Commerzbank: Operation Selbstständigkeit

Commerzbank: Operation Selbstständigkeit

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 11:44 Uhr
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Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Der Aufsichtsrat berät heute.

Quelle:Handelsblatt Online

Ist die Commerzbank noch zu retten? Diese Frage stellt sich die Branche und auch der Aufsichtsrat bei seiner heutigen Sitzung. Das Gremium muss entscheidende Weichen stellen. Welcher Weg führt um Staatshilfe herum?

Frankfurt/DüsseldorfEs gab Zeiten, da war sich Martin Blessing seiner Sache ziemlich sicher: „Ich gehe da nicht noch mal hin“, hatte der Commerzbank-Chef auf die Frage geantwortet, ob sein Institut neuerliche Staatshilfen braucht. Oder wie wäre es mit „Ich finde es schöner, da auszusteigen als einzusteigen.“ Das sagte Blessing im April 2011 auf die Frage, wie es sich anfühle, den Staat nach Rückzahlung der Staatshilfe wieder loszuwerden. Inzwischen ist diese Selbstsicherheit aber gehörig ins Wanken geraten.

Vor drei Jahren musste die Bank in der Finanzkrise schon einmal mit 18 Milliarden Euro an staatlichen Kapitalspritzen gerettet werden. Das tat dem Institut weh, schließlich wurden die Gehälter stark begrenzt und die Dividende gekürzt. Bis vor wenigen Wochen war die Commerzbank auf einigermaßen gutem Weg, dem Staat die Hilfen zurückzuzahlen und sich von ihm zu befreien.

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Doch nun kann davon keine Rede mehr sein – im Gegenteil. Eher scheint wahrscheinlich, dass die Commerzbank immer mehr in die Arme des Staates fliehen muss. Denn es sieht so aus, als ob die Eurohypo zumindest in Teilen in eine Bad Bank ausgelagert werden soll.

Auf der heutigen Aufsichtsratssitzung des Geldhauses wird die Eurohypo wohl das zentrale Thema sein. Eine Auslagerung von Teilen der Eurohypo in eine Bad Bank wäre auch eine Form staatlicher Hilfe. „Ob Blessing eine andere Wahl bleibt, ist sehr fraglich“, sagte ein Insider. Das Geldhaus lehnte bisher eine Stellungnahme ab.

Fest steht: Für die Commerzbank wird die Krisentochter Eurohypo zum Dreh- und Angelpunkt bei der Lösung der wachsenden Kapitalprobleme. Es gibt unterschiedliche Optionen, noch aber keine Festlegung auf einen bestimmten Weg. Zu den Denkmodellen zählt vor allem die Auslagerung in eine staatliche Abwicklungsbank, hieß es im Konzern. Die Bundesregierung möchte aber eine komplette Auslagerung verhindern, heißt es in Berliner Kreisen. Die Commerzbank liebäugelt jedoch bereits seit längerem mit der Auslagerung von Teilen.


Problem Eurohypo muss gelöst werden

Einen Antrag zur Auslagerung von Teilen der Eurohypo hat das Institut beim Bankenrettungsfonds Soffin aber noch nicht gestellt. Die Regierungspartei FDP meldete schon einmal vorsorglich Widerstand an. "Der Staat ist nicht die Resterampe der Privatwirtschaft", sagte FDP-Fraktionsvize Volker Wissing. Die Commerzbank solle selbst einen privaten Investor für die Eurohypo finden.

Eine Lösung für die Eurohypo ist wichtig, weil deren immense Bestände an Staatsanleihen dem Konzern angesichts der Schuldenkrise immer größere Probleme bereiten. Sie sind der Grund dafür, dass die Commerzbank den europäischen Stresstest nicht bestehen wird. Je nachdem, wie streng der Test ausfällt, liegt der Kapitalbedarf zwischen 2,9 und 5,0 Milliarden Euro. "Es wird auch vom endgültigen Stresstest abhängen, welche Optionen gewählt werden müssen", so ein Insider.

In Finanzkreisen heißt es, dass die Bundesregierung in Brüssel darüber verhandelt, dass die Commerzbank die Eurohypo nicht wie geplant verkaufen muss. Zum Verkauf gibt es mehrere Alternativen: Die Eurohypo könnte zerschlagen werden. Die schlechten Teile - das Staatsfinanzierungsgeschäft und eventuell der marode Teil des Immobiliengeschäfts - kämen wie derzeit diskutiert in eine staatliche Abwicklungsbank. Der gesunde Teil könnte dann ins Mittelstandsgeschäft der Commerzbank integriert oder verkauft werden.

Vorteil der Abspaltung: Die Bilanz der Commerzbank wäre von Risiken befreit. In einer Bad Bank spielen Kursschwankungen von Staatsanleihen keine Rolle. Der Nachteil: Restrisiken wie weitere Umschuldungen europäischer Staaten lägen dann beim Steuerzahler.

Unklar ist, ob die EU ein solches Vorgehen als Beihilfe werten würde und, wenn ja, welche Auflagen dies nach sich ziehen würde. Daher kursiert laut "Financial Times Deutschland" die Idee, dass die Eurohypo unter Verlust an den Staat verkauft werden könnte. "Es ist aber die Frage, ob sich die Bank das leisten kann", hieß es im Konzern.


Wird Engels neuer Finanzchef

Zudem wird der Aufsichtsrat über einen neuen Finanzvorstand beraten, nachdem der aktuelle Finanzchef Eric Strutz im August ankündigte, die Bank zu verlassen. Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats wird einen externen Manager als Nachfolger für den Ende März ausscheidenden Strutz vorschlagen, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Sollte die Personalie nicht auf der Zielgeraden scheitern - der unterschriftsreife Vertrag ist noch nicht unterzeichnet -, dann wäre dem Aufsichtsrat eine Überraschung geglückt. Zuletzt hatten nur noch wenige Beobachter der Bank zugetraut, einen externen Manager zu gewinnen.

Zwar ist bekannt, dass Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller mit der Wahl eines Externen geliebäugelt hatte - schon um neue Ideen in die Bank zu bringen. Doch zum einen dürfte das Jahresgehalt des Vorstands auch 2012 noch bei 500.000 Euro gedeckelt bleiben, weil die Bank nach deutschem Bilanzrecht 2011 wohl rote Zahlen schreiben wird.

Außerdem hatten intern viele damit gerechnet, dass Commerzbank-Chef Martin Blessing einen engen Vertrauten auf dem Posten bevorzugen würde. Deshalb galten zuletzt der Strategiechef der Bank, Michael Bonacker, sowie der Bereichsvorstand des Finanzressorts, Markus Krebber, als chancenreichste Anwärter.

Heute sickerte durch, dass der neue Finanzvorstand aller Voraussicht nach vom Autobauer Daimler stammt. Stephan Engels werde gerade dem Aufsichtsrat vorgestellt, sagte eine mit der Personalie vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte die Tageszeitung „Die Welt“ über die Pläne berichtet. Engels ist derzeit Finanzchef des Daimler-Geschäfts mit Mercedes-Pkw und -Nutzfahrzeugen und damit Konzern-Finanzvorstand Bodo Uebber unterstellt. Engels soll Nachfolger von Eric Strutz werden, der von April an eine berufliche Auszeit nehmen will. Die Commerzbank wollte sich zunächst nicht äußern.

So oder so: Den neuen Finanzvorstand erwartet ein Höllenjob. Zum einen muss die Bank wegen des europäischen Stresstests bis Juni 2012 eine Eigenkapitallücke von mehr als 2,9 Milliarden Euro stopfen. Das schafft die Bank nur dann ohne Staatshilfen, wenn sie den Kapitalmarkt anzapfen oder Risikogeschäft abbauen kann.

Vor allem für die angeschlagene Eurohypo sucht die Bank eine Lösung. Das soll derzeit eine der Aufgaben von Strategiechef Bonacker sein. Dazu gibt es mehrere Szenerien, über die das Institut auch mit der Bundesregierung spricht. So könnten Problemsparten wie das Staatsanleihegeschäft und womöglich Teile des Immobiliengeschäfts in eine Abwicklungsbank verschoben werden. Der gesunde Rest des Immobiliengeschäfts könnte dann entweder verkauft werden oder bei der Commerzbank bleiben. "Viel hängt davon ab, was Brüssel dazu sagen wird", so ein Insider.

Quelle:  Handelsblatt Online
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