Commerzbank: Wo es bei der Commerzbank hakt

AnalyseCommerzbank: Wo es bei der Commerzbank hakt

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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Schon im zweiten Quartal drohen neue Belastungen.

von Saskia Littmann

Der Quartalsgewinn der Commerzbank fällt überraschend hoch aus. Kein Grund für überbordende Freude, denn ausgerechnet im Kerngeschäft kommt die Bank nicht richtig vom Fleck. Und es drohen weitere Belastungen.

Auf den ersten Blick sind die überraschend positiven Quartalszahlen der Commerzbank hübsch anzusehen. Unterm Strich erwirtschaftete die Bank in den ersten drei Monaten des Jahres einen Gewinn von 217 Millionen Euro, gut 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die operativen Erträge stiegen um elf Prozent auf 314 Millionen Euro. Anleger frohlocken und schickten die Aktie an die Dax-Spitze.

Aber stopp: Warum spricht Commerzbank-Chef Martin Zielke bei solchen Zahlen von einem "ordentlichen" operativen Ergebnis?

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Anleger sollten die Tiefstapelei des Vorstandschefs ernst nehmen, denn schon auf den zweiten Blick ist von der Euphorie nicht mehr viel übrig, Einmaleffekte können nicht über die fehlenden Impulse aus dem Kerngeschäft hinwegtäuschen.

Hauptversammlung Der Staat in der Commerzbank-Falle

Die Commerzbank hat sich zum wiederholten Mal eine neue Strategie verordnet. Bis die aber Erträge abwirft, müssen Aktionäre viel Durchhaltevermögen beweisen. In diesem Dilemma steckt auch der Bund.

Commerzbank-Hauptversammlung 2017. Quelle: REUTERS

Denn ihre guten Zahlen haben die Frankfurter unter anderem einem Sondereffekt zu verdanken. Der sorgt dafür, dass das Minus in der konzerninternen Abbaueinheit, in der die Bank marode Kredite lagert, mit 33 Millionen Euro deutlich kleiner ausfällt als erwartet. Im Vorjahr hatte noch ein Minus von 119 Millionen Euro die Bücher belastet. Grund dafür war ein Absicherungsgeschäft im Bereich Staatsfinanzierung, das nun wieder werthaltig wurde, nachdem es die Commerzbank eigentlich schon abgeschrieben hatte. Glück gehabt.

Schon im Geschäftsjahr 2016 waren es immer wieder Einmaleffekte, die die Zahlen der Commerzbank verschönerten, unter anderem durch den Verkauf der Anteile an Visa Europe. Auch für die nächsten Quartale will Finanzchef Stephan Engels weitere Sondereffekte nicht ausschließen.

So soll das neue Filialnetz der Commerzbank aussehen

  • Flagship-Filialen

    Die Commerzbank hat aktuell 1.050 Filialen mit 12.000 Mitarbeitern. Langfristig sollen an zentralen Standorten – an Bahnhöfen, in Fußgängerzonen - 65 bis 100 Flagship-Filialen entstehen, die sich sowohl an Geschäfts- als auch an Privatkunden richten und auch die Vermögensberatung – Stichwort: Wealth Management - übernehmen. Die ersten dieser Filialen wurden in Berlin und Stuttgart getestet. "Das hat im Großen und Ganzen funktioniert", sagte Privatkundenvorstand Michael Mandel. Die nächsten sollen in Bochum, Bremen und Hannover eröffnet werden.

  • Klassische Filialen

    Die klassische Filiale mit einer Kasse sowie den typischen Schalterbeamten und den entsprechenden Beratungsangeboten soll erhalten bleiben.

  • Beratungsfilialen

    Zusätzlich soll es reine Beratungsfilialen geben. Geld einzahlen, abheben oder Währungen wechseln geht hier nicht.

  • Cityfiliale 2.0

    In den geplanten Cityfilialen werden Kunden die alltäglichen Bankgeschäfte erledigen können, aber keine Beratung für komplexe Finanzprodukte  bekommen. Für eine Baufinanzierung oder Vermögensberatung müssen die Kunden größere Zweigstellen aufsuchen.

Ebenfalls positiv: Die Bank profitiert vom guten Marktumfeld und steigert ihren Provisionsüberschuss, weil ihre Kunden mehr Wertpapiere handeln. Sprich: Trumps Deregulierungs-Fantasien und in Frankreich zeichnete sich Macrons Wahlsieg ab – beide Umstände taten ihren Dienst und verhalfen Zielke zu besseren Zahlen. Langfristig sollte da keiner drauf setzen.

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