
LondonIm Prozess um nicht gezahlte Millionen-Boni bei der Commerzbank hat am Montag der frühere Chef von Dresdner Kleinwort ausgesagt. Stefan Jentzsch verteidigte vor dem High Court in London die Entscheidung seines Hauses, den Investmentbankern der Dresdner Bank einen „Bonuspool“ von insgesamt 400 Millionen Euro zuzusagen, als der bevorstehende Verkauf an die Commerzbank ruchbar wurde. Ziel sei es gewesen, einen Exodus der Banker zu verhindern, betonte Jentzsch, der als Zeuge der Anklage geladen war.
Die Dresdner Bank, die in der Finanzkrise Milliardenverluste angehäuft hatte, war 2009 von der Commerzbank übernommen worden. In dem Londoner Prozess wollen 104 Dresdner-Banker die Nachzahlung von 52 Millionen Euro an Boni erstreiten - die Forderungen der einzelnen Mitarbeiter reichen von 15.000 bis 2,6 Millionen Euro. Sie argumentieren, sie hätten ein Anrecht auf das Geld, schließlich habe Jentzsch es ihnen auf einer Mitarbeiterversammlung versprochen. Wenige Monate später strich Commerzbank-Chef Martin Blessing die Boni radikal zusammen. Einige Investmentbanker erhielten nur ein Zehntel von dem, was ihnen zugesagt worden war.
Letztlich geht es in dem Verfahren um die Frage, inwieweit die Zusagen der Dresdner Bank als verbindlich anzusehen waren - oder ob Klauseln wirksam sind, die die Boni bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage infrage stellen. Der Bonuspool wurde lediglich mündlich angekündigt. Nach den Worten von Jentzsch erwog die Dresdner Bank Monate vor der Übernahme zwar, jedem Investmentbanker schriftlich eine individuelle Bonuszahlung fest zuzusagen, um die Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Am Ende habe sich das Management aber für den allgemeinen Bonuspool entschieden - um die Banker zu motivieren, für sich selbst möglichst viel herauszuholen. „Wir wollten, dass die Leute eine gewisse Unsicherheit haben, wieviel sie daraus am Ende ausgezahlt bekommen, damit sie wirklich hart arbeiten.“ Jentzsch verließ die Dresdner Bank im Januar 2009. Er ist heute Partner bei Perella Weinberg in London.
Blessing hatte die Kürzung der Boni in der vergangenen Woche vor dem Gericht verteidigt. Die Krise habe sich so beschleunigt und verschärft, dass dies nötig war. Grundsätzlich habe er die Leistungsprämien in dieser Höhe schon immer für überzogen gehalten. Der Commerzbank-Vorstand selbst muss sich seit 2008 mit einem Grundgehalt von 500.000 Euro begnügen, nachdem der deutsche Staat der Bank mit 18 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen hat. Boni sind für die Führungsspitze daher derzeit verboten.













