Commerzbank: Blessing fährt Achterbahn

KommentarCommerzbank: Blessing fährt Achterbahn

von Mark Fehr

Die Commerzbank beharrt darauf, ihr wachsendes Kapitalloch ohne öffentliche Hilfen zu stopfen. Die EU-Bankenaufsicht glaubt nicht daran. 

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Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, erwartet im laufenden Jahr ein gutes Ergebnis. Konkreter wollte er allerdings nicht werden

Es hätte ein Befreiungsschlag werden sollen. Doch als die obersten Commerzbank-Manager um CEO Martin Blessing heute der Öffentlichkeit ihre Kapitalpläne vorstellten, herrschte angestrengte Entschlossenheit – statt erleichterter Entspanntheit. Nichts mehr war zu spüren von der lockeren Atmosphäre des Frühjahrs 2011, als ein sichtlich entspannter Blessing mit seinem Finanzchef Eric Strutz die spektakuläre Rückzahlung eines großen Teils der Staatshilfen ankündigte.

Von überflüssigem Kapital wollte die Bank sich damals befreien, als die Finanzkrise schon fast ausgestanden schien. Jetzt aber hat sie ein ganz anderes Problem: Die Finanzaufsicht verlangt von dem Institut eine deutliche Aufstockung der Haftungsmasse, wobei immer noch nicht ganz klar ist, ob die Commerzbank das aus eigener Kraft schafft. Notfalls müsste der Staat mit neuen öffentlichen Hilfen einspringen.

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Emotionale Achterbahnfahrt

Die Ereignisse um Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut zeigen: Die Bank, ihr Management und ihre Mitarbeiter befinden sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt. Auf Steuerzahler und Anleger prasseln beruhigende sowie beunruhigende Meldungen in schneller Folge ein und auch der Kurs der Commerzbank-Aktie bewegt sich synchron zur ständig wechselnden Nachrichtenlage. Vergangene Woche stieg die Hoffnung an der Börse dank Gerüchten, der Versicherungsriese Allianz könne seine 750 Millionen Euro schwere Einlage in hartes Kernkapital wandeln und der Commerzbank bei der Aufstockung ihres Haftungspolsters helfen.

Doch seit die Verhandlungen zwischen dem Pleitestaat Griechenland und dessen privaten Gläubigern stocken, dürften die Verluste der Banken aus Staatsanleihen sogar noch deutlich höher ausfallen als der bisher erwartete hälftige Schuldenschnitt. Auf mehr als sechs Milliarden Euro könnte das Kapitalloch der Commerzbank dadurch wachsen, weil die EU-Bankenaufsicht bei ihrem Stresstest Staatspapiere zu gesunkenen Marktwerten ansetzt. Die Nachricht über die möglicherweise vergrößerte Lücke versetzte dem Kurs der Commerzbank-Aktie einen Dämpfer.

Blessing beharrt jedoch weiter darauf, die Probleme seines Instituts alleine zu lösen. Das bedeutet: Keine neuen Staatshilfen. Ein gutes Stück vorangekommen ist er mit dem ehrgeizigen Plan bereits. Zum Ende des vergangenen Jahres konnte die Commerzbank ihre Kapitallücke bereits zu 60 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro verkleinern. Bis zum Ablauf der Deadline Ende Juni 2012 will Blessing weitere 3,3 Milliarden Euro aufstocken.

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