Commerzbank: Schwierige Zeiten stehen bevor

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KommentarCommerzbank: Schwierige Zeiten stehen bevor

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Das Schild einer Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Commerzbank.

von Cornelius Welp

Deutschlands zweitgrößte Bank leidet unter den Niedrigzinsen. Der neue Vorstandschef Martin Zielke muss sich etwas einfallen lassen.

In den vergangenen Monaten war es auffällig still um die Commerzbank. Die früher stets für negative Überraschungen gute Bank lieferte verlässlich annehmbare Resultate ab und sorgte ansonsten vor allem mit ihren aufwändigen Werbekampagnen für Aufsehen. Fast konnte man glauben, dass der langjährige Vorstandschef Martin Blessing seinen Vertrag deshalb nicht verlängert hat, weil der Job für ihn schlicht langweilig zu werden drohte. Die wesentlichen Aufgaben schienen erledigt, Blessings Nachfolger Martin Zielke schien mehr als Bewahrer denn als Erneuerer anzutreten.

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EZB-Geldpolitik spürbar Ernüchterung bei der Commerzbank

Die Niedrigzinsen und die Flaute an den Kapitalmärkten haben Deutschlands zweitgrößter Bank zu Jahresbeginn schwer zu schaffen gemacht. Der Gewinn brach in den ersten drei Monaten um gut die Hälfte ein.

Der Hauptsitz der Commerzbank in Frankfurt am Main, Quelle: dpa

Die Einschätzung war falsch. Dafür, dass die Bank nach wie vor vor immensen Herausforderungen steht, sprach schon ihr Aktienkurs, der in diesem Jahr ähnlich stark abgestürzt ist wie der der Deutschen Bank. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse des ersten Quartals brach der Kurs bis zum Mittag um weitere neun Prozent ein. Die Ursache für den Absturz sind nicht die angeblichen Enthüllungen über moralisch fragwürdige, aber legale Transaktionen mit Aktien rund um den Dividendenstichtag.  Investoren sind vor allem verschreckt über die fragwürdigen Perspektiven der Bank, die selbst davon ausgeht, dass es deutlich herausfordernder für sie wird, das Ergebnis des Vorjahrs zu erreichen.

Tatsächlich hat sich  ihr Ergebnis in den ersten drei Monaten im Vergleich zu 2015 mehr als halbiert. Besonders stark war der Einbruch im Investmentbanking, wo die Bank wie alle anderen Institute auch unter dem schwachen Markt litt. Doch während das Segment schon immer volatil war und sich auch schnell wieder erholen kann, ist ein zweiter negativer Faktor deutlich langfristiger. Allmählich wird offenbar, wie stark die Banken tatsächlich unter den Negativzinsen der EZB leiden. So hatte zuletzt schon die Postbank ein durch das Umfeld stark belastetes Ergebnis gemeldet. Ähnlich sieht es nun bei der Commerzbank aus.

Der Zinsüberschuss ging deutlich zurück, ohne einen Sonderertrag im Privatkundengeschäft wäre er noch schlechter ausgefallen. In der Sparte sorgt vor allem die weiter steigende Kreditvergabe an Immobilienkäufer und Konsumenten für ein stärkeres Ergebnis, dauerhaft lässt sich dieser Wachstumskurs aber kaum unbegrenzt fortsetzen.  Das über viele Jahre besonders starke Mittelstandsgeschäft fällt wegen der schwachen Kreditnachfrage zusehends zurück, eine höhere Zahl von Kreditausfällen dürfte das Ergebnis in dem Segment mittelfristig belasten. Grund zur Skepsis gibt es vor allem deshalb, weil die Möglichkeiten gegenzusteuern begrenzt sind. Die Bank hat die negativen Zinsen zumindest teilweise bereits an ihre mittelständischen Kunden weitergegeben, die Privatkunden zahlen seit kurzem Gebühren für Überweisungen auf Papier und sollen verstärkt von anderen Anlageformen als Tagesgeld und Sparbuch überzeugt werden. Ob das reicht ist zweifelhaft. Weitere Gebührenerhöhungen dürften deshalb auch bei der Commerzbank nicht ausgeschlossen sein, wenn sich die Rahmenbedingungen weiter eintrüben wird die Bank auch über zusätzliche Einsparungen nachdenken müssen. Zielke startet unter erschwerten Bedingungen.  

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