklungen zwischen Banken oder die Übertragung von Wertpapieren zuverlässiger abbilden. Deshalb war die Finanzbranche eine der ersten, die eigene Forschungsgruppen aufbaute, um die Möglichkeiten der Blockchain zu testen.

Ein Team bei der Deutschen Börse versuchte etwa schon vor einigen Jahren, damit die Stimmabgabe der Aktionäre auf Hauptversammlung digital schneller möglich zu machen.

Blockchain Erste Anwendungen in drei bis fünf Jahren

Das digitale Register Blockchain soll die Finanzbranche revolutionieren. Bislang testen Banken aber nur neue Anwendungen. In den nächsten Jahren wird sich das ändern, prophezeit eine neue Studie.

Festplatten in einem Serverraum. Quelle: REUTERS

Erst im vergangenen Jahr setzte sich dann branchenübergreifend die Erkenntnis durch, dass mit der Blockchain auch außerhalb der Finanzbranche neue Dinge möglich werden.

Diesen Vorsprung der Finanzbranche zeigt auch die Auswertung der Meta-Suchmaschine Joblift. Sie durchsucht gleich mehrere Jobbörsen wie Stepstone und Monster gleichzeitig, aber auch Karriereseiten von Unternehmen.

Joblift analysierte die Ausschreibungen in denen Unternehmen nach Blockchain-Experten suchten. 2015 war es vor allem die Finanzbranche die Mitarbeiter suchte, aber auch der Automobilsektor und die Informations- und Kommunikationsbranche waren bereits auf der Suche nach Personal, das Blockchain-Lösungen entwickeln konnte.

Digital Handeln per Blockchain

  • Die Vorteile von Blockchain

    Die Blockchain könnte ein weltweites Netzwerk zwischen Privatanlegern, Banken und Börsen spannen. Kauft ein Privatanleger eine Aktie, würde die Übertragung des Besitzrechtes sofort in einem digitalen Register erfasst und verifiziert. Bisher brauchen Anleger dafür eine Bank, die den Kauf noch von einer Abwicklungsstelle bestätigen lässt.

  • Günstiger Handeln

    20 Milliarden Euro könnten Anleger mit der Blockchain-Technik jährlich sparen. Das Einsparpotenzial bei Lagerung und Abwicklung von Wertpapieren und dem Handel damit wird auf 90 Prozent geschätzt.

  • Rückhalt bei Großbanken

    Die großen Investmentbanken zeigen bereits großes Interesse an der neuen Technik. Das New Yorker Start-up R3 CEV konnte bereits 25 internationale Großbanken für das Vorhaben interessieren, darunter JP Morgan, HSBC, Goldman Sachs, UBS, Deutsche Bank und Commerzbank. Gemeinsam arbeiten sie an Standards für den digitalen Wertpapierhandel.

Erst in den Jahren danach wollten auch andere Branchen Blockchain-Anwendungen testen – von Industriekonzernen bis zu Beratungsunternehmen werden nun branchenübergreifend Blockchain-Experten gesucht. Wenn auch auf einem sehr geringen Level, wie die Auswertung von Joblift zeigt: Deutschlandweit wurden seit 2015 lediglich 105 Stellen mit Blockchain-Bezug ausgeschrieben.

Und die Finanzbranche scheint mittlerweile ausreichend Experten an Bord zu haben. Denn im Jahr 2017 schrieb sie bislang noch keine neue Stelle aus. Über Konzeptprojekte, wie etwa eine neue Möglichkeit der Deutschen Börse Geld zu überweisen, sind ihre Forschungsteams bislang nicht hinausgekommen.

PremiumBlockchain Wie Konzerne mit Blockchain experimentieren

Hinter der Digitalwährung Bitcoin steckt die Blockchain-Technologie – nach der einige deutsche Konzerne plötzlich völlig verrückt sind. Experten versprechen sich Großes von der Technik.

Konzerne experimentieren mit der hinter Bitcoin stehenden Technologie. Quelle: dpa

Derweil beginnen Beratungen und Logistikkonzerne gerade erst, ihre Blockchain-Expertise aufzubauen. Und auch wenn die Energiebranche erst 2016 auf den Blockchain-Zug aufsprang, gibt es dort mittlerweile erste Anwendungen, die die Vorteile der Blockchain nutzen. StromDAO etwa, ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtwerke Energie Verbunds in Kamen mit Software-Anbietern und Energieberatern. Ein neuer SmartMeter zeigt Ökostrom-Kunden transparenter als bisher den tatsächlichen Anteil von grüner Energie in ihrem Stromnetz .

Nachdem in den ersten vier Monaten 2017 bereits mehr Blockchain-Stellen ausgeschrieben wurden als im Vorjahr, werden die nächsten Anwendungen kaum lange auf sich warten lassen.

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