
Josef Ackermann hat sich nichts anmerken lassen. Gewohnt routiniert spulte er anlässlich der Euro Finance Week vor der in Frankfurt versammelten Finanzelite seine Rede über neue Geschäftsmodelle von Banken ab. Andere prominente Redner dagegen zeigten Textunsicherheiten. Nichts deutete darauf hin, dass im Laufe des Tages eine Meldung bekannt werden würde, die Deutschlands größte Bank gründlich durcheinanderwirbeln sollte – mit gravierenden Auswirkungen auf Ackermanns persönliche und berufliche Zukunftspläne.
Wie das Innenleben des Bankers hinter seinem auf die Großleinwand projizierten Pokerface aussah, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich dürfte selbst der stressgewohnte Ackermann unter Starkstrom gestanden haben, denn Münchner Staatsanwälte hatten zuvor Büros des Konzernchefs sowie weiterer Spitzenkräfte der Deutschen Bank durchsucht. Der größte Teil des Publikums ahnte zu diesem Zeitpunkt jedoch nichts davon und lauschte andächtig, was der Gast über die Zukunft der Bankenwelt zu verkünden hatte.
Quelle: dpaJosef Ackermann - Meilensteine einer Karriere
Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.
Quelle: rtr1996
Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist.
Quelle: AP2000
Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank.
Quelle: APSeptember 2000 - Mai 2002
Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an.
Quelle: rtrJuni 2003
Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef.
Quelle: ZBAb 2003
Die Deutsche Bank trennt sich von Anteilen an Unternehmen wie der Münchener Rück, Gerling und Daimler.
Quelle: APJanuar 2004
Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt.
Quelle: APFebruar 2005
Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an.
Quelle: rtrFebruar 2006
Ackermann übernimmt als erster Chef der Deutschen Bank den Titel Vorstandsvorsitzender, was seine Position nochmals stärkt.
Quelle: rtr2006
Die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank liegt erstmals über dem von Ackermann avisierten Ziel von 25 Prozent.
Josef Ackermann - Meilensteine einer Karriere
Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.
Am Nachmittag reagierten Ackermanns Arbeitgeber dann mit einer Meldung, in der sie sich gründlich von ihrer ursprünglichen Personalstrategie verabschiedeten. Die geplante Rochade vom Chefsessel an die Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank ist abgeblasen. Der designierte Chefkontrolleur, der das Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen beaufsichtigen soll, heißt nicht mehr Ackermann, sondern Achleitner. Paul Achleitner sitzt als Finanzchef des Versicherungsriesen Allianz an einer der Schlüsselpositionen der deutschen Wirtschaft und kämpft daher in einer Gewichtsklasse, die ihn grundsätzlich für Top-Aufgaben wie den Kontrollposten bei der Deutschen Bank qualifiziert.













