Comdirect: "Wir bieten Know-how für Start-ups"

InterviewComdirect: "Wir bieten Know-how für Start-ups"

, aktualisiert 23. September 2015, 10:30 Uhr
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Comdirect, Tochterkonzern der Commerzbank, macht Geschäfte in erster Line online.

von Mark Fehr

Arno Walter, Chef der Commerzbank-Tochter Comdirect, ruft FinTech-Firmengründer zu einem Ideenwettbewerb auf. Sie sollen neue, finanzaffine Geschäftsmodelle möglichst früh entdecken.

Herr Walter, Comdirect macht Geschäfte in erster Line online. Bleiben Sie anders als Filialbanken von der Konkurrenz durch junge, digitale Finanzdienstleister verschont?

Auch als Direktbank schauen wir sehr genau hin, welche Innovationen aus der FinTech-Szene auf uns zukommen. Wenn sich davon etwas für unsere Kunden nutzen lässt, kooperieren wir, wie mit dem Start-up Gini, mit dessen App man eine Rechnung nur fotografieren muss, um die Banküberweisung automatisch in Auftrag zu geben. 

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An Gini ist der FinTech-Inkubator der Commerzbank beteiligt. Die aber hat den Dienst für ihre eigenen Kunden noch nicht zum Laufen gebracht. Peinlich für Ihre Konzernmutter?

Je nach Rahmenbedingungen werden Innovationen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit umgesetzt. Das geht bei einer Direktbank oftmals schneller. Mit Gini sind wir die Ersten im Konzern. 

Wie stellen Sie sicher, keine Innovation zu verpassen?

Wir gründen zum Beispiel gerade eine Start-up-Garage in Hamburg, bei der sich vom 28. September an Leute mit neuen finanzaffinen Geschäftsideen bewerben können. Den drei Besten stellen wir in Hamburg Räume und Infrastruktur zur Verfügung und helfen ihnen, binnen drei Monaten Prototypen für ihre Anwendung zu entwickeln.

Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

  • Asset Based Finance

    Diese Sparte schrieb 2011 einen operativen Verlust von 3,91 Milliarden Euro. Zur ABF zählen die gewerblichen Immobilien-, Schiffs-, und Staatskredite. Das ändert sich im Juli. Dann zählen Schiffskredite und ein Teil der Immobilienkredite zur Real Estate and Ship Finance. Der Rest wird in Non Core Assets abgewickelt.

  • Privatkunden

    Das operative Ergebnis 2011 betrug 375 Millionen Euro. Zu diesen Segment zählt das Vermögensmanagement und die Online-Tochter comdirect. Die Commerzbank möchte das Privatkundengeschäft weiter ausbauen, bisher sind die Erfolge übersichtlich.

  • Osteuropageschäft

    Operatives Ergebnis 2011: 483 Millionen Euro. Zwischenzeitlich gab es große Probleme in der Sparte. Zu ihre zählen die polnische Tochter BRE, die jetzt wieder hohe Gewinne schreibt und die ukranische Bank Forum.

  • Investment-Banking

    Das operative Ergebnis der Sparte betrug in vergangenen Jahr 583 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich umfasst das kundenorientierte Investmentbanking und die Betreuung der kapitalmarktaffinen Kunden.

  • Mittelstandsbank

    Diese Sparte lieferte 2011 ein operatives Ergebnis von 1,53 Milliarden Euro. Damit ist die Mittelstandsbank die wichtigste Sparte. Sie betreut mittelständische und große Unternehmenskunden, sowie institutionelle Kunden.

Wie beim Inkubator der Commerzbank?

Ganz anders. Unser Garagenprojekt zielt auf Innovationen in einer viel früheren Phase, also noch vor Gründung eines Start-up, das heißt noch vor der Seed-Phase. Wir beteiligen uns auch nicht, sondern übernehmen Kosten etwa für Marktforschung oder Softwarelizenzen.

Ohne Beteiligung können Ihnen die Gründer aber schnell davonlaufen, nachdem sie sich von Ihnen haben fördern lassen.

Richtig. Aber auch Comdirect hält sich so alle Möglichkeiten offen. Wir bieten mit unseren drei Millionen Kunden die Chance, eine gute Idee breit am Markt umzusetzen. Außerdem kennen wir die umfangreichen Aufsichtsregeln, denen Banken und Finanzdienstleister unterliegen. Dieses Know-how fehlt den Start-ups meist.

Wäre Comdirect ohne die 80-Prozent-Beteiligung der Commerzbank allein lebensfähig?

Die Frage stellt sich nicht.  

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Hat die Commerzbank keine Sorge, dass Sie ihr Kunden wegnehmen?

Comdirect und Commerzbank richten sich an unterschiedliche Kunden. Viele nutzen die Möglichkeit, sich in der Filiale bei komplizierten Geschäften wie Baufinanzierungen helfen zu lassen. Comdirect-Nutzer dagegen schätzen die Möglichkeit, vieles selbst zu machen, zum Beispiel ein Girokonto ausschließlich online zu eröffnen, was neuerdings sogar komplett vom Sofa aus geht, also ohne Legitimation bei der Post. Unser Anspruch ist alles, immer und überall anzubieten. Und wenn abends nach dem Tatort noch Fragen offen sind - bei uns ist immer jemand, der Ihnen weiterhilft. 

Die Praxis von Commerzbank und Comdirect, mit 50 Euro Prämie um neue Kunden fürs kostenlose Girokonto zu werben, ist in der Branche umstritten. Wie stehen Sie dazu?

Die 50 Euro kriegt nur, wer das Konto aktiv nutzt. Solche Impulse sind heute nötig, damit der Kunde wechselt. Wir rechnen genau nach und werfen kein Geld zum Fenster raus.

Wie weit sind die Überlegungen bei Comdirect, Kredite nicht nur zu vermitteln, sondern selbst zu vergeben?

In der Baufinanzierung fühlen wir uns mit unserem Vermittlungsgeschäft sehr wohl. Bei Konsumentenkrediten muss man sicher mal schauen, hier sind beide Varianten denkbar. Grundsätzlich kann ich mir aber vorstellen, Dispokredite auf die Bilanz zu nehmen. Wir haben eine hohe Anzahl an Girokonten und für eine signifikante Zahl unserer Kunden stellen wir die Erstbankverbindung.

Setzen Sie als neuer Chef eher auf die enge Bindung zur Mutter oder stärker auf Selbstständigkeit? Ihrem Vorgänger hat man ja Drang zur Autonomie nachgesagt. 

Ich setze vor allem darauf, gute Zahlen zu schreiben. Die Commerzbank will bis 2016 netto eine Million neue Privatkunden gewonnen haben, dazu leistet die Comdirect ihren Beitrag.

Wie hoch wird der sein? 

Also in den ersten acht Monaten des Jahres haben wir bereits in der Comdirect-Gruppe rund 50.000 weitere Kunden hinzugewonnen. Ich finde, das ist doch ganz gut.

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