Quelle: APDer Fall Leo Kirch
Februar 2002
Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“.
Quelle: APDie genauen Wortlaute des Interviews
Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?“
Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann also
eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen.“
Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren.“
Quelle: APApril 2002
Die Kirch-Gruppe muss einen Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft stellen. Und der Medienmogul Kirch ist davon überzeugt, dass Breuer sein Lebenswerk zerstört habe, denn nach dem Interview seien Geldgeber abgesprungen, der Konzern sei letztlich daran zerbrochen. Gemessen am Schuldenstand von 6,5 Milliarden Euro handelt es sich um die bis dahin größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Quelle: APJuni 2002
Mit dem Insolvenzantrag der Dachgesellschaft Taurus-Holding bricht die Kirch-Gruppe vollständig zusammen. Die Taurus-Holding führte als Management-Holding die Aktivitäten der gesamten Kirch-Gruppe mit ihren Töchtern Kirch-Media, Kirch-Pay-TV und Kirch-Beteiligungs GmbH.
Quelle: dpa/dpawebJanuar 2006
Der Bundesgerichtshof (BGH) stellt fest, dass die Deutsche Bank und Rolf Breuer dem Medienunternehmer grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet seien. Karlsruhe befindet, Breuer habe durch seine öffentlich geäußerten Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit vertragliche Pflichten gegenüber der Kirch-Gesellschaft Printbeteiligungs GmbH verletzt. Eine Haftung der Bank für den Zusammenbruch des gesamten Medienimperiums verneinen die Richter allerdings.
Quelle: REUTERSApril 2006
Rolf Breuer, mittlerweile Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, kündigt seinen Rücktritt an. Unter anderem soll der Rechtsstreit mit Kirch ein Grund dafür sein.
Sein Nachfolger wird im Mai 2006 der bisherige Finanzvorstand der Deutschen Bank, Clemens Börsig.
Quelle: dpaNovember 2008
Das Landgericht in München weist die Klage Kirchs auf Schadenersatz schon am ersten Verhandlungstag teilweise ab. Die Anwälte des Medienmoguls hatten zum Prozessauftakt für einen Teil der Forderungen keine Anträge gestellt.
Quelle: dpaApril 2010
Kirch scheitert mit einer Strafanzeige gegen Breuer. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verwirft einen Antrag auf Klageerzwingung als unzulässig.
Quelle: dpaFebruar 2011
Das Landgericht München weist milliardenschwere Schadenersatzforderungen Leo Kirchs zurück. Es geht um Ansprüche der Printbeteiligungs GmbH, in der Kirch seinen Anteil am Springer-Konzern gebündelt hatte.
Quelle: dapdMärz 2011
Am 25. März 2011, neun Jahre nach der Plaite des Kirch-Konzerns, treffen Breuer und Kirch erstmals vor Gericht aufeinander. Die Vernehmung des schwer kranken Kirch vor dem OLG München wird nach gut eineinhalb Stunden abgebrochen.
Der Fall Leo Kirch
Februar 2002
Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“.
Es ist eine Szene am Rand und doch symptomatisch. Eigentlich soll an diesem Morgen die Verlegerin Friede Springer erklären, welche Rolle die Deutsche Bank bei der Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch gespielt hat. Doch nach zehn Minuten ist die Verhandlung vor dem Münchner Oberlandesgericht vorbei. Die Anwälte der Deutschen Bank haben den Vorsitzenden Richter als befangen abgelehnt. Nun könnten alle gehen.
Gezeter im Treppenhaus
Doch der Streit geht erst richtig los. Ein Sprecher der Bank und ein Kirch-Anwalt geraten aneinander. Erst zischen sie sich an, „unseriös“ zu arbeiten. Dann beschuldigt der Anwalt den Bankvertreter, einem kritischen Aktionär gedroht zu haben, ihn bei der Hauptversammlung „von der Balustrade zu stürzen“. Prompt droht der Sprecher mit Klage. Das Gezeter setzt sich im Treppenhaus fort, erst draußen auf dem Gehweg trennen sich die beiden Männer.
Quelle: dpaJosef Ackermann - Meilensteine einer Karriere
Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.
Quelle: rtr1996
Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist.
Quelle: AP2000
Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank.
Quelle: APSeptember 2000 - Mai 2002
Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an.
Quelle: rtrJuni 2003
Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef.
Quelle: ZBAb 2003
Die Deutsche Bank trennt sich von Anteilen an Unternehmen wie der Münchener Rück, Gerling und Daimler.
Quelle: APJanuar 2004
Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt.
Quelle: APFebruar 2005
Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an.
Quelle: rtrFebruar 2006
Ackermann übernimmt als erster Chef der Deutschen Bank den Titel Vorstandsvorsitzender, was seine Position nochmals stärkt.
Quelle: rtr2006
Die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank liegt erstmals über dem von Ackermann avisierten Ziel von 25 Prozent.
Josef Ackermann - Meilensteine einer Karriere
Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.
Wunsch nach Ruhe und Einigung
Episoden wie die vom Herbst könnten bald der Vergangenheit angehören, über der beidseitig verbrannten Erde würde Gras wachsen. „Der Wille zur Einigung ist da“, heißt es in Deutsche-Bank-Kreisen. „Der Wunsch nach Ruhe überwiegt.“ Mit einer Zahlung von knapp 800 Millionen Euro könnte die Deutsche Bank Kirchs Erben dazu bewegen, ihre Vorwürfe gegen das Institut und dessen Ex-Chef Rolf Breuer fallen zu lassen. Der soll die Pleite des Konzerns des 2011 verstorbenen Kirch mit einer Aussage in einem Interview zumindest mit verursacht haben.
Offene Fragen
Noch sind Fragen offen, etwa eine Beteiligung Breuers und dessen Versicherungen an der Ausgleichszahlung. Zudem muss die Bank ihren Aktionären erklären, warum sie ihre Auffassung, im Recht zu sein, geändert hat. Dass das Gericht einen entsprechenden Vorschlag gemacht hat, dürfte dafür ausreichen.













