Deutsche Bank: Die Schlinge um Co-Chef Fitschen wird immer enger

Deutsche Bank: Die Schlinge um Co-Chef Fitschen wird immer enger

von Saskia Littmann

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Deutsche Bank-Manager wegen möglicher Falschaussagen im Kirch-Prozess - auch gegen Co-Chef Fitschen. Dessen Position wird aufgrund neuer interner Dokumente immer düsterer.

Vor kurzem hoffte die Deutsche Bank noch, der Fall Kirch könne endlich abgeschlossen werden. Doch die Bank-Manager haben sich offenbar zu früh gefreut. Denn die Staatsanwaltschaft bereitet Anklagen gegen führende Manager der Bank vor, die im Prozess mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch falsch ausgesagt haben sollen. Auch der amtierende Co-Chef Jürgen Fitschen steht unter Verdacht, die Falschaussagen seiner Vorgänger wie Josef Ackermann, Rolf Breuer oder Clemens Börsig gedeckt zu haben. Die Crux: Interne Dokumente belegen nun offenbar, dass Fitschen von den Falschaussagen seiner Kollegen wusste. Für den Co-Chef, der wie kein anderer für den propagierten Kulturwandel des Instituts steht, ist das die unerfreuliche Wendung einer unendlichen Geschichte.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, will die Münchner Staatsanwälte bei einer ihrer Razzien Indizien für dieses Wissen Fitschens gefunden haben. Erst am Dienstag durchsuchten Beamte der Staatsanwaltschaft erneut die Frankfurter Zwillingstürme und sicherten Akten. Das "Handelsblatt" beruft sich auf interne Dokumente, wonach Fitschen bereits im Januar mit den Vorwürfen konfrontiert wurde.

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Deutsche Bank und Kirch einig 31,9 Millionen Euro für ein Wort

Die Deutsche Bank einigt sich im Streit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich. Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, warum das Institut dabei verhältnismäßig gut wegkommt.

Der Medienunternehmer Leo Kirch (l) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, sitzen bei der Fortsetzung von Kirchs Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Bank 2011 im Gericht. Nun hat der Streit ein Ende gefunden. Quelle: dpa

Zentraler Teil der Ermittlungen sind offenbar interne Dokumente der Deutschen Bank, die ergaben, dass die Aussagen der eigenen Leute vor Gericht nicht der Wahrheit entsprachen. Die Rechtsabteilung der Bank bezeichnete die Unterlagen damals als "not helpful" - nicht hilfreich. Auch die Idee zur Zerschlagung des Kirch-Konzerns sollen Teil der "not helpful"-Dokumente gewesen sein. Fitschen behauptet, er habe von diesen Unterlagen auf einer Vorstandssitzung im Februar 2012 zwar erfahren, sie aber nie vollständig gesehen. Er habe auch keine Warnungen der Rechtsabteilung erhalten, dass diese Dokumente kritisch sein könnten.

Fitschen soll folglich nicht selber falsch ausgesagt haben, wohl aber die unwahren Aussagen der anderen nicht verhindert haben, für die Staatsanwälte hat Fitschen damit vermuteten Prozessbetrug gedeckt. Fitschen selber ist offenbar weiterhin von seiner Unschuld überzeugt. Zuletzt antwortete er auf Fragen zu den Vorwürfen: "Ich habe weder betrogen noch belogen". Gegen eine Geldbuße würden die Ermittler das Verfahren gar einstellen, Fitschen könnte eine Anklage entsprechend vermeiden. Doch zahlen will der Deutsche Bank Co-Chef nicht. Offenbar könnte die Finanzaufsicht BaFin dann seine Eignung als Vorstand in Frage stellen, das will der Niedersachse vermeiden. Angesichts der neuen Dokumente scheint es mehr als fraglich, ob das die richtige Entscheidung ist.

Insgesamt ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft nicht nur gegen Fitschen, sondern mittlerweile gegen 14 Beschuldigte. Seit Dienstag ist bekannt, dass gegen Rechts- und Personalvorstand Stephan Leithner ebenfalls ermittelt wird. Auch gegen Führungskräfte aus der Rechtsabteilung und Anwälte der Kanzlei Hengeler Mueller, die bis Februar für die Deutsche Bank tätig war, wird ermittelt.

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Erst vor rund fünf Wochen einigte sich die Deutsche Bank mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich in Millionenhöhe. Rund 775 Millionen Euro zahlt die Bank an die Erben, plus Zinsen und einer pauschalen Kostenerstattung, insgesamt waren 925 Millionen Euro fällig. Damit sollte der Vorwurf aus dem Weg geräumt werden, der ehemalige Bankvorstand Rolf Breuer habe mit seinen Interview-Aussagen maßgeblich zur Pleite des Medienkonzerns beigetragen.

Etwas gutes haben die Ermittlungen, denn zumindest für einen ist das Leben in den letzten Wochen etwas ruhiger geworden: Fitschens Vorstandskollege Anshu Jain. Denn bisher war es vor allem der Inder, der in der Schusslinie der Öffentlichkeit stand. Als ehemaligem Leiter des Investmentgeschäfts wollte man ihm den Kulturwandel nicht richtig zutrauen. Er gilt als angezählt, bei einer weiteren Verwicklung in einen Skandal könnte er seinen Posten räumen. Das "Manager Magazin" berichtete vor wenigen Wochen, dass die Bank für diesen Fall bereits über einen möglichen Nachfolger diskutiere. Im Fall Kirch dagegen machte Jain eine gute Figur, er gilt als derjenige, der den Vergleich am Ende vorangebracht hat.

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