Commerzbank-Chef: Blessings Erbe muss ein Externer sein

Commerzbank-Chef: Blessings Erbe muss ein Externer sein

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Der bisherige Commerzbank-Chef Martin Blessing bei der Aktionärsversammlung in Frankfurt am Main im April 2015.

Der Nachfolger von Martin Blessing, dem bisherigen Commerzbank-Chef, wird Insidern zufolge kein Mitarbeiter aus den Reihen der Bank sein. Der Grund: Die "Kuschelkultur" bei der Commerzbank müsse ein Ende haben.

Klaus-Peter Müller hat schon ruhigere Weihnachten erlebt: Der 71-Jährige muss einen Nachfolger für seinen Nachfolger als Chef der Commerzbank suchen - und das möglichst "zügig", wie er selbst sagt. Die Suche ist freilich nicht recht vorangekommen in den sechs Wochen seit der Rücktritts-Ankündigung von Martin Blessing. Aber eines zeichnet sich Insidern zufolge immer klarer ab: Der nächste Commerzbank-Chef wird nicht aus der Bank selbst kommen, Mittelstandsbank-Vorstand Markus Beumer scheint aus dem Rennen. Denn in der Bank und in der Politik ist die Erkenntnis gereift, dass der Commerzbank ein ganz neues Gesicht gut täte. Von einer "Kuschelkultur" in der Führungsetage spricht einer aus dem Umfeld der Commerzbank-Eigentümer. Die müsse ein Ende haben.

Commerzbank Blessings Rückzug verdient Respekt

Der Chef der Commerzbank Martin Blessing lehnt die Verlängerung seines Vertrages über Oktober 2016 hinaus überraschend ab. Er hat gute Gründe dafür.

Martin Blessing verlässt im Oktober 2016 die Commerzbank. Quelle: dpa

"Die Commerzbank hat ein sehr homogenes Vorstandsteam. Blessing hat Leute um sich geschart, die vom Typ her recht ähnlich sind", sagt ein hochrangiger Banker. "Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Eigentümer jemand von außen holen, um frischen Wind reinzubringen." Und die Kontinuität sei ja durch Müller gewahrt. Der hatte erst vor kurzem unterstrichen, dass er nicht daran denke, vor 2018 als Aufsichtsratschef abzutreten.

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Wer passt zur Commerzbank?

Mit einem Chef von außen dürfte der zweitgrößten deutschen Bank ein größerer Umbruch bevorstehen als unter Beumer. "Der Aufsichtsrat muss sich Gedanken über die Strategie machen und dann den Kandidaten suchen, der dazu passt", formuliert ein Eigentümervertreter. Müller betont zwar, die Commerzbank brauche keine neue Strategie. Eine Vorstellung, wohin sie sich in den nächsten fünf Jahren entwickeln soll, wäre aber dringend nötig, schon um dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen. Er muss sich von gut neun Euro verdoppeln, damit der Bund, der 2008 mit 18 Milliarden Euro als Retter eingesprungen war, seine restlichen knapp 16 Prozent ohne Verlust verkaufen kann. Bisher reichen die Strategiepläne nur bis Ende 2016.

"Die Commerzbank muss profitabler werden", sagt Equinet-Analyst Philipp Häßler. "Das wird ohne Kostensenkungen schwer zu erreichen sein." Doch das könnte schnell an der Glaubwürdigkeit einer Bank kratzen, die gerade offensiv mit ihrem Filialnetz wirbt und sich in Internet-Spots (www.meinebankistweg.de) über die Filialschließungen der Konkurrenz mokiert. Dabei steht auch bei ihr jede der 1100 Zweigstellen auf den Prüfstand, wenn der Mietvertrag ausläuft, wie Insider berichten. Doch das hängt die Nummer zwei der Branche nicht an die große Glocke.

Einen Mann wie HypoVereinsbank -Chef Theodor Weimer, der dort fast die Hälfte der Filialen weggespart hat, will man deshalb nicht in Frankfurt - auch wenn der nur ungewohnt leise abgewinkt hat. Rainer Neske, im Mai als Privatkunden-Chef der Deutschen Bank zurückgetreten, wäre der Favorit des Kapitalmarktes. Aktionärsschützer Klaus Nieding von der DSW nennt ihn den "idealen Kandidaten". "Neske hätte einen Mords-Vertrauensvorschuss", sagte er zu Reuters. Doch intern wäre auch Neske schwer vermittelbar, glaubt man doch, seinen ehemaligen Arbeitgeber im Privatkundengeschäft längst abgehängt zu haben. Bei der Deutschen Bank ist das Privatkundengeschäft die neue Großbaustelle, die Kürzungen im Filialnetz haben gerade erst begonnen.

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Doch auch der einzige interne Kandidat, dem man zugetraut hatte, in die Rolle von Martin Blessing hineinzuwachsen, wird es wohl nicht. Markus Beumer, das Gesicht der Commerzbank bei ihrer treuen Klientel aus dem Mittelstand, wäre die schnellste Lösung gewesen. Dass er als Blessings Nachfolger gehandelt wurde, schmeichelt Beumer. Doch dass Müller weiter auf der Suche ist, könnte er als Misstrauensvotum werten: "Wenn man einen internen Nachfolger gewollt hätte, hätte man das zeitnah kommunizieren können", sagt ein Banker. Auch Beumer sind offenbar Zweifel gekommen: "Ihm ist klar geworden, dass das für sein Leben eine große persönliche Veränderung wäre", sagt ein Vertrauter.

Unterdessen fällt auf den Fluren der Commerzbank häufig der Name eines alten Bekannten: Eric Strutz, gerade 51 geworden. Ob das Wunschvorstellung ist oder bald Realität sein könnte, ist unklar. Der Mainzer hatte vor 2012 als Finanzchef hingeworfen, um sich mehr um die Familie zu kümmern. Nun sind die Kinder größer, und seine Ämter als Verwaltungsrat des Finanzinvestors Partners Group sowie als Aufsichtsrat der Privatbank HSBC Trinkaus dürften ihn auf Dauer nicht auslasten. Ein echter Neuanfang freilich sieht anders aus.

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