Deutsche Bank: Aktionäre strafen Jain und Fitschen ab

Deutsche Bank: Aktionäre strafen Jain und Fitschen ab

Die Deutsche Bank ist mit dem Versuch einer strategischen und personellen Neuaufstellung bei ihren Aktionären abgeblitzt. Statt Applaus gab es sogar Buhrufe aus dem Publikum und klare Abstimmungsergebnisse.

Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen warben auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt mit all ihrer Kraft für eine zweite Chance und räumten dafür sogar Versäumnisse ein. Trotzdem ernteten sie wenig Beifall, dafür aber laute Buhrufe aus dem Publikum. Das spiegelte sich überraschend klar in den Abstimmungsergebnissen wider: Deutlich mehr als ein Drittel des vertretenen Kapitals sprach dem Vorstand das Misstrauen aus. Großinvestoren wie Kleinanleger vermissen Details der kürzlich präsentierten "Strategie 2020", die auf eine Schrumpfkur von Deutschlands größtem Geldhaus hinausläuft.

Auch der am Mittwochabend kurzerhand auf den Weg gebrachte Vorstandsumbau reichte nicht, um die Gemüter zu besänftigen. Am schlechtesten schnitt in der Abstimmung Jain ab, für dessen Entlastung weniger als 61 Prozent der Aktionärsstimmen abgegeben wurden. Fitschen lag nur marginal drüber.

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Auf einen Blick: Probleme bei der Deutschen Bank

  • Abgeschlagen: Marktkapitalisierung

    Im Ranking der wertvollsten Banken der Welt (nach Marktkapitalisierung in Milliarden Euro) landet die Deutsche Bank mit 40 Milliarden Euro auf Rang 40.
    Zum Vergleich: Die Industrial and Commercial Bank of China belegt mit 265 Milliarden Euro den ersten, Wells Fargo (USA) mit 259 Milliarden Euro den zweiten Platz.

    Auswahl, gerundet; Stand: 11.05.2015; Quelle: Bloomberg

  • Klar verfehlt: Ziele für 2015

    Die meisten für 2015 ausgegebenen Ziele haben Jürgen Fitschen und Anshu Jain nicht erreicht: Statt bei unter 65 Prozent liegt das Verhältnis von Kosten zu Erträgen bei 84 Prozent, statt einer Nachsteuerrendite von zwölf erzielte die Bank zuletzt drei Prozent, im Investmentbanking waren es fünf statt der avisierten 15 Prozent. Der Vorsteuergewinn im Privatkundengeschäft war 2014 weniger als halb so hoch wie geplant.

  • Rekordstrafe: Libor-Skandal

    2,2 Milliarden Euro zahlte die Deutsche Bank wegen Manipulation von Libor und Euribor.

  • Im Visier der Justiz: Jürgen Fitschen

    Co-Chef Fitschen steht derzeit in München wegen versuchten Prozessbetrugs vor Gericht.

  • Im Visier der Aufseher: Anshu Jain

    Die Manipulation von Libor und Euribor setzt Co-Bankchef Jain unter Druck.

Das war ein herber Denkzettel, üblich sind in Deutschland Zustimmungsraten von 95 Prozent und mehr. Trotzdem hätte es noch schlimmer kommen können für die Manager: Einflussreiche Aktionärsberater wie ISS aus den USA und Hermes aus London, deren Abstimmungsempfehlungen angelsächsische Fonds gewöhnlich folgen, hatten den Investoren im Vorfeld nahegelegt, gegen die Entlastung des Vorstands zu stimmen. Die Fondsgesellschaft Union Investment, einer der 20 größten Aktionäre, bekannte offen, die Bankführung nicht mehr zu unterstützen.

Besonders kritisch sehen viele Aktionäre, dass Jains Rolle im Konzern nun sogar noch gestärkt wird, obwohl er als früherer Chef-Investmentbanker für zahlreiche Rechtsstreitigkeiten mit verantwortlich ist, die immer noch viel Geld kosten und mühsam erzielte Gewinne regelmäßig ausradieren. "Sind Sie das Problem dieser Bank, die Lösung oder beides?", sagte Markus Kienle von der Kleinaktionärsvereinigung SdK vor gut 5000 Aktionären an die Adresse Jains. Klaus Nieding von der DSW schimpfte: "Wer den Bock zum Gärtner macht, darf sich nicht wundern, wenn er den Garten kahlfrisst und die anderen Schafe es ihm gleich tun."

Deutsche Bank Deutsche-Bank-Fonds stimmen nicht ab

Die Fonds der Deutschen Bank werden auf der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank ihr Stimmrecht nicht wahrnehmen. Die Deutsche Asset&Wealth Management bestätigte dies auf Anfrage der WirtschaftWoche.

Die beiden Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen, während der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Donnerstag. Quelle: dpa

"Weiter so" geht nicht mehr

Allein wegen ihrer Verstrickung in den weltweiten Skandal um manipulierte Referenzzinssätze hatte die Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar an die Regulierer in Großbritannien und den USA abdrücken müssen. Nieding forderte eine externe Sonderprüfung der Rechtsstreitigkeiten fand dafür auf der Hauptversammlung aber keine Mehrheit.

Dass die vor drei Jahren angetretene Doppelspitze unter Druck steht, hatte sich schon vor Wochen abgezeichnet. Wesentliche Ziele der "Strategie 2015+" wurden nicht erreicht. Das gilt insbesondere für Rendite und Kosten. Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner attestierte Jain und Fitschen eine eher "durchwachsene" Bilanz. Er signalisierte, dass ein "Weiter so" für das Top-Management keine Option sein kann. "Niemand kann mit dem äußeren Erscheinungsbild und dem Aktienkurs zufrieden sein", sagte Achleitner.

Jain und Fitschen räumten ein, dass es länger dauere als geplant, die unzähligen Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Außerdem greife der Sparkurs noch nicht. Von Scheitern könne aber keine Rede sein, sagte Fitschen. "Wir steuern die Deutsche Bank in die richtige Richtung."

Weitere Artikel

Wichtigste Entscheidung ist die Abspaltung der Deutschen Postbank. Das restliche Privatkundengeschäft mit den "blauen" Filialen wird zusammengestrichen, während die Investmentbanker wieder an Macht gewinnen. Portfoliomanager Ingo Speich von Union Investment kritisierte: "Nach einer langen Durststrecke werden jetzt schon wieder fünf unprofitable Übergangsjahre mit Restrukturierungskosten in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt.".

Um die neue Strategie anzuschieben, krempelt Achleitner den Vorstand um: Jain wird sich persönlich um die Umsetzung kümmern. Fitschen dagegen, der seit einigen Wochen vor dem Münchner Landgericht wegen Vorwürfen des Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren auf der Anklagebank sitzt, bekommt keine zusätzlichen Aufgaben, er gibt sogar welche ab. Großer Verlierer ist der langjährige Privatkunden-Chef Rainer Neske, der die Bank verlässt. Seine Aufgaben übernimmt Rechts- und Compliance-Vorstand Christian Sewing.

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