Commerzbank: Unglückliche Symbolik

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KommentarCommerzbank: Unglückliche Symbolik

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Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing bei einer Pressekonferenz. Mit dabei sind Finanzvorstand Stephan Engels (l), Pressesprecher Richard Lips (2.v.l.), Vorstandsmitglied Jochen Klösges (2.v.r.) und Personalvorstand Ulrich Sieber.

von Mark Fehr

Die Commerzbank und Berlin sollten das Gerangel um die Entlassung von Vorständen nicht zum Politikum machen.

Martin Blessings Spar- und Schrumpfkurs bei der Commerzbank hat eine unglückliche Symbolik gewonnen, seit über die Entlassung von zwei Vorständen diskutiert wird. Auf der Abschussliste sollen Arbeitsdirektor Ulrich Sieber und Vorstand Jochen Klösges stehen, die beide auch für die interne Bad Bank des Kreditinstituts verantwortlich sind.

Bankchef Blessing sieht es als eine Frage der Glaubwürdigkeit, dem Abbau von 5200 Stellen quer durch das Unternehmen Verschlankungen auf den Führungsebenen folgen zu lassen. Mit dieser Auffassung hat er Recht, denn eine Bank, die nicht nur Jobs streicht, sondern auch zahlreiche Geschäftsbereiche wie die Staats- und Schiffsfinanzierung einstellt, braucht keinen Wasserkopf mit überflüssigen Managementposten.

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Falsch wäre es aber, wenn die Personalien Sieber und Klösges zum Politikum erhoben würden und Blessing im Streit mit Berlin seinen Verbleib an der Konzernspitze an die Entlassung der beiden Vorstandskollegen knüpfen würde. Das Problem: Noch besitzt der deutsche Staat 17 Prozent der Anteile an der Commerzbank und will seinen Einfluss bei dem Institut geltend machen. Hart verhindern kann das Finanzministerium Entscheidungen des Commerzbank-Managements nicht mehr, da die Sperrminorität nach der Rückzahlung eines Großteils der öffentlichen Hilfen aufgegeben wurde.

Trotzdem will Berlin in Wahlkampfzeiten Meldungen über üppige Abfindungen für Commerzbank-Vorstände vermeiden. Insbesondere Sieber hat solide Arbeit für das Kreditinstitut geleistet und kann daher nicht ohne entsprechende Entschädigung gefeuert werden. Die Frage ist nun, welchen Preis der Abgang haben darf, ohne als goldener Handschlag Neid in der zu Recht bankenkritischen Bevölkerung hervorzurufen.

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Von Blessing wäre nun eine Kompromisslösung gefragt, indem er die Entlassungen näher an das Auslaufen der Verträge heranrücken lässt, um Abfindungen zu sparen. Es könnte aber auch sein, dass er entnervt das Handtuch wirft, falls er sich nicht durchsetzten kann. Ein solcher Schritt wäre allerdings überzogene Symbolik. Denn beim Umbau der Commerzbank steht mehr auf dem Spiel als die Verschlankung des Vorstands. So muss das Unternehmen Altlasten abbauen, sein Filialgeschäft modernisieren und nebenbei im Firmenkundengeschäft und kundennahmen Investmentbanking am Ball bleiben. Auch die jüngst angestoßene Restrukturierung der Führungsebenen hängt nicht allein an zwei Vorstandsposten mehr oder weniger.

Ebenso will die Commerzbank auf den Ebenen der Bereichsvorstände und der darunter angesiedelten Manager aufräumen. Bei diesen vielen kleineren Schritten und Personalien lässt sich unter Umständen mehr rausholen als mit der symbolträchtigen Entlassung von Vorständen.

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