
Frankfurt/DüsseldorfDie Commerzbank macht dem Bund erneut Hoffnung auf eine Zinszahlung für die erhaltenen Rettungsmilliarden. „Es bleibt unser Ziel, die stillen Einlagen des Soffin künftig zu bedienen und auch wieder eine Dividende zu zahlen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des teilverstaatlichten Konzerns, Martin Blessing, am Donnerstag in Frankfurt. Er verwies jedoch zugleich auf das weiterhin herausfordernde Umfeld angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in Europa.
Auch vor einem Jahr hatte Blessing große Ankündigungen gemacht: „Wir werden alles daran setzen, die stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen“, sagte er damals bei der Bilanzvorlage. Doch die für die Zinszahlung maßgeblichen Zahlen fielen erneut tiefrot aus: Nach dem für das deutsche Bilanzrecht maßgeblichen Handelsgesetzbuch (HGB) ergaben sich für das vergangene Jahr 3,6 Milliarden Euro Verlust. Damit entgehen dem Staat rund 170 Millionen Euro Zinszahlungen für die verbliebenen 1,9 Milliarden Euro Stille Einlage. 14,3 Milliarden Euro der nach der Dresdner-Übernahme in der Finanzkrise 2008/2009 erhaltenen Staatshilfe hatte die Commerzbank im vergangenen Jahr zurückgezahlt. Es ist das vierte Jahr in Folge, dass die Commerzbank die Zinsen an den Staat nicht bezahlt.
Für die Verzinsung ist relevant, ob ein HGB-Gewinn anfällt. Deshalb spielt es keine Rolle, dass Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS einen Konzerngewinn von 638 Millionen Euro verbuchen konnte - nicht einmal halb so viel wie im Vorjahr. Der ausgehandelte Schuldenschnitt für Griechenland belastete die Bilanz mit rund 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt schrieb die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um knapp 74 Prozent ab. Das ließ auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft in den Hintergrund treten.
Immerhin im Schlussquartal 2011 hat die Commerzbank den Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro gesteigert. Die Erwartungen der Analysten von gut 200 Millionen Euro konnte sie damit deutlich übertreffen. Dabei profitierte sie nach eigenen Angaben von einem „positiven Einmaleffekt“ in Höhe von 735 Millionen Euro, mit dem sie weitere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ausgleichen konnte. Nur dank dieses Einmaleffekts gelangen im Gesamtjahr schwarze Zahlen.
Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Zahlen: Die Aktie des Instituts brach am Donnerstag zeitweise um fast zehn Prozent ein, erholte sich aber im späteren Handelsverlauf.
Blessing wagt keine Gewinnprognose
Auf eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr legte sich Blessing nicht fest. „Auch im Jahr 2012 wollen wir unsere operative Profitabilität kontinuierlich verbessern und die Risiken weiter reduzieren“, erklärte er nur. Das Ziel von vier Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, das Teil von Blessings „Roadmap 2012“ war, hatte er bereits aufgegeben.
Die Kernbank - ohne die Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung und die in eine interne „Bad Bank ausgelagerten toxischen Papiere - soll ein „solides“ operatives Ergebnis erwirtschaften. 2011 hatte dieses bei 4,5 Milliarden Euro gelegen, auch weil die Risikovorsorge des größten Kreditgebers an deutsche Firmen um 40 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro sank. 2012 soll sie unter 1,7 Milliarden Euro bleiben, die Kosten sollen um 300 Millionen Euro sinken.
Den von der europäischen Bankenaufsicht Eba festgelegten zusätzlichen Kapitalbedarf hat die Commerzbank bis Ende Dezember von 5,3 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro verringert. Dabei geht sie für das erste
Halbjahr 2012 von einem Gewinn von rund 1,2 Milliarden Euro aus. Ein Vorteil für die Bank: Sie darf ihre Griechenland-Verluste mit den Rückstellungen aus dem Stresstest verrechnen, die sie dort für Griechenland-Anleihen schon gebildet hatte. Das bedeutet, die Abschreibungen auf griechische Anleihen erschweren es der Commerzbank nicht, den Stresstest zu bestehen.
Das Institut nimmt nach eigenen Berechnungen Kurs auf ein Eigenkapitalpolster von mehr als zehn Prozent nach den verschärften Kriterien des neuen Regelwerks Basel III. Die harte Kernkapitalquote (Core Tier-1) werde zum ersten Quartal 2013 bei mehr als zehn Prozent liegen, obwohl die mit Eigenkapital zu unterlegenden Risikoaktiva in der Bilanz durch Basel III um rund 20 Milliarden Euro steigen, sagte der scheidende Finanzvorstand Eric Strutz am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Basel III wird im Januar 2013 eingeführt.
Ende 2011 hatten die Risikopositionen der Commerzbank bei 237 Milliarden Euro gelegen - bei einer Bilanzsumme von 662 Milliarden Euro. Bis Ende Juni will Finanzchef Strutz weitere 15 Milliarden Euro an Risikokapital abgebaut werden. Damit käme die Commerzbank seinen Berechnungen zufolge dann auf eine Core-Tier-1-Quote von mehr als elf Prozent.













