Commerzbank: Blessing kassiert Boni, Aktionäre gehen leer aus

Commerzbank: Blessing kassiert Boni, Aktionäre gehen leer aus

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Commerzbank-Chef Blessing erhält ersten Bonus seit der Krise.

Die Commerzbank hat im Geschäftsjahr 2014 ein Operatives Ergebnis in Höhe von 684 Millionen Euro erzielt. Das war der Bank einen satten Bonus für Chef Martin Blessing wert. Nur die Aktionäre gucken in die Röhre.

Für Commerzbank-Chef Martin Blessing ist die Zeit der Bescheidenheit vorbei. Für das abgelaufene Geschäftsjahr kassierte er erstmals seit 2007 wieder einen Bonus, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Die Gesamtbezüge lagen bei knapp 2,7 (2013: 1,4) Millionen Euro. Davon entfiel nur knapp die Hälfte - rund 1,3 Millionen - auf das Grundgehalt.

Blessing hatte in den vergangenen Jahren auf Bonuszahlungen verzichtet und stets betont, erst solle Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus - das in der Finanzkrise vom Staat gerettet wurde - wieder einen Nettogewinn im dreistelligen Millionenbereich schaffen.

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Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (SoFFin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der SoFFin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den Stillen Einlagen des SoFFin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. "Da geh ich nicht nochmal hin", sagt er und meint den SoFFin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonus-Aktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der SoFFin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • November 2012

    Die Bank kündigt an, rund zwei Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Geschäfts zu stecken.

  • März 2013

    Der SoFFin lässt die Beteiligung an der Commerzbank erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz.

  • April 2013

    Die Zahl der Aktien wird eingedampft, aus zehn Aktien wird eine.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank zahlt den Rest der stillen Einlagen des Staates und der Allianz zurück.

  • Juni 2013

    Das Management ringt den Arbeitnehmervertretern den Abbau von 5200 Stellen ab.

  • Juli 2013

    Die interne Bad Bank der Commerzbank kann ihr Portfolio britischer Gewerbeimmobilien verkaufen.

  • August 2013

    Der Aufsichtsrat beschließt die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Köpfe.

Das war 2014 trotz eines milliardenschweren Vergleichs mit den US-Behörden im Streit um Sanktionsverstöße und Geldwäsche der Fall: Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 264 Millionen Euro übrig. Auf der Bilanzpressekonferenz im Februar hatte Blessing noch betont, ob und wenn ja in welcher Höhe er für 2014 einen Bonus annehme, mache er unter anderem davon abhängig, wieviel der US-Vergleich die Bank koste. Die Aktionäre bekommen abermals keine Dividende.

Weitere Artikel

Insgesamt kassierte der Commerzbank-Vorstand für das abgelaufene Jahr 11,9 (13,3) Millionen Euro. Allerdings wurde das Führungsgremium auch um zwei Manager auf sieben verkleinert.

Mit Blick nach vorne bekräftigte die Commerzbank, weiterhin an ihren Zielen für 2016 zu arbeiten. Blessing betonte in seinem Brief an die Aktionäre aber auch, dass dies nicht unbedingt leichter geworden sei: "Bei aller Zuversicht darf man nicht ignorieren, dass sich die Rahmenbedingungen für Banken verändert haben und dass das Marktumfeld für ein breites, profitables Bankgeschäft schwieriger geworden ist."

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