Commerzbank: Bitte keinen Notverkauf!

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KommentarCommerzbank: Bitte keinen Notverkauf!

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Finanzminister Schäuble könnte sinnvolleres mit der Commerzbank tun als sie zu verkaufen

von Mark Fehr

Statt die staatlichen Commerzbank-Aktien zu verjubeln, sollte Bundesfinanzminister Schäuble die Führungsspitze der Bank auswechseln.

Die eingestürzten Kurse bedrohen die Unabhängigkeit von Deutschlands zweitgrößter Bank. Immerhin: Gerüchte über den Verkauf des verbliebenen staatlichen Aktienanteils sorgen dafür, dass die tot geglaubten Commerzbank-Papiere wieder ein paar Lebenszeichen von sich geben. Dabei scheint die Tatsache nicht zu stören, dass die als Retter gehandelten Kandidaten wie die spanische Bank Santander oder die Schweizer UBS genug eigene Probleme zu bewältigen haben.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble darf auf keinen Fall den Aktienanteil an der Commerzbank zu Tiefstkursen verjubeln. Er sollte stattdessen den verbliebenen Staatseinfluss auf das Kreditinstitut nutzen, um einen überzeugenden Neustart in Gang zu setzen. Dazu gehören auch einschneidende personelle Weichenstellungen, denn die aktuelle Führungsspitze der Commerzbank – bestehend aus Vorstandschef Martin Blessing und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller – ist bei dem Versuch gescheitert, das Unternehmen auf einen neuen Kurs zu bringen.

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Personalwechsel würde die Aktie beflügeln

Bisher hat Berlin den in Wirtschaft und Politik bestens vernetzten Müller am Ruder gelassen. Doch der hat zu viele für die Bank schädliche Entscheidungen verantwortet, um das Unternehmen unvoreingenommen umzubauen. Vorstandschef Blessing bereinigt die Bilanz gerade um Altlasten aus der Müller-Ära und baut die Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierung aus der untergegangenen Eurohypo ab. Mit dem Verkauf des britischen Immobilienportfolios an Finanzinvestoren kann er einen Teilerfolg vorweisen.

Doch das reicht nicht, um die Aktionäre nachhaltig zu begeistern. Ein Personalwechsel an der Spitze dagegen dürfte die Commerzbank-Aktien deutlich stärker beflügeln. "Die Börse würde einen Austausch des Führungsduos aus Bankchef Martin Blessing und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller bejubeln", sagt Dieter Hein, Bankenexperte beim Analystenhaus fairesearch. Die beiden amtierenden Bankführer seien zu sehr in die teuren Zukäufe der Eurohypo und der Dresdner Bank verstrickt und stünden daher einem Neustart im Weg.

Verkauf der Bank wäre Verlust für die Staatskasse

Wenn die Commerzbank-Mitarbeiter nicht um ihren letzten Rest Selbstvertrauen gebracht werden sollen, muss das Unternehmen unabhängig bleiben. Dafür muss eine neue, starke Führung ins Amt, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und allen anderen Aktionären eine Aussicht auf steigende Kurse liefert. Das wäre ein Argument für die Regierung, auf einen teuren Notverkauf der staatlichen Commerzbank-Aktien zu verzichten.

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Rund fünf Milliarden Euro Steuergeld hat der Bund in mehreren Schritten für sein Anteilspaket von nunmehr 17 Prozent hingeblättert, um die kriselnde Commerzbank zu stützen und die ebenfalls milliardenschweren stillen Kapitaleinlagen des Staates abzusichern. Letztere hat der tapfere Kämpfer Blessing mit für die Aktionäre schmerzhaften Kapitalerhöhungen zurückgezahlt, den Zeitpunkt und die Konditionen des Ausstiegs aus der verbliebenen Aktienbeteiligung hält nun der Staat allein in der Hand. Würde der Bundesfinanzminister die rund 195 Millionen Commerzbank-Aktien zum Kurs von sechs Euro je Aktie verramschen, würde die Staatskasse nur etwa 1,2 Milliarden Euro einnehmen und einen milliardenschweren Verlust realisieren.

Als Gegenleistung wäre die Politik zwar den Problemfall Commerzbank los, müsste sich aber fragen lassen, wozu die kräftezehrenden Rettungsaktionen der vergangenen Jahre gut gewesen sein sollen. Mit einer Übernahme und möglichen Zerschlagung durch einen auf Staatskosten billig zum Zug kommenden Konkurrenten darf das Engagement der Steuerzahler bei der Commerzbank jedenfalls nicht enden.

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