City Talk: Gute Banken, schlechte Banken

City Talk: Gute Banken, schlechte Banken

, aktualisiert 08. November 2011, 17:29 Uhr
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Jon Corzine bei einer Rede.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Banker haben ihr moralisches Fundament verloren Leute wie Jon Corzine erfüllen noch immer eine positive Funktion: Sie zeigen durch ihr schlechtes Beispiel, dass die Reform der Finanzbranche weitergehen muss.

Die Demonstranten an der Wall Street und vor der St.-Pauls-Kathedrale in London müssten Jon Corzine ein Denkmal setzen. Lässt sich doch keine bessere Besetzung für die Rolle des Schurken im Drama um die bösen Banker denken als der Ex-Chef des amerikanischen Brokers MF Global. Die Mischung aus zu großem Ehrgeiz und Selbstüberschätzung, mit der der ehemalige Präsident von Goldman Sachs MF Global in die Pleite trieb, sollte drei Jahre nach dem Kollaps von Lehman Brothers ausgemerzt sein.

Weil Corzine aus dem New Yorker Broker eine Art Mini-Goldman machen wollte, lud er dem Unternehmen nicht nur enorme Schulden auf, er häufte auch mehr als sechs Milliarden Dollar Risiken in europäischen Regierungsanleihen an, eine Last, unter der die Firma schließlich kollabierte. Da wundert es einen fast schon nicht mehr, dass am Ende auch noch Hunderte von Millionen Dollar in den Büchern fehlten und der Verdacht noch immer nicht ausgeräumt ist, dass Corzines Broker mit Kundengeldern spekulierten.

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Der Fall Corzine scheint all jenen recht zu geben, die glauben, dass die Banker seit der Finanzkrise nichts dazugelernt haben. Tatsächlich könnte man sogar zu dem Schluss kommen, dass die Finanzelite entweder nicht lernwillig oder nicht lernfähig ist, sondern sich nur widerstrebend an die neuen Realitäten nach dem großen Knall anpasst.

Doch zum Glück gibt es auch andere Banker, Ken Costa zum Beispiel, einen Veteranen der Londoner City, der jahrzehntelang große Deals für die Schweizer Großbank UBS und die Investmentbank Lazard eingefädelt hat. Costa hat nun vom Londoner Bischof Richard Chartres eine Spezialaufgabe bekommen. Der Ex-Banker soll eine Initiative starten, um Finanzwelt und Ethik wieder miteinander zu verbinden, keine leichte Aufgabe, wenn Costas erste Bestandsaufnahme den Tatsachen entspricht: Die Geldbranche habe ihr „moralisches Fundament verloren, mit katastrophalen Konsequenzen“, klagt der Ex-Banker.

Kein neues Problem, wenn man einer Studie des anglikanischen St. Paul’s Instituts glauben darf, die zu dem Schluss kommt, dass es mit dem sozialen Nutzen der Banker bereits seit dem „Big Bang“ vor 25 Jahren abwärtsgeht. Mit diesem „Urknall“ befreite vor einem Vierteljahrhundert Maggie Thatcher die Londoner City von vielen ihrer regulatorischen Fesseln. Basis der St.-Pauls-Studie ist eine Umfrage unter 500 Bankern, von denen die Mehrheit tatsächlich zu dem Schluss kommt, dass sie im Vergleich zu Krankenschwestern und Lehrern überbezahlt sind. Leider gibt die Umfrage keinen Aufschluss darüber, wie viele der Befragten bereit wären, einen Teil ihres Bonusses zu opfern, um unterbezahlte soziale Berufe zu subventionieren. Aber immerhin scheint die kirchliche Studie doch zu beweisen, dass nicht alle Banker als schlechtes Beispiel taugen, so wie MF-Global-Chef Jon Corzine.

Quelle:  Handelsblatt Online
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