Deutsche Bank: Ackermanns fast harmonischer Abgang

KommentarDeutsche Bank: Ackermanns fast harmonischer Abgang

von Cornelius Welp

An seinem letzten Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank zeigt sich Josef Ackermann stolz und versöhnlich. Die Aktionäre feiern ihn, für den Aufsichtsrat gibt es bei der Hauptversammlung harte Kritik.

Wenn von der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank und damit von Josef Ackermann letztem Arbeitstag ein Signal ausgehen soll, dann ist es das der großen Versöhnung. Schon vor dem Beginn lassen sich die Hauptdarstellerin harmonischen Posen ablichten. Erst mal die kommenden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen, dann der scheidende Chef Josef Ackermann und der scheidende Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Und dann alle vier zusammen. Eine gute Bank, so die Botschaft, wird von guten Händen in gute Hände übergeben. Streit, Intrigen, Machtkämpfe? Hier doch nicht.

Bei Jain und Fitschen bleibt die Nähe während der ganzen Veranstaltung Programm. Während die anderen Vorstandsmitglieder stumm vor sich hin starren, tuscheln die beiden immer mal wieder miteinander, lächeln, wirken fast wie schwätzende Schüler im Unterricht. Es scheint zumindest so, als wäre der Abstand zwischen ihren Stühlen kleiner als bei den übrigen. Zwischendurch sind sie sogar mal gemeinsam für eine gute halbe Stunde draußen. Ob sie sich da die neue Strategie überlegen, die die Aktionäre gerne von ihnen hören wollen?

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„Ein Jahrzehnt an der Spitze der Deutschen Bank“

Verraten werden sie die an diesem Tag nicht. Es ist schließlich Ackermanns Abschiedsvorstellung. Seine Rede ist mit gut 45 Minuten ungewöhnlich lang, noch einmal lässt er seine Amtszeit Revue passieren, unterteilt sie in die Jahre vor und nach der Krise, wobei sie unter seiner Führung jeweils auf der Gewinnerseite stand. „Ich habe meine Pflicht getan und dem Unternehmen mit meiner ganzen Kraft gedient“, sagt er.

Damit diese Leistung allen im Gedächtnis bleibt, feiert ein Heftchen von 42 Seiten Umfang „ein Jahrzehnt an der Spitze der Deutschen Bank“. In dem erklären Prominente wie Henry Kissinger, Roland Berger, Mathias Döpfner und Frank Elstner, was für ein toller Kerl der Schweizer ist. Dazu gibt es auch ungewohnt private Fotos: Ackermann mit Frau und Tochter im Kino, Ackermann im Ferrari, Ackermann im Skiurlaub. „Danke, Joe!“ heißt es auf den ersten Seiten in Riesenlettern.

Das sagen auch die Aktionäre. Denen hat Joe eigentlich nicht viel Freude gemacht, der Kurs der Aktie liegt nicht höher als bei seinem Amtsantritt, die Dividende ist auch in diesem Jahr mickrig. Aber, und das ist wohl Trost genug: Andere Bankeigentümer hat es in den vergangenen Jahren noch weit schlimmer erwischt. Ackermann selbst kann sich da eine Spitze gegen die Commerzbank nicht verkneifen. „Wir alle können zusammen stolz sein, auf das was wir gemeinsam erreicht haben“, lobt er. Die Mehrzahl der Aktionäre erhebt sie sich klatschend von ihren Sitzen.

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