Commerzbank: Milliarden-Strafe frisst Gewinn fast auf

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Commerzbank: Milliarden-Strafe frisst Gewinn fast auf

, aktualisiert 12. März 2015, 17:36 Uhr
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Das Logo der Commerzbank.

Wegen der Geschäfte mit dem Iran muss die Commerzbank im Rahmen eines Vergleichs mit den US-Behörden 1,45 Milliarden Dollar zahlen. Das kostet das Institut jetzt einen Teil des Jahresgewinns.

Die Commerzbank muss wegen des Streits mit den US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar, teilten die New Yorker Finanzaufsicht und das Unternehmen am späten Donnerstag mit.

Zugleich sinkt der Gewinn der Commerzbank: Wegen einer aus dem Vergleich resultierenden Einmalbelastung von 338 Millionen Euro im vierten Quartal betrage das Konzernergebnis 2014 nur noch 264 Millionen Euro, teilte die Commerzbank nach Handelsschluss an der Frankfurter Börse mit. Ursprünglich hatte das Institut ein vorläufiges Ergebnis von 602 Millionen Euro ausgewiesen.

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Nach deutschem Recht ist es möglich, solche Belastungen rückwirkend zu verbuchen. Der Vergleich im Streit um Sanktions-Verstöße und Geldwäsche-Vorwürfe war erwartet worden. Fünf Manager der Commerzbank müssen deshalb gehen. Die Bank hatte wegen des schwebenden Verfahrens ihre Rückstellungen zuletzt um 500 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro angehoben. Die USA werfen der Commerzbank und vielen anderen Instituten vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben. Im Commerzbank-Fall wollte der zuständige Staatsanwalt Insidern zufolge auch den Vorwurf eines zu laxen Umgangs der Commerzbank mit Geldwäsche-Regeln im Zuge des Betrugsskandals um den japanischen Olympus -Konzern mitverhandeln.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (SoFFin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der SoFFin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den Stillen Einlagen des SoFFin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. "Da geh ich nicht nochmal hin", sagt er und meint den SoFFin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonus-Aktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der SoFFin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • November 2012

    Die Bank kündigt an, rund zwei Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Geschäfts zu stecken.

  • März 2013

    Der SoFFin lässt die Beteiligung an der Commerzbank erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz.

  • April 2013

    Die Zahl der Aktien wird eingedampft, aus zehn Aktien wird eine.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank zahlt den Rest der stillen Einlagen des Staates und der Allianz zurück.

  • Juni 2013

    Das Management ringt den Arbeitnehmervertretern den Abbau von 5200 Stellen ab.

  • Juli 2013

    Die interne Bad Bank der Commerzbank kann ihr Portfolio britischer Gewerbeimmobilien verkaufen.

  • August 2013

    Der Aufsichtsrat beschließt die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Köpfe.

An der Frankfurter Börse sorgte der Vergleich zunächst für Erleichterung bei Commerzbank-Aktionären. Das Papier der Bank verteuerte sich zeitweise um 1,3 Prozent bis auf ein Tageshoch von 12,15 Euro. Zum Handelsschluss, noch bevor die Bank die Anpassung ihres Gewinns nach unten bekanntgab, stand die Aktie unverändert bei 11,99 Euro. Bei Lang&Schwarz bewegten sich die Titel im späten Geschäft kaum.

Schlussstrich nach fünf Jahren

Analysten waren im Schnitt zuletzt von einer Strafe von gut einer Milliarden Dollar ausgegangen. Die Untersuchungen laufen schon seit 2010. In den Vergleich sind vier Regulierungs- und Justizbehörden eingebunden - vom Justizministerium bis zur New Yorker Finanzaufsicht als zuständigem Regulierer des Instituts. Die Commerzbank hofft auf diese Weise, die Streitigkeiten mit den US-Behörden ein für alle mal auszuräumen. Ein mahnendes Beispiel ist hier die Deutsche Börse. Sie hatte Anfang 2014 ihren Streit mit der US-Exportkontrollbehörde OFAC wegen Iran-Geschäften gegen die Zahlung von 152 Millionen Dollar beigelegt. Wenige Monate später leitete dann ein New Yorker Staatsanwalt neue Ermittlungen wegen des selben Falls ein.

Die Commerzbank ist unter anderem wegen Geschäften mit der staatlichen iranischen Reederei IRISL in den Jahren 2002 bis 2007 ins Visier der US-Behörden geraten. Die USA werfen dem Unternehmen vor, die Verbreitung mutmaßlicher Massenvernichtungswaffen unterstützt zu haben. Die Commerzbank habe gewusst, dass IRISL mit Sanktionen belegt worden sei und habe dennoch Geschäfte mit der Firma gemacht.

Die USA verdächtigen auch viele andere Institute, gegen die von ihnen verhängten Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben. Mit zahlreichen ausländischen Banken haben sich die Vereinigten Staaten bereits verglichen. Nach der Einigung mit der Commerzbank könnten aus Sicht von Experten Vergleiche mit dem französischen Institut Credit Agricole und der Deutschen Bank folgen, die wegen Iran-Geschäft ebenfalls im Visier der US-Behörden steht. (Weitere Reporter: Lindsay Dunsmuir und Tom Atkins, redigiert von Till Weber. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1312 oder 030-2888 5168)

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