Börsen-Fusion: NYSE-Chef Niederauer legt sich mit Schäuble an

Börsen-Fusion: NYSE-Chef Niederauer legt sich mit Schäuble an

, aktualisiert 04. November 2011, 10:20 Uhr
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Nyse CEO Duncan Niederauer (links) legt sich mit der deutschen Regierung an.

von Rolf BendersQuelle:Handelsblatt Online

Die New Yorker Börse schießt gegen Finanzminister Schäuble: Dem Fusionspartner der Deutschen Börse geht die geplante Finanztransaktionssteuer gegen den Strich. Im Hinblick auf die Fusion ein Spiel mit dem Feuer.

New YorkDie von der EU geplante Finanztransaktionssteuer ist Duncan Niederauer ein Dorn im Auge. Der Chef der New York Stock Exchange (NYSE) droht kaum verklausuliert mit drastischen Gegenmaßnahmen, wenn sie wirklich kommt. “Kapital ist nicht patriotisch und die Märkte sind in der Tat global und können einfach über Grenzen fließen”, sagte er am Donnerstag bei Vorstellung der Quartalszahlen der Nyse in New York.

Zuvor hatte der Chef der US-Derivatebörse ICE, Jeffrey Sprecher, offen damit gedroht, seine britische Tochterbörse aus London abzuziehen und außerhalb der Grenzen der EU anzusiedeln, sollte die Steuer eingeführt werden. Es sei nicht naturgegeben, dass man in London ansässig sei, und das könne sich ändern, wenn sich die Markbedingungen ändern würden, sagte Sprecher. Als Niederauer am Donnerstag von einem Analysten darauf angesprochen wurde, ob er das ähnlich sehe, sagte er: “Ich stimme dem in großen Teilen zu”.

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Experten nahmen die Äußerungen von Niederauer und Sprecher ernst. “Ich würde das nicht als leere Worte abtun, das sind realistische Drohungen”, sagte Sang Lee, Geschäftsführer der Bostoner Beratungsfirma Aite Group der Nachrichtenagentur Reuters.  Ein Sprecher der NYSE versuchte den Aussagen die Schärfe zu nehmen und betonte, Niederauer habe sich nur allgemein zur Wettbewerbssituation geäußert. Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte sich dazu nicht äußern.

Die Finanztransaktions- oder Börsensteuer soll nach dem Willen von Finanzminister Schäuble bei jedem Kauf- oder Verkauf an der Börse erhoben werden. Er verteuert das Geschäft für die Beteiligten. Kritiker befürchten, Marktteilnehmer könnten ihre Geschäfte dann außerhalb Europas abwickeln.


Spannende Entscheidung

Das Fusionsvorhaben der NYSE und der Deutschen Börse steht vor entscheidenden Wochen. Die  Wettbewerbsbehörden in der EU müssen entscheiden, ob die beiden Konzerne nach der Verschmelzung ihre beiden - derzeit konkurrierenden - Derivatebörsen Liffe und Eurex behaltend dürfen oder nicht. Bislang zeigen sich die Wettbewerbshüter halsstarrig.

In Anhörungen wollen die beiden Fusionspartner in der kommenden Woche ihre Meinung darlegen. Sie müssen bis zu 17. November Vorschläge machen, wie sie - etwa durch Anteilsverkäufe und Zugeständnisse an Wettbewerber - die Bedenken der Behörden ausräumen wollen.
Wie gespannt die Lage dabei ist, zeigen Äußerungen Niederauers vom Donnerstag. “Ab einem bestimmten Punkt macht die Logik hinter der Fusion keinen Sinn, wenn wir zu viel aufgeben müssen”, sagte er. Sich ausgerechnet in dieser Situation mit Finanzminister Schäuble wegen dessen Projekt einer Finanztransaktionssteuer anzulegen, wurde am Donnerstag in Frankfurter Finanzkreisen als wenig geschickt bezeichnet. Schließlich ist Schäuble in dieser Sache einer der in Brüssel einflussreichsten deutschen Politiker.

Für die Deutsche Börse selbst wäre es nichts Neues ihre Büros aus steuerlichen Gründen zu verlegen. Vor wenigen Jahren ist die Deutsche Börse aus Frankfurt in den Vorort Eschborn umgezogen, um Gewerbesteuer zu sparen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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