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Deutsche Bank: Ackermann will keine Altlasten hinterlassen

von Cornelius Welp

Die mögliche Einigung im Kirch-Prozess zeigt: Schon vor dem Abgang Josef Ackermanns läuft bei der Deutschen Bank das Reinemachen.

Der Fall Leo Kirch

Februar 2002

Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“.

Quelle: AP

Es ist eine Szene am Rand und doch symptomatisch. Eigentlich soll an diesem Morgen die Verlegerin Friede Springer erklären, welche Rolle die Deutsche Bank bei der Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch gespielt hat. Doch nach zehn Minuten ist die Verhandlung vor dem Münchner Oberlandesgericht vorbei. Die Anwälte der Deutschen Bank haben den Vorsitzenden Richter als befangen abgelehnt. Nun könnten alle gehen.

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Gezeter im Treppenhaus

Doch der Streit geht erst richtig los. Ein Sprecher der Bank und ein Kirch-Anwalt geraten aneinander. Erst zischen sie sich an, „unseriös“ zu arbeiten. Dann beschuldigt der Anwalt den Bankvertreter, einem kritischen Aktionär gedroht zu haben, ihn bei der Hauptversammlung „von der Balustrade zu stürzen“. Prompt droht der Sprecher mit Klage. Das Gezeter setzt sich im Treppenhaus fort, erst draußen auf dem Gehweg trennen sich die beiden Männer.

Josef Ackermann - Meilensteine einer Karriere

Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.

Quelle: dpa

Wunsch nach Ruhe und Einigung

Episoden wie die vom Herbst könnten bald der Vergangenheit angehören, über der beidseitig verbrannten Erde würde Gras wachsen. „Der Wille zur Einigung ist da“, heißt es in Deutsche-Bank-Kreisen. „Der Wunsch nach Ruhe überwiegt.“ Mit einer Zahlung von knapp 800 Millionen Euro könnte die Deutsche Bank Kirchs Erben dazu bewegen, ihre Vorwürfe gegen das Institut und dessen Ex-Chef Rolf Breuer fallen zu lassen. Der soll die Pleite des Konzerns des 2011 verstorbenen Kirch mit einer Aussage in einem Interview zumindest mit verursacht haben.

Offene Fragen

Noch sind Fragen offen, etwa eine Beteiligung Breuers und dessen Versicherungen an der Ausgleichszahlung. Zudem muss die Bank ihren Aktionären erklären, warum sie ihre Auffassung, im Recht zu sein, geändert hat. Dass das Gericht einen entsprechenden Vorschlag gemacht hat, dürfte dafür ausreichen.

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