Commerzbank: Ein Kämpfer namens Martin Blessing

KommentarCommerzbank: Ein Kämpfer namens Martin Blessing

Bild vergrößern

Commerzbank-Chef Martin Blessing will nicht mehr auf Staatshilfen angewiesen sein

von Mark Fehr

Die Schuldenkrise lässt Deutschlands zweitgrößte Bank kräftig bluten. Ihr Chef Blessing will tapfer durchhalten – hat seine persönliche rote Linie aber bereits gezogen.

Das dritte Quartal hat die Commerzbank fast 700 Millionen Euro ärmer gemacht. Grund für den hohen Verlust ist die eskalierende Schuldenkrise in Europa. Der den privaten Instituten abgehandelte hälftige Forderungsverzicht zugunsten des taumelnden Griechenlands schlägt sich mit fast 800 Millionen Euro Abschreibungen auf griechische Anleihen in Martin Blessings Bilanz nieder. In dieser Situation muss der Bankchef wie von Marktbeobachtern erwartet von seinem Ziel abrücken, im kommenden Jahr vier Milliarden Euro Gewinn zu machen.

Anzeige

Dabei hatte das laufende Jahr so vielversprechend begonnen. Anfang 2011 testete die Commerzbank die Börse erfolgreich mit einer cleveren Kapitalerhöhung und lieferte damit nur den Auftakt für die spektakuläre Rückzahlung eines großen Teils der staatlichen Stützen von insgesamt rund 18 Milliarden Euro. Blessing hatte das Geld nach der Finanzkrise 2008 angesichts der drohenden Pleite seines Hauses in Anspruch nehmen müssen. Im Frühjahr 2011 war es dann soweit: Mit Hilfe von frisch aufgenommenem Aktionärskapital zahlte die Commerzbank in einem beeindruckenden Kraftakt die dicksten Brocken der stillen Staatseinlagen zurück. Die Rückgabe des nach wie vor bestehenden 25-prozentigen öffentlichen Aktienanteils schien damals nur noch eine Frage der Zeit.

Immer neue Aufgaben 

Nicht nur Blessing wurde nach dem Coup gefeiert, auch sein Finanzvorstand Eric Strutz erntete zu Recht breite Bewunderung für den geglückten Schlachtplan. Umso erstaunlicher war es, dass Strutz bald darauf seinen Rückzug aus dem Unternehmen ankündigte – sein Vertrag endet 2012. Mittlerweile hat sich diese Entscheidung als weitsichtig entpuppt. Denn schon wieder steht die Commerzbank vor einer Mammutaufgabe, von der nicht klar ist, wie das Management sie lösen will.

Blessing will in dieser Situation weiter kämpfen. Bis Mitte kommenden Jahres verlangt die europäische Bankenaufsicht EBA von ihm und seinen Leuten eine Aufstockung des Kapitals um knapp drei Milliarden Euro. Damit soll die Commerzbank Ausfälle von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder abfedern. Der EBA-Blitz-Stresstest fordert eine harte Kernkapitalquote von 9,0 Prozent, wenn die riskanten öffentlichen Anleihen auf Marktwerte abgeschrieben werden.

Blessing will keine Hilfe

Ein Bündel von Maßnahmen will der tapfere Blessing nun ergreifen, um den Ansprüchen der Regulierungsbehörde zu genügen. Riskante und aus strategischer Sicht verzichtbare Teile des Vermögens sollen verkauft und Gewinne einbehalten werden – Denkverbote gibt es nicht. Ein Tabu hat der Top-Banker dabei jedoch aufgestellt: „Ich gehe da nicht noch mal hin“, antwortet Blessing auf Fragen, ob sein Haus den Sonderfonds für Finanzmarktstabilisierung erneut um öffentliche Hilfen bitten muss.

Für die Commerzbank schließt diese Aussage erneute Staatshilfen nicht in letzter Konsequenz aus, doch für Blessing persönlich ist die rote Linie damit gezogen. Sollte sein Haus es nicht schaffen, das EBA-Ultimatum aus eigener Kraft und mit Hilfe der Investoren zu erfüllen, müsste ein Nachfolger bei Soffin-Chef Christopher Pleister und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble anklopfen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%