Deutsche Bank: Der Höllenjob des Anshu Jain

Deutsche Bank: Der Höllenjob des Anshu Jain

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Seit er an der Spitze der Deutschen Bank steht, macht Jain alles richtig. Das reicht seinen Gegnern aber nicht

von Cornelius Welp und Yvonne Esterházy

Seit zwei Jahren steht Anshu Jain neben Jürgen Fitschen an der Spitze von Deutschlands größtem Kreditinstitut - und macht fast alles richtig. Seine Kritiker sind trotzdem nicht davon überzeugt, dass er der Richtige für den Job ist.

Dann eben auch mal Wuppertal. 130 Angestellte der Deutschen Bank sind in die größte Filiale im Stadtteil Elberfeld gekommen, um ihren obersten Chef zu treffen. Eineinhalb Stunden beantwortet Anshu Jain Fragen auf Englisch, was er sagt, wird auf Wunsch simultan übersetzt. Er erklärt, bleibt freundlich, sachlich auch bei kritischen Fragen.

Da gibt es viele: Wie konnte es mit der Bank so weit kommen? Was wusste er selbst? Wann ist es endlich vorbei? Und wer zahlt am Ende für die Verfehlungen? Jain weicht nicht aus, berichten Teilnehmer, er wirkt offen, ehrlich und bekommt dafür am Ende auch etwas geschenkt: einen Bildband über die Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn.

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Ein gewaltiges Programm

Die Exkursion an die Basis füllt einen weißen Fleck auf Jains innerer Deutschlandkarte. Das Land ist seit zwei Jahren die berufliche Heimat des gebürtigen Inders, doch es ist ihm fremd geblieben. Öffentlich ist er kaum präsent, mitunter wirkt es, als verstecke er sich. Und wenn er auftritt, tut er das so harmlos, glatt und gefällig, dass es umgehend vergessen wird. Seine Zeit an der Spitze der Investmentbank hängt an ihm wie Blei. Die Skandale machen ihn zum Chef auf Abruf und seinen Job zum Wettlauf gegen die eigene Vergangenheit.

Intern dagegen hat er seine Rolle als Co-Chef der Deutschen Bank sofort gefunden. Seit er und Jürgen Fitschen Mitte 2012 an die Spitze gerückt sind, bauen sie das Institut so schnell und tief greifend um, dass gestresste Top-Manager von einem Motorwechsel bei Vollgas auf der Autobahn sprechen. Jain tut sich dabei als Antreiber hervor. Das Programm ist gewaltig: Die Bank baut Altlasten ab, passt sich an völlig veränderte Regulierung an, spart und integriert fast wie nebenbei auch noch die Postbank.

Was für einen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain spricht

  • 1. Fachkompetenz

    Jain gilt fachlich weltweit unbestritten als einer der besten Banker seiner Generation.

  • 2. Seine Erfahrung und Pläne

    Nach fast 20 Jahren kennt er sich in der Bank mehr als bestens aus und hat einen klaren Plan für deren Umbau.

  • 3. Seine Führungsqualitäten

    Jain ist ein sehr fordernder, aber auch motivierender Chef, dem seine Mitarbeiter vertrauen.

Wie ein wildes Tier

Jain macht da eigentlich alles richtig und hat so intern auch Skeptiker auf seine Seite gezogen. Dabei hatten seine Gegner vor dem Start Angst verbreitet, als käme demnächst ein wildes Tier aus dem Dschungel gesprungen. Jain hat sie eines Besseren belehrt. „Vom ersten Tag an ist er als Chef der gesamten Bank aufgetreten“, sagt ein Manager. Also nicht als reiner Investmentbanker, der den biederen Filialanhang mehr duldet als schätzt. Mit seinem Co-Chef Jürgen Fitschen bildet er ein sehr ungleiches, aber harmonisches Paar. Und trotz ehrgeiziger Sparziele hält er sich beim Abbau von Personal zurück.

Das kommt bei den Vertretern der Arbeitnehmer an. „Die Führung hat unser Vertrauen, weil sie Altlasten entschlossen beseitigt und Wert auf Integrität und Kundenorientierung legt“, lobt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Alfred Herling. „Fitschen und Jain sind glaubwürdige Vertreter eines Wandels zum Besseren“, sagt Stephan Szukalski, der für die Gewerkschaft DBV im Aufsichtsrat sitzt. „Wir würden uns nur wünschen, dass sie in schwierigen Situationen mehr erklären und kommunizieren.“

Auch im direkten Umgang mit Mitarbeitern hat Jain positiv überrascht. Er ist ein fordernder Chef, der keine Schwäche duldet. Wer nicht in sein Tableau passt, wird umgehend und ohne viel Aufsehen entfernt. Aber er ist fair, schätzt im direkten Gespräch auch Widerspruch und bemüht sich in größerer Runde um Offenheit. Das war früher anders. Da schickte er die erlaubten Fragen per Mail vorab an Untergebene herum. Abweichungen unerwünscht.

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