Boni-Diskussion bei der Deutschen Bank: Achleitner macht einen wichtigen Anfang

KommentarBoni-Diskussion bei der Deutschen Bank: Achleitner macht einen wichtigen Anfang

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Paul Achleitner verweigert allen im Jahr 2011 aktiven Vorständen der Deutschen Bank einen Teil ihrer Boni und treibt den angekündigten Kulturwandel des Unternehmens damit weiter voran.

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank ändert ihr Vergütungssystem: Die Vorstände müssen auf einen Teil ihrer Boni verzichten - ein wichtiges Symbol für den angestrebten Kulturwandel.

Über Jahre war Josef Ackermann nicht nur Deutschlands umstrittenster, sondern auch bestverdienender Konzernlenker. Die Höhe seines Gehalts wurde ebenso verlässlich kritisiert wie hingenommen. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die Auszahlung tatsächlich zu verweigern.

Nun tut Aufsichtsratschef Paul Achleitner genau das. Ackermann und alle anderen im Jahr 2011 aktiven Vorstände der Bank müssen auf einen Teil ihrer Boni für dieses Jahr verzichten. Vorerst jedenfalls. Die Zahlungen sind eingefroren und nicht verfallen. Kassieren werden die Banker nur, wenn sich herausstellt, dass sie keine Verantwortung für die immensen Rechtsrisiken tragen, die die Bank belasten.

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Euro Finance Week Banker klagen über zu strenge Aufsicht

Im fünften Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise beschweren sich die wichtigsten deutschen Bankchefs schon wieder über die schärferen Regeln für ihre Branche.

Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, während einer Veranstaltung im Rahmen der "Euro Finance Week" in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Der Zahlungsstopp ist vor allem ein symbolischer Akt. Und hat dabei doch eine ganz andere Qualität als eine ähnliche Aktion im Jahr 2008.

Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise hatten Ackermann und seine Kollegen von sich aus auf Boni verzichtet. Heute entspringt die geringere Entlohnung nicht dem Anstandsgefühl der Konzernspitze, sondern einem grundlegend veränderten Vergütungssystem. Achleitners Aktion zeigt immerhin, dass sich die Bank an die Regeln hält, die sie sich selbst gegeben hat. Und dass diese für alle gelten, auch für die ganz oben.

Veränderungen fangen in der Spitze an

Solche Akte sind dringend notwendig. Denn nur sie können den schwammigen Begriff des Kulturwandels mit Leben füllen, den sich die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu Beginn ihrer Amtszeit auf die Fahnen geschrieben haben. Die Bank tut sich seitdem schwer damit zu belegen, dass es sich dabei nicht nur um Worthülsen, sondern um echte Veränderungen handelt.

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Die fangen bekanntlich an der Spitze an. Ein grundlegender Wandel ist aber erst dann erreicht, wenn diese Regeln für alle Mitarbeiter der Bank gelten. Insbesondere die Investmentbanker des Instituts kassierten in der Vergangenheit Prämien, die sie zu riskanten Deals motivierten und in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung standen.

Verhindern soll solche Exzesse künftig ein extrem kompliziertes System, das halb gesetzlichen Vorgaben und halb den eigenen Erkenntnissen der Bank folgt. Banker sollen danach kein Geld bekommen, wenn sich ihre Geschäfte später als nachteilig erweisen.

So die Theorie. Die Finanzaufsicht Bafin hat die Bemühungen fast aller deutschen Banken auf diesem Gebiet zu Beginn des Jahres heftig kritisiert und ihnen den Willen zu wirklichen Veränderungen abgesprochen. Der Tadel traf auch die Deutsche Bank. Von echten Veränderungen lässt sich erst dann sprechen, wenn diese Mängel abgestellt sind. Bis dahin bleibt noch viel zu tun.

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