Bundesbank-Vorstandsmitglied: Dombret will marode Banken pleite gehen lassen

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Bundesbank-Vorstandsmitglied: Dombret will marode Banken pleite gehen lassen

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Dombret, 53, ist seit Mai 2010 Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und zuständig für Finanzstabilität. Zuvor arbeitete er unter anderem bei der Deutschen Bank, der US-Investmentbank JP Morgan und der Bank of America.

von Anne Kunz und Cornelius Welp

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank fordert einschneidende Reformen im Finanzsystem und will marode Kreditinstitute notfalls pleitegehen lassen. Von einem Trennbankensystem rät er jedoch ab.

Wirtschaftswoche: Herr Dombret, überall gibt es Signale, dass sich die europäische Staatsschuldenkrise entspannt: Der Euro ist stark, die Kurse für Anleihen und Aktien steigen. Ist das ein Strohfeuer oder ist das Finanzsystem tatsächlich sicherer geworden?

Dombret: Die Finanzmärkte sind unbestritten in freundlicher Verfassung. Staaten und Banken konnten sich in den vergangenen Wochen recht problemlos refinanzieren – teilweise zu kräftig gesunkenen Zinsen. Das schließt Finanzinstitute aus Portugal und Irland ein, auch wenn es sich hier noch um geringe Emissionsvolumina gehandelt hat. Einige Banken denken bereits über eine Rückzahlung der Liquiditätshilfen der EZB nach.

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Sie beschreiben die Stimmung an den Märkten, doch ist der Optimismus auch begründet?

Extreme Risikoszenarien sind nicht eingetreten – die USA sind nicht über die fiskalische Klippe gestürzt, und der Fortbestand unserer Währungsunion wird nicht mehr angezweifelt. Gleichzeitig verfügen die Banken über mehr Eigenkapital und haben sich von problembehafteten Aktiva getrennt. Besonders wichtig ist, dass die Krisenländer erste Fortschritte aufgrund ihrer Strukturreformen machen. Die Lage bleibt jedoch anfällig. Die Risikoprämien sind im historischen Vergleich immer noch sehr hoch. Der politische Reformeifer darf nicht nachlassen, sonst kann es zu Rückschlägen kommen.

Die Geldpolitik der EZB hat zwar die Lage entspannt. Gleichzeitig wächst aber aufgrund der niedrigen Zinsen und der hohen Liquidität die Angst vor Inflation. Anleger flüchten in Immobilien. Droht dort eine Preisblase?

Panikmache ist nicht gerechtfertigt. Die Inflationserwartungen sind fest verankert. Zwar sind die Immobilienpreise in Deutschland 2012 weiter gestiegen, es gab aber alles andere als eine Preisexplosion. Die Preise für Wohnimmobilien in den 125 größten deutschen Städten erhöhten sich im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent und in den sieben deutschen Großstädten um 7,1 Prozent gegenüber 2011. Die Entwicklung ist übrigens regional sehr unterschiedlich. Auch wenn es Anzeichen von Übertreibungen in bevorzugten Lagen einiger deutscher Großstädte gibt – von einer Immobilienpreisblase kann man nicht sprechen.

Preise von 10 000 Euro pro Quadratmeter sprechen also nicht für eine Blase?

Typisch für eine Blase wäre vor allem ein übermäßig starkes Kreditwachstum. In Deutschland ist das bisher nicht zu beobachten, die Immobilien sind hier unverändert solide finanziert. Wenn das Umfeld aus niedrigen Zinsen und hoher Liquidität allerdings noch mehrere Jahre anhält, könnte es zu Übertreibungen kommen. Das hat uns die Erfahrung aus anderen Ländern gelehrt.

Wie kann man als Aufsicht gegensteuern?

Bundesbank und BaFin achten darauf, dass die Banken keine unangemessenen Risiken eingehen. Wir kontrollieren, ob sie sich zu stark engagieren oder ihre Kreditvergabestandards lockern. Die konservative Kreditvergabe muss gewahrt werden. Unsolide Entwicklungen bei Immobilienkrediten können die Finanzstabilität beeinträchtigen. Schließlich machen Immobilienkredite mehr als zwei Drittel der Verschuldung der Haushalte und 40 Prozent der Forderungen der deutschen Kreditinstitute aus. Wir lehnen uns also keinesfalls entspannt zurück.

Das tun Sie allerdings bei der Regulierung der Finanzmärkte. Hier verschieben Sie wichtige Reformschritte, weil diese angeblich die wirtschaftliche Entspannung gefährden könnten.

Die Politik ist gefordert. Reformprozesse dürfen nicht aufgeschoben werden. Bei der Einführung einer gemeinsamen europäischen Bankenaufsicht mussten wir uns allerdings von einem anfangs viel zu ambitionierten Zeitplan verabschieden. Der derzeitige Zeitplan sieht nun vor, dass die gemeinsame Aufsicht nicht in diesem Jahr, sondern erst 2014 kommt. Das ist immer noch herausfordernd, aber machbar.

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