Deutsche Bank, Commerzbank & Co.: Banken setzen auf Billigtöchter

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Deutsche Bank, Commerzbank & Co.: Banken setzen auf Billigtöchter

von Mark Fehr

Der Niedrigzins zwingt Geldinstitute zum Sparen. Die Folge: Sie lagern immer mehr Aufgaben an Standorte mit besonders niedrigen Löhnen aus. Was kommt auf Mitarbeiter und Kunden zu?

Attraktiver kann eine Bankfiliale kaum gelegen sein: Die Stammbelegschaft der Berliner Volksbank genießt nahe der Shoppingmeile am Kurfürstendamm den Blick auf das Raubtiergehege im Tiergarten gegenüber. Weniger idyllisch residieren ihre 330 Ex-Kollegen in einer Servicegesellschaft, die seit rund vier Jahren in einem schäbigen Bürocenter am Flughafen Tegel Sicherheiten für die in den Filialen vergebenen Kredite erfassen oder Grundbucheinträge veranlassen.

Das sind die größten Banken Europas

  • Platz 9

    Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

  • Platz 7

    UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

  • Platz 6

    BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

  • Platz 4

    Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

  • Platz 3

    Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

  • Platz 2

    Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

  • Platz 1

    HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

Die Auslagerung von Aufgaben und Jobs in der Finanzbranche nimmt zu, weil der Kostendruck durch das immer niedrigere Zinsniveau und die strengere Regulierung steigt. „Banken reagieren mit Personalabbau, bei dem Stellen gestrichen oder in Servicegesellschaften ausgelagert werden“, sagt Reinhard Messenböck, Partner und Experte für Retailbanking bei der Beratung Boston Consulting Group (BCG) in Berlin.

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Billiger, weil spezialisiert

„Die Finanzinstitute setzen angesichts sinkender Erträge im Privatkundengeschäft stärker auf Industrialisierung“, beobachtet Jürgen Moormann, Professor an der Frankfurt School of Finance. Bankeigene Servicetöchter oder Fremdanbieter halten Zahlungsverkehr, Wertpapiergeschäft oder Kreditabwicklung laut Moormann viel günstiger am Laufen: nicht nur wegen der niedrigeren Löhne, sondern weil sie sich aufs Massengeschäft spezialisiert haben.

Wie viel deutsche Banken insgesamt auslagern, ist nicht mit Zahlen belegt. Der Trend lässt sich aber deutlich ablesen:

- So streicht die Commerzbank 5200 Stellen bis 2016, während ihre Servicetöchter zusätzliche Tätigkeiten übernehmen und ihre niedriger entlohnten Belegschaften aufstocken (siehe Interview im Kasten auf dieser Seite).

- Die Deutsche Bank hat im April 10.000 Servicemitarbeiter aus den eigenen Reihen und der übernommenen Postbank in einer Dienstleistungsgesellschaft gebündelt, um dank einheitlicher Standards und geringerer Personalkosten jährlich 770 Millionen Euro zu sparen. Der Kündigungsschutz gilt nur bis Ende 2014.

- Die HypoVereinsbank hat im Sommer 2013 ihre Rechenzentren mit rund 300 Mitarbeitern in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem IT-Riesen IBM ausgelagert. Der Schritt ist Teil eines groß angelegten Verlagerungsprojekts der italienischen HVB-Mutter UniCredit, die von der IBM-Expertise profitieren will. Sie spart aber auch Geld, weil Aufgaben künftig teilweise an billigeren Standorten in der Slowakei oder Tschechien erledigt werden.

Interview Frank Annuscheit "Niedrigeres Lohnniveau"

Der Commerzbank-Personalvorstand baut Stellen ab und verlagert Aufgaben in billigere Servicetöchter.

Frank Annuscheit Quelle: PR

Internationale Wettbewerber machen den deutschen Banken vor, wie weit sich das treiben lässt: Nach einer Untersuchung der Daten von zehn global agierenden Banken durch die US-Beratung McLagan haben diese im Durchschnitt fast 40 Prozent ihrer Belegschaften an Standorte mit besonders niedrigen Löhnen ausgelagert. Doch welche Folgen hat das Verschieben für Banken, Mitarbeiter und Kunden?

Die Kreditinstitute sparen dank dieser Maßnahmen nicht nur Geld. Sie können dem Personal in den Servicetöchtern zudem leichter kündigen und flexiblere Arbeitszeiten vereinbaren. Durch die Spaltung der Belegschaft in zwei Klassen erhöhen die Arbeitgeber zudem den Druck auf die Stammbeschäftigten, um diese bei den im Mai gestarteten Tarifverhandlungen zu Zugeständnissen zu bewegen – etwa den Samstag als Normalarbeitstag einzuführen. „Die Drohung weiterer Tarifflucht schwingt immer mit“, sagt Mark Roach, Banken-Experte bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

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