Commerzbank: Abwickeln wird Routine

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KommentarCommerzbank: Abwickeln wird Routine

von Mark Fehr

Die Commerzbank versorgt ihre interne Resterampe mit Nachschub. Mit den Schiffskrediten wird eine weitere Vermögensklasse als notleidend gebrandmarkt.

Es ist das Aus für Schiffsfinanzierungen und Kredite für Gewerbeimmobilien. Deutschlands zweitgrößte Bank stoppt ihr Geschäft in diesen beiden Bereichen und will die Altbestände abwickeln. Das Eindampfen und Verklappen von ganzen Unternehmenseinheiten ist zum nahezu selbstverständlichen Teil des Bankgeschäfts in Deutschland geworden. Abwickeln wird damit zur Routine, das Modell Bad Bank lebt. Randgeschäft und riskante Kredite werden endgelagert oder bei Gelegenheit an opportunistische Investoren verkauft.

So muss die Commerzbank ohnehin den Großteil ihrer Tochter Eurohypo abbauen, in deren Bilanz Staatsfinanzierungen und Immobilienkredite lagern. Allerdings wollten Bankchef Martin Blessing und sein Team zumindest das Geschäft mit der Finanzierung von Gewerbeimmobilien retten. Zudem wurde die Schiffsbank-Tochter erst kürzlich von der Mutter integriert und sollte dort gemeinsam mit ausgewählten Resten aus der Eurohypo weitergeführt werden.

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Überraschender Kurswechsel

Von diesen Plänen hat sich der Vorstand jetzt überraschend verabschiedet. Obwohl die Commerzbank die von der Bankenaufsicht geforderte Quote an Haftungskapital einhalten kann und sogar noch für einen Sicherheitsabstand gesorgt hat, will das Management die Risiken durch die Schiffs- und Immobilienfinanzierung aus der Bilanz verbannen. Neben den Staatsanleihen pleitebedrohter Regierungen wird damit eine weitere Vermögensklasse als notleidend gebrandmarkt. Da die Institute höhere Kapital- und Liquiditätspolster aufbauen müssen, schrecken sie vor großvolumigen und langfristigen Finanzierungen wie etwa im Schiffsgeschäft zurück.

Jetzt könnte ein Wettlauf unter den Banken beginnen, ihr Engagement auf dem Schiffsmarkt einzustellen. Auch die HSH Nordbank, Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, hatte in diesem Geschäftsfeld eine starke Stellung. Als Kompensation für Staatshilfen im Zuge der Finanzkrise verlangte die Europäische Kommission jedoch eine deutliche Schrumpfung. Die Hamburger haben deshalb Teile ihrer Schiffsfinanzierung bereits in eine interne Bad Bank eingelagert und sind damit einen Schritt gegangen, den die Commerzbank nun auch vollzieht.

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Commerzbank bleibt auf Schrumpfkurs

Bei der teilverstaatlichten Frankfurter Bank zeichnet sich ab, dass die Umstellung des Geschäftsmodells noch tiefgreifender ausfällt. Mit dem Rückzug aus der Staatsfinanzierung und der Konzentration auf die Kernkunden in Deutschland und Polen ist es wohl nicht getan. CEO Blessing kündigte anlässlich der Beerdigung der Schiffssparte an, sämtliche Geschäftsbereiche auf ihren langfristigen Nutzen für den Konzern zu überprüfen.

Die Commerzbank bleibt daher auf Schrumpfkurs, um nicht erneut ins Fadenkreuz der Bankenaufseher und Kapitalmärkte zu geraten. Selbst nach der erfolgreichen Kapitalaufstockung besteht weiterer Bedarf an zusätzlicher Haftungsmasse, die nervöse Gläubiger beruhigen soll. Eine Ratingagentur in der Schweiz hatte gestern eine Studie zum globalen Bankensystem vorgestellt, wonach auch die Commerzbank zusätzliche Polster brauchen könnte.

Auf der Hauptversammlung im Mai hatte sich Blessing von Aktionären bereits die Option zu Kapitalerhöhungen genehmigen lassen. Auch der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin würde bei einem solchen Schritt mitziehen, um seine Beteiligungshöhe von einem Viertel konstant zu halten. Ein Ausstieg der Steuerzahler aus dem Institut ist daher nicht absehbar.

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