Deutsche Bank: Co-Chef Jain unter verschärfter Beobachtung

Deutsche Bank: Co-Chef Jain unter verschärfter Beobachtung

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Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank weiß um das verspielte Vertrauen zwischen Banken und Gesellschaft. Die Hinterfragung seiner Kompetenz als ehemaliger Chef des Investmentbankings nimmt nicht ab.

von Cornelius Welp

Trotz der Rekordstrafe für die Manipulation von Referenzzinsen sitzt Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain fest im Sattel. Noch.

Es ist ein Heimspiel. Trotzdem kommt Anshu Jain, seines Zeichens Co-Chef der Deutschen Bank, kaum aus der Deckung. Bei der Tagung des Weltbankenverbandes im Oktober in Washington sitzen im Publikum vor allem Banker. Die haben zu der Frage, wozu man noch Großbanken brauche, eine klare, wenn auch nicht ganz objektive Meinung. Jains Diskussionspartner Jamie Dimon, Chef der US-Bank JP Morgan, nutzt den Auftritt für Werbung in eigener Sache: „Wir sind stolz auf das, was wir für unsere Kunden und unser Land tun.“ Von Jain dagegen sind besinnliche Töne zu vernehmen: Es gebe keinen Zweifel, dass das Vertrauen zwischen Banken und Gesellschaft angeschlagen, wenn nicht gar zerbrochen sei, sagt er. Und dass es Jahre dauern werde, den verspielten Kredit wieder zurückzugewinnen.

Da hat er zweifellos recht. Denn am vergangenen Mittwoch hat das Vertrauen mal wieder einen Rückschlag erlitten. Die Deutsche Bank muss mit 725 Millionen Euro die mit Abstand höchste Vergleichssumme im Kartellverfahren der EU wegen Manipulationen der Referenzzinsen Libor und Euribor zahlen.

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Die Folgen der zahllosen Prozesse haben das Geldinstitut fest im Griff. Der Bank droht der Rückfall in die zweite Liga.

Ein Straßenschild zeigt neben dem Gebäude der Deutschen Bank nach unten Quelle: AP

Damit gerät auch Jain wieder unter Druck. Die Frage, ob er als früherer Chef des Investmentbankings der Richtige ist, um gemeinsam mit Jürgen Fitschen das Großprojekt Kulturwandel voranzutreiben, ist auch eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt nicht geklärt. Mit jeder Strafzahlung, jeder Verurteilung, jedem Verdacht, jeder Prüfung taucht sie wieder auf.

Denn fast alle anrüchigen Deals haben ihren Ursprung in den Handelssälen der Investmentbank, an deren Spitze Jain über Jahre stand. Noch ist sein Rückhalt in der Bank groß. Doch weitere Rückschläge könnten ihn in ernste Bedrängnis bringen. Auch deshalb hält sich Jain vor allem in der deutschen Öffentlichkeit sehr zurück. Der indische Tiger tritt als Kätzchen auf.

Gut vier Milliarden Euro hat die Bank für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt – das 13-Fache des Jahresüberschusses 2012. Dahinter verbirgt sich eine Melange aus Schadensersatz- und Bußgeldforderungen wegen möglicher Manipulationen von Referenzwerten, Geschäften mit US-Ramschhypotheken und der Mitschuld an der Pleite des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Die Risiken belasten den Aktienkurs ebenso wie die Bemühungen um einen Neustart. Nach Bekanntwerden des Vergleichs droschen Politiker aller Lager einmal mehr auf das Institut ein. Finanzminister Wolfgang Schäuble drohte, bei der Regulierung eine Schippe nachzulegen.

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