
Richtig ernst genommen hat Allianz-Chef Michael Diekmann die Frage damals nicht. Deshalb stachelte er seinen Finanzvorstand Paul Achleitner sogar an, als der erklären sollte, ob er zur Deutschen Bank wechseln und Vorstandschef Josef Ackermann ablösen werde: „Das ist jetzt mal ’ne richtig aktuelle Frage, die Anlass für ’ne Schlagzeile gibt“, sagte Diekmann. „Legen Sie mal los.“
Der Aufgeforderte, dessen Name kurz zuvor auf einer Liste möglicher Kandidaten aufgetaucht war, antwortete mit nebliger Klarheit. „Ich bin sehr glücklich bei der Allianz“, sagte er. Und: „Ich glaube, dass wir auch weiterhin in diesem Team noch genug Herausforderungen haben, die es zu bewältigen gibt in den nächsten Jahren.“

Wilfried Guth (Vorsitzender von 1985-1990)
Der Neffe des zweiten Bundeskanzlers Ludwig Erhard galt als Volkswirt der Deutschen Bank – wegen seiner Tätigkeit für die Bundesbank und den Internationalen Währungsfonds.
Quelle: dpaFriedrich Wilhelm Christians (Vorsitzender von 1990–1997)
Der Jurist galt als der Außenminister, weil er sich erfolgreich für bessere Beziehungen zwischen Ost und West einsetzte.
Quelle: dpaHilmar Kopper (Vorsitzender von 1997–2002)
Der Vollblutbanker war durch seine vielen Aufsichtsratsposten der letzte Vertreter der einstigen Deutschland AG – Synonym für die Verflechtung von Unternehmen und Hochfinanz.
Quelle: APRolf-Ernst Breuer (Vorsitzender von 2002-2006)
Mit seiner Geschwätzigkeit vor der Pleite des Medienunternehmers Kirch hat der Rheinländer der Bank einen gefährlichen Prozess eingebrockt.
Quelle: dpaClemens Börsig (Vorsitzender seit 2006)
Der Möchtegern hat mit seiner verkorksten Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermannn die Deutsche Bank tief gespalten.
Wilfried Guth (Vorsitzender von 1985-1990)
Der Neffe des zweiten Bundeskanzlers Ludwig Erhard galt als Volkswirt der Deutschen Bank – wegen seiner Tätigkeit für die Bundesbank und den Internationalen Währungsfonds.
Führungsturbulenzen finden Schlusspunkt
Was auf der Jahrespressekonferenz im Februar Anlass für ein scherzhaftes, verbales Pingpong-Spiel war, ist seit Montag der zurückliegenden Woche Realität. Achleitner gibt seinen Job beim Münchner Versicherungskonzern auf und wechselt zur Deutschen Bank – nicht wie damals spekuliert als Chef, sondern als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Der 55-jährige Österreicher löst Clemens Börsig ab. Bankchef Ackermann verzichtet auf die Kandidatur für den Posten des Oberaufsehers des Instituts.

So unbestreitbar Ackermanns Verdienste um das größte deutsche Geldhaus sind, so wichtig seine höchstrangigen Kontakte in alle Welt gerade in den Krisen der vergangenen Jahre waren: Sein Verzicht und Achleitners Nominierung sind gute Nachrichten für die Deutsche Bank. Sie erleichtern den Übergang auf die künftige Doppelspitze aus dem bisherigen Investmentbankchef Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen.
Die Führungsturbulenzen der vergangenen Monate haben damit einen endgültigen Schlusspunkt gefunden. Mit Börsig und Ackermann verlassen im kommenden Mai die beiden Protagonisten eines in der Geschichte des Instituts beispiellosen Machtkampfs die Bank. Achleitner ist nun auch als Friedensstifter gefragt. Denn die Auseinandersetzungen haben in der Bank Gräben aufgerissen, die noch nicht wieder zugeschüttet sind.













