Deutsche Bank: Ackermanns Abgang löst Führungsstreit aus

Deutsche Bank: Ackermanns Abgang löst Führungsstreit aus

, aktualisiert 18. November 2011, 11:44 Uhr
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Wie lange bleibt Josef Ackermann noch Chef der Deutschen Bank?

von Peter Köhler, Michael Maisch und Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Josef Ackermann ist angezählt. Einige Vorstandskollegen drängen den Deutsche-Bank-Chef, das Institut vor Ende Mai zu verlassen. Der Begriff „Lame Duck“ hallt durch die Frankfurter Zentrale.

Frankfurt/LondonIm obersten Führungszirkel der Deutschen Bank gibt es Kritik am Zeitplan für den geplanten Wechsel an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. Die Absicht von Konzernchef Josef Ackermann, mit der Hauptversammlung am 31. Mai den Weg frei zu machen für die Doppelspitze aus Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und dem Top-Investmentbanker Anshu Jain, stößt im Top-Management auf Unverständnis. Deshalb ist eine Diskussion entbrannt, ob der Schweizer nicht schon früher den Chefsessel räumen soll - mindestens zwei Vorstandsmitglieder des siebenköpfigen Gremiums wären nach Handelsblatt-Informationen dafür.

Ein guter Zeitpunkt dafür könnte die Vorlage der Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 am 2. Februar sein. "Eine Stabsübergabe nach der Bilanz-Pressekonferenz wäre das Richtige", sagte ein Top-Banker. Zwar wäre der Jahreswechsel besser, das könne man Ackermann aber nicht zumuten, weil der Gesichtsverlust zu groß sei. Sein Ansehen dürfe nicht beschädigt werden.

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Zur Begründung heißt es, die Deutsche Bank brauche dringend eine Diskussion über die zukünftige Strategie. Die Welle von Regulierungen der Aufseher erfordere jetzt schnelles Handeln. Die höheren Eigenkapitalanforderungen, die Bankenabgabe und die drohende Finanztransaktionssteuer beträfen vor allem das Investment-Banking, das lange Zeit der Gewinnmotor der Bank war.

Über das zukünftige Gewicht des Investment-Bankings gibt es kontroverse Meinungen. Auf Sicht von fünf bis sieben Jahren müssten hier die Kapazitäten in einem "Worst-case-Szenario" aus anhaltenden Verwerfungen an den Kapitalmärkten und strengen Vorgaben der Aufseher möglicherweise um 50 Prozent nach unten angepasst werden, argumentieren die Skeptiker.

Deshalb sollte die Diversifizierung des Geschäftsmodells vorankommen, etwa durch eine Stärkung der Positionen in den Schwellenländern. Zuletzt hatte die Deutsche Bank ihr Retail-Geschäft mit den Zukäufen der Postbank und der Privatbank Sal. Oppenheim gestärkt. "Davon brauchen wir noch mehr", sagte ein Vertrauter von Ackermann.

Die Deutsche Bank hat den Handelsblatt-Bericht zurückgewiesen und mitgeteilt: „Der bekannte und erst Anfang der Woche von der Bank öffentlich bestätigte Zeitplan für den Übergang an der Spitze des Vorstands gilt unverändert.“


Debatte muss jetzt geführt werden

Die Investmentbanker selbst sehen dagegen keinerlei Grund für eine weitere Beschneidung ihrer Geschäfte. Im Gegenteil, sie wollen der geschwächten Konkurrenz Marktanteile abnehmen. Auch in diesem Lager gibt es Befürworter eines vorzeitigen Ausscheidens von Ackermann. Sie argumentieren, derzeit gebe es weltweit einzigartige Gelegenheiten für die Deutsche Bank, die man in der Marktsituation nützen müsse.

Insbesondere die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse sowie die französischen Großbanken BNP Paribas sowie Société Générale und die japanische Nomura zögen sich aus vielen Geschäftsfeldern zurück, um knappes Kapital zu schonen. In solch einer Situation könne man es sich nicht leisten, "mit angezogener Handbremse" zu fahren.

Die Restrukturierung, die die Wettbewerber behindert, hätte die Deutsche Bank bereits hinter sich. Seit der Krise seien die Risikoaktiva massiv abgebaut worden. Die Tatsache, dass das Investment-Banking der Deutschen auch im extrem schwierigen dritten Quartal 2011 noch profitabel war, zeige, dass der Umbau funktioniert habe. Am Ende werde die Deutsche Bank als eine von einer Handvoll großer weltweit agierender Investmentbanken übrig bleiben, die den Markt untereinander aufteilen könnten.

Die Strategiedebatte müsse jetzt geführt werden, weil die Umsetzung neuer Weichenstellungen zwei bis drei Jahre dauere, sagt ein Top-Banker. Deshalb müsse auch der für den Aufsichtsratsvorsitz nominierte Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner früher beginnen. Der Ex-Goldman-Sachs-Banker sei der richtige Mann, um den "Transformationsprozess" aktiv zu beaufsichtigen.

"Wir dürfen keine Zeit verlieren, deshalb muss Achleitner so bald wie möglich an Bord kommen", sagte ein Insider. Ein Sprecher der Bank verwies gestern auf den zuletzt am 14. November genannten Zeitplan. Ackermann werde danach "im Mai 2012 aus dem Vorstand ausscheiden", der Übergabeprozess werde Anfang 2012 eingeleitet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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