Commerzbank & Co.: Devisenhändler sind schwer zu feuern

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Commerzbank & Co.: Devisenhändler sind schwer zu feuern

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Banker haben jahrelang Zinssätze, Währungskurse und Rohstoffpreise manipuliert.

von Mark Fehr

Lange haben die Banken weggeschaut, jetzt gehen sie Manipulierern aus den eigenen Reihen an den Kragen. Doch so einfach lassen sich die Übeltäter gar nicht rauswerfen.

Zinssätze, Währungskurse und Rohstoffpreise sind wichtige Indikatoren der globalen Wirtschaft. Jahrelang sind sie von Händlern aus großen Banken gezielt manipuliert worden. In Deutschland prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht etwa die Deutsche Bank auf dolose Handlungen in Bezug auf den Referenzzins Libor, der die Kosten für viele Kredite und Derivate bestimmt. Im Sommer wollen die Aufseher ihren Bericht fertig stellen, derweil führt die Deutsche Bank selbst eine interne Libor-Untersuchung durch.

Der Libor-Satz ist manipulierbar, weil die Banken hier fiktive Zinssätze an einen Datendienstleister melden, zu denen sie sich untereinander Geld leihen würden. Die Angaben beruhen also nicht auf tatsächlich durchgeführten Geschäften. Direkte Marktmanipulationen dagegen wie bei Devisenkursen und Rohstoffpreisen sind selbst aus Sicht der von Berufs wegen misstrauischen Finanzaufseher schwer vorstellbar gewesen, weil hier insbesondere beim Währungshandel sehr große Transaktionen getätigt werden müssen, um Kurse nennenswert zu beeinflussen. Dennoch hat es sie gegeben.

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Manipulationsverdacht BaFin macht Jagd auf Devisenhändler

Der Verdacht, dass Banker Devisenkurse manipuliert haben, erhärtet sich: "Das, was wir sehen, ist nicht beruhigend", hieß es seitens der Finanzaufsicht BaFin. Bei zwei deutschen Banken rollten deshalb bereits Köpfe.

Weltweit laufen seit einiger Zeit Ermittlungen gegen Banken wegen Manipulationen auf dem Devisenmarkt. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin stellt sich bereits auf eine lang andauernde Untersuchung ein. Quelle: dpa

So sind der Konzerncompliance der Commerzbank zwei mutmaßliche Übeltäter aus dem Bereich Devisenhandel ins Netz gegangen, wie das Unternehmen heute mitgeteilt hat. Laut Finanzkreisen sollen die beiden an den Standorten Frankfurt und London eingesetzten Mitarbeiter versucht haben, den Auftrag eines Kunden der Bank über ein Tauschgeschäft zwischen Euro und polnischen Zloty in zwei Tranchen aufzuteilen. Ziel sei gewesen, im zweiten Schritt von der durch die erste Tranche ausgelösten Kursbewegung zu profitieren. Die Commerzbank äußert sich allerdings nicht zu Einzelheiten. Nach Darstellung eines Sprechers handelt es sich um einen Einzelfall, von dem weder das Unternehmen noch die betroffenen Mitarbeiter profitiert haben sollen.

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Trotzdem sind die beiden suspendiert worden, weil sie angeblich interne Vorschriften missachtet haben. Suspendiert heißt nicht gefeuert. Die Betroffenen sind jetzt zwar nicht mehr aktiv für die Bank, beziehen aber im Zweifel solange ihr Gehalt weiter, bis sie wirklich gekündigt sind. Genau das ist aber gar nicht so einfach. Als die Deutsche Bank ihre angeblichen Libor-Übeltäter feuern wollte, klagten die sich vor dem Frankfurter Arbeitsgericht zurück. Der Grund: Die Bank hatte das den Mitarbeitern vorgeworfene Verhalten nicht explizit verboten. Mitte Juli geht das Verfahren in die zweite Instanz.

Ob die von der Commerzbank suspendierten Manipulierer sich ebenfalls rechtlich zur Wehr setzen? Das Beispiel ihrer vier Kollegen bei der größeren Deutschen Bank könnte ihnen Mut machen. Entscheidend wird unter anderem die Frage sein, wie wasserdicht die Vorschriften im Compliance-Handbuch der Commerzbank formuliert sind. Hoffentlich sind die Verhaltensregeln für deren Händler klarer als beim Branchenprimus.

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