Deutsche Bank: Auszeichnung Systemgefahr

KommentarDeutsche Bank: Auszeichnung Systemgefahr

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank zählt zu den weltweit gefährlichsten Instituten. Das ist ein Vorteil im Wettbewerb. 


Als der MIT-Professor und frühere IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson den damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im vergangenen Jahr als „einen der gefährlichsten Banker weltweit“ bezeichnete, war die Empörung bei Deutschlands größtem Kreditinstitut groß.  Offenbar hatte Johnson jedoch Recht. Denn auf seiner am Donnerstagabend zum zweiten Mal veröffentlichten Liste stuft der Finanzstabilitätsrat (FSB) die Deutsche Bank neben der Citigroup, HSBC und JP Morgan Chase als eine der weltweit systemrelevantesten Banken ein. 

So absurd der Superlativ hier auch scheinen mag: Damit ist offiziell, dass ihr Zusammenbruch wahrscheinlich geeignet wäre, das Weltfinanzsystem mit in den Abgrund zu reißen. Sie gilt damit als deutlich riskanter als die reinen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.  

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Größerer Kapitalpuffer

Die Konsequenz ist eine im Vergleich zu Wettbewerbern schärfere Regulierung. Wenn sich an dem Status nichts ändert, muss die Deutsche Bank ab 2016 anfangen, einen zusätzlichen Kapitalpuffer zu den ohnehin schon verschärften Vorschriften aufzubauen. 2019 braucht sie demnach 2,5 Prozent mehr Eigenkapital als Konkurrenten, die auf der insgesamt 28 Institute umfassenden Liste gar nicht auftauchen. Das ist eine echte Herausforderung: Schon jetzt ist die Kapitalausstattung des Instituts unterdurchschnittlich. Und wer mehr Eigenkapital halten muss, tut sich schwerer, darauf ordentliche Renditen zu erwirtschaften.   

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

  • Einsparungen

    Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

  • „Bad Bank“

    Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

  • Renditeziele

    Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

  • Vergütung

    Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Bonus belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


  • Kapital

    Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

  • Regionale Aufstellung

    Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

  • Kulturwandel

    Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

  • Geschäftsbereiche

    Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Dennoch kann sich die Deutsche Bank über die Entscheidung  freuen. Und das nicht nur, weil sie anders als der aktuelle Aktienkurs den Anspruch der Führung um Anshu Jain und Jürgen Fitschen untermauert, zu den ersten Adressen weltweit zu zählen. Wenn quasi offiziell besiegelt ist, dass der Staat sie im Zweifel retten muss, schafft das Vertrauen in die Stabilität. Investoren werden den als besonders wichtig eingestuften Banken lieber Geld anvertrauen als Konkurrenten, die im Zweifel Pleite gehen können. Die Finanzierung dürfte für sie deshalb künftig deutlich leichter und auch günstiger möglich sein. Im verschärften Wettbewerb kann das der entscheidende Vorteil sein. 

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Die Erpressbarkeit der Staaten ist mit zusätzlichen Kapitalpuffern nicht beendet. Den Kollaps einer Bank können sie zwar unwahrscheinlicher machen, aber nicht verhindern. Umso wichtiger ist ein funktionierendes System zur Abwicklung internationaler Großbanken. Auch dazu hat der FSB einen Zwischenbericht vorgelegt, bei dem die Aufseher selbst „beachtlichen, aber uneinheitlichen Fortschritt“ zugeben.

Verbindliche Regeln  sollen im kommenden Jahr folgen. Dass Staaten das Überleben von Banken nicht zwangsläufig bis in alle Ewigkeit sichern müssen, zeigt das Beispiel der belgisch-niederländischen Dexia. Die war vor einem Jahr noch auf der Liste aufgetaucht. Inzwischen wird sie abgewickelt.

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