Commerzbank: Dividendenplan prallt an Aktionären ab

Commerzbank: Dividendenplan prallt an Aktionären ab

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Martin Blessing konnte nicht alle Commerzbank-Aktionäre überzeugen

Bei der Hauptversammlung der Commerzbank macht Konzernchef Martin Blessing den leidgeprüften Aktionären Hoffnung auf eine Dividende. Mit den geplanten höheren Boni für Führungskräfte ist die Bank trotzdem gescheitert.

Es hätte so schön werden können. Commerzbank-Chef Martin Blessing zückte die wohl wichtigste Charme-Pille, die ein Konzernchef gegenüber seinen Aktionären hat. "Wir planen für das Jahr 2015 wieder eine Dividende auszuschütten", sagte Blessing bei der Hauptversammlung der Bank in Frankfurt. Allerdings musste der Konzernchef die Wirkung der Pille gleich wieder abschwächen. "Das ist unser Anspruch. Ob es am Ende des Jahres reichen wird, müssen wir abwarten", sagt Blessing. Man sei überzeugt, dass die Stärkung des Kapitals aus eigener Kraft Vorrang vor einer Dividende habe.

Realistische Commerzbank-Aktionäre mögen an dieser Stelle ihr Pillenrezept schon wieder zerknüllt haben. Zu lange schon warten die Anleger auf Ausschüttungen, zuletzt erhielten sie 2007 einen Euro je Aktie. Unter Blessing als oberstem Konzern-Mediziner gab es noch gar keine Dividende. Wer sich jetzt zu stark auf den reinen Plan der Bank versteift, droht also, enttäuscht zu werden. Außerdem ist da ja noch die Sache mit den Boni - der Ärger über die Gehaltspläne der Commerzbank-Banker bereitet vielen Anlegern Bauchschmerzen, die sich mit ein paar Zukunftspillen nicht behandeln lassen.

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Hauptgrund für den Ärger war die Abstimmung über höhere Boni-Grenzen für Mitarbeiter und Vorstände. Dass ausgerechnet eine mit Milliarden an Steuergeldern vom Staat gerettete Bank ihre Anteilseigner über so etwas abstimmen ließ, erzürnte die Anleger - auch wenn die direkten Hilfsgelder längst zurückgezahlt sind und der Schritt sachlich noch so gerechtfertigt sein mag.

Schon in seiner Eingangsrede hatte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller versucht zu verdeutlichen, dass es sich dabei nicht um eine Erhöhung der Gesamtvergütung handle; im Gegenteil. Grund für den Umbau ist eine neue EU-Regelung. Seit 2014 darf der Bonus für Banker grundsätzlich nur noch so hoch ausfallen wie deren fixe Bezüge. Nur wenn die Aktionäre zustimmen, darf der Bonus maximal das Doppelte des Grundgehalts betragen. Die Deutsche Bank hatte sich diese 2:1-Regelung im vergangenen Jahr von ihren Eigentümern ebenfalls genehmigen lassen.

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Commerzbank Quelle: dpa

Bei der Commerzbank waren die Aktionäre trotz Charme-Offensive nicht so gnädig. Das gilt zumindest für die Erhöhung des Boni-Deckels der führenden Mitarbeiter. Mit knapp 65 Prozent Zustimmung bekam der Antrag nicht die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent des anwesenden Aktienkapitals. Gegen den Plan stimmte unter anderem der Bund, der seit der Finanzkrise größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Bank ist. Weil bei der Hauptversammlung nur knapp 46 Prozent des gesamten Aktienkapitals des Dax-Konzerns vertreten waren, fiel der 17-Prozent-Anteil des Bundes besonders ins Gewicht. Kritiker sehen hohe Boni als Anreiz für riskante Geschäfte.

Dagegen ging die Erhöhung der Bonus-Obergrenze für den Vorstand mit fast 99 Prozent Zustimmung durch. Blessing und seine Kollegen können nun künftig maximal 140 Prozent ihres Grundgehalts als variable Vergütung zusätzlich kassieren - vorausgesetzt, die Bank erreicht ihre Geschäftsziele.

Für weitere Misstöne seitens der Aktionäre sorgte die andauernde Verwässerung der Aktie. Der Aktienkurs schaffte es allein deshalb wieder in den zweistelligen Bereich, weil zehn alte Papiere zu einer neuen Aktie zusammengelegt wurden. Zu allem Überfluss wurden die Anteile der Alteigentümer seit dem Amtsantritt von Blessing im Mai 2008 immer weiter verwässert, weil die Zahl der Aktien fast verdoppelt wurde.

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„Sie sind der bislang ungekrönte König der Anteilsverwässerung“, schimpfte Anlegeranwalt Klaus Nieding, der beim Aktionärstreffen die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vertrat. Nieding nutzte die Gelegenheit auch, um hinsichtlich der geplanten Dividende Realität anzumahnen. Die avisierte Gewinnausschüttung - wenn sie denn tatsächlich komme - könnte die Bank nur zahlen, weil sie einen Teil der am Montag verkündeten Kapitalerhöhung von rund 1,4 Milliarden Euro dafür zurückgelegt habe. „Im Volksmund nennt man so etwas „linke Tasche - rechte Tasche“.“ Das erinnere eher an schönheitschirurgische Eingriffe als an Strategie, meinte Nieding.

Insgesamt macht die Commerzbank zwar Fortschritte, gerade was das Ergebnis betrifft - von Anleger-Euphorie kann aber noch lange keine Rede sein.

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