Commerzbank-Chef: „Wir schaffen das aus eigener Kraft“

Commerzbank-Chef: „Wir schaffen das aus eigener Kraft“

, aktualisiert 23. November 2011, 08:00 Uhr
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Commerzbank-Chef Martin Blessing will sein Bankhaus selbst retten - ohne Staat.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Commerzbank will die Kapitalanforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA aus eigener Kraft stemmen - ohne Hilfe des Staates. Bankchef Martin Blessing gibt sich kämpferisch - auch wenn ihm der Wind ins Gesicht weht.

BerlinCommerzbank-Chef Martin Blessing geht weiter davon aus, dass das Geldhaus die Kapitalanforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA aus eigener Kraft schafffen kann. „Wir haben doch gesagt, wir werden das aus eigener Kraft schaffen. Im Moment gibt es keinen Grund, an irgendeiner meiner Äußerungen etwas zu ändern“, sagte Blessing.

Die neuen Kapitalanforderungen der EU drohen für Commerzbank zu einer Mammutaufgabe zu werden. Deutschlands zweitgrößter Bank fehlen wahrscheinlich rund fünf statt der bisher erwarteten 2,9 Milliarden Euro Eigenkapital, um auf die geforderte Quote von neun Prozent zu kommen, wie mehrere mit den Zahlen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters zuvor gesagt hatten.

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„Ich bin nicht bereit, mich auf Vorrat zu rasieren“, ergänzte Blessing. Man müsse abwarten, welche Kapitalanforderungen die EBA am Ende tatsächlich stellen werde. Die Chance für Vertrauen am Markt zu sorgen, habe die EBA hinter sich gelassen.

Um die Auflagen zu erfüllen, will Blessing früheren Angaben zufolge die Bilanzrisiken im kommenden halben Jahr drastisch herunterfahren - möglicherweise um bis zu 20 Prozent, wie Insider betonten. Ob das gelingt, bezweifeln Experten.

Blessing hat seine Zukunft als Vorstandschef daran geknüpft, dass die teilverstaatlichte Bank nicht nochmals Staatshilfe beanspruchen muss. Die radikale Schrumpfkur dürfte nicht nur zulasten des Auslandsgeschäfts gehen, sondern auch Kommunen in Deutschland treffen, deren die Commerzbank Milliarden leiht.


Hiobsbotschaft belastet Commerzbank schwer

Die Hiobsbotschaft hatte an der Börse Spekulationen ausgelöst, dass die Bank zusätzlich auf eine Kapitalerhöhung setzt. Die Aktie stürzte zeitweise um 13 Prozent auf ein Allzeittief von knapp über 1,18 Euro. Das torpediert eine Kapitalspritze, weil die Bank neue Papiere nicht unter dem rechnerischen Nennwert von 1,00 Euro ausgeben darf. Auch den Bankenrettungsfonds SoFFin will Blessing nicht noch einmal anzapfen. „Da gehe ich nicht nochmal hin“, sagte er kürzlich. Deshalb bleibt ihm nur, die Bilanz - durch Einschränkungen bei der Kreditvergabe oder den Verkauf von Firmenteilen oder Portfolien - so deutlich abzubauen, dass das vorhandene Kapital zur Unterlegung der Risiken (RWA) reicht. „Das wird ein sehr schwieriger Kraftakt“, sagte ein Insider. Sollte er nicht gelingen, werde Blessing unter Druck geraten.

Die darf dabei keine Verluste hinnehmen, die das Kapital weiter aufzehren. „Die Commerzbank hätte schon die 2,9 Milliarden nur geschafft, wenn sie sich stark gestreckt hätte“, sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Equities. „Fünf Milliarden schafft sie auf keinen Fall. Die Commerzbank kann nur auf ein Wunder hoffen.“ Olaf Kayser von der LBBW unkt: „Da werden sie sich den Rest vermutlich doch vom SoFFin holen müssen.“ UBS-Bankenexperte Philipp Zieschang geht sogar von einer Lücke von sechs Milliarden aus. „Da bleibt ein Loch von drei Milliarden, selbst wenn die RWA-Reduzierung gelingt.“

Die EU will das verlorengegangene Vertrauen in die Banken wieder herstellen, indem sie die 70 größten Institute Europas dazu zwingt, ihr hartes Kernkapital bis Juni 2012 einheitlich aufzustocken. Im Oktober hatte die EU-Bankenaufsicht EBA einen vorläufigen Kapitalbedarf von 106 Milliarden Euro ermittelt und die Banken gezwungen, dabei ihre Staatsanleihen zu Marktwerten anzusetzen. Die 13 größten deutschen Banken schienen glimpflich davongekommen zu sein: Nur vier von ihnen brauchten zusammen 5,2 Milliarden Euro, mehr als die Hälfte davon allein die Commerzbank. Die Zeit drängt: Bis Weihnachten müssen die Institute den europäischen Aufsehern mitteilen, wie sie die Kapitalausstattung verbessern wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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