Deutsche Bank: Ende eines Missverständnisses

KommentarDeutsche Bank: Ende eines Missverständnisses

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John Cryan wird Nachfolger von Anshu Jain

von Cornelius Welp

Der Rückzug von Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist überfällig. Unter dem neuen Chef John Cryan hat die Deutsche Bank nun die Chance auf einen echten Neuanfang.

Die Chefs der Deutschen Bank ziehen die Konsequenz – endlich. Der Rücktritt von Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist die letztlich unvermeidliche Folge eines grandiosen Scheiterns. Die beiden Banker haben es in den gut drei Jahren ihrer Amtszeit nicht geschafft, eine überzeugende Vision für die Zukunft des mit Abstand wichtigsten deutschen Geldhauses zu entwickeln.

Sie sind vor allem, aber nicht nur an den gewaltigen Lasten der Vergangenheit gescheitert. Hinzu kommt, dass sie die Stärke des Instituts über-, den Eifer der Regulierer unter- und die Entwicklung der Märkte falsch eingeschätzt haben. Als Resultat haben sie ihre anvisierten Ziele deutlich verfehlt.  

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Deutsche Bank Was läuft schief, Herr Achleitner?

Im Interview mit der WirtschaftsWoche verteidigt Aufsichtsratschef Paul Achleitner die neue Strategie der Deutschen Bank. Von einer Personaldiskussion wollte er aber nichts wissen.

Paul Achleitner Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Den letzten Ausschlag für den Rücktritt dürfte das erschreckend schwache Abschneiden bei der Hauptversammlung vor drei Wochen gegeben haben.  Dort erhielten die beiden Co-Chefs eine sensationell niedrige Zustimmung von gerade mal 61 Prozent. Falls sie bis dahin noch ernsthaft glaubten, die Bank weiter führen zu können, war spätestens ab diesem Zeitpunkt klar, dass sie das dafür unerlässliche Vertrauen verloren hatten. Indizien für ein Ende ihrer Amtszeit hatte es bereits zuvor gegeben. So war etwa der Aufsichtsrat des Instituts spürbar auf Distanz gegangen.

Bei dem Aktionärstreffen hatte der Vorsitzende Paul Achleitner die Bilanz der Doppelspitze wenig schmeichelhaft als „durchwachsen“ bezeichnet. Wenige Tage zuvor war er im Interview mit der Wirtschaftswoche bereits auf Distanz zu der von ihm zuvor stets gestützten Führung gegangen. Auch nach mehreren Nachfragen hatte er die eigentlich erwartete  Vertrauenserklärung  verweigert und stattdessen lapidar erklärt, dass jeder ersetzbar sei. Wie sich jetzt zeigt, leitete er damit bereits das Ende der Dienstzeit von Jain und Fitschen ein.

Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    „Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen.“

  • Wall Street Journal

    „Die neue Spitze der Deutschen Bank steht weiter vor einer existenziellen Frage. Ein neuer Chef wird möglicherweise nicht ausreichen, um das strategische Dilemma zu beenden. Jains Nachfolger John Cryan, ein ehemaliger Investmentbanker aus dem Aufsichtsrat, kann zwar frischen Wind in die bevorstehenden Aufgaben bringen, aber wenig mehr. In vielerlei Hinsicht sind seine Hände gebunden.“

  • New York Times

    „Als Außenstehender ist John Cryan unbefleckt von den rechtlichen Problemen, die den Ergebnissen der Deutschen Bank und ihrem Ruf schaden. Anshu Jain musste sich der Frage stellen, ob jemand, der dem Investmentbanking so nahe steht, der Richtige sein kann, um mit den Vorwürfen aufzuräumen. Die meisten Anschuldigungen richten sich gegen das Investmentbanking, das Jain führte, bevor er Vorstandschef wurde.“

  • Forbes

    „John Cryans erste Aufgabe wird es sein, eine neue Strategie zu finden. Die Deutsche Bank braucht eine radikale Operation – wahrscheinlich eine Aufspaltung. Cryan hat sicherlich den Hintergrund und die Erfahrung für diese Herausforderung. Aber die Aktionäre werden nicht viel Geduld haben. Um ihr Vertrauen wieder herzustellen, muss Cryan schnell und richtig handeln.

  • Neue Zürcher Zeitung

    „Endlich, ist man geneigt zu sagen, denn die alte Garde der Bank wirkte von Anfang an wenig geeignet für einen echten Neuanfang nach den Wirren der Finanzkrise. Besonders Jain steht für genau jene Kultur, die der Bank wegen dubioser Machenschaften ihrer Mitarbeiter rund um den Globus Bussen in Milliardenhöhe seitens der Aufsichtsbehörden eingebrockt hat und die letztlich das Ansehen der einst so stolzen 'Deutschen' – wie das Finanzinstitut in der angelsächsischen Welt, wo die Konkurrenz sitzt, genannt wird – ramponiert hat.“

  • Union Investment

    „Der Aufsichtsrat zieht die Konsequenzen aus dem Abstimmungsdesaster auf der Hauptversammlung. Die Entscheidung für John Cryan kommt nicht überraschend.“

  • DSW

    „Die finanziellen Kennzahlen und der Aktienkurs haben sich weit von den Zielen der Bank entfernt. Die Deutsche Bank hat nach Angaben der Behörden die Ermittlungen im Libor-Skandal behindert und auch der jüngste Geldwäscheskandal in Russland zeigt, dass der Kulturwandel nicht vorankommt." Es ist daher nur konsequent, dass es jetzt einen Wechsel an der Spitze gibt.“

  • Hermes (Aktionärsberater)

    „Wir begrüßen die Reaktion des Aufsichtsrats zeitnah zur Hauptversammlung. Um die großen Herausforderungen der Bank in den Griff zu bekommen, war ein wirklicher Neuanfang unausweichlich.“

  • UBS

    „Der designierte neue Vorstandschef des Geldinstituts, John Cryan, verfügt über eine gute Reputation. Der Markt reagiert positiv. Zumindest teilweise können die Ziele der neuen Strategie 2020 nun eingepreist werden, was bisher wegen des mangelnden Vertrauens in das bisherige Führungsduo nicht der Fall gewesen ist.“

  • Goldman Sachs

    „Insgesamt rechnen wir damit, dass der Markt die Ankündigung zunächst zwar positiv aufnimmt, allerdings nur kurzfristig. Denn die zentralen Herausforderungen bei Deutschlands größter Bank sind struktureller Natur. Das grundlegende Problem ist die fehlende Basis zur Generierung höherer Renditen. Wegen der mangelnden Möglichkeiten für strategische Veränderungen bevorzugen wir weiter die Aktie der britischen Bank Barclays sowie die der Schweizer Banken Credit Suisse und UBS.“

  • Gerhard Schick, Grüne

    „Die bisherigen Chefs sind zu stark mit den alten Problemen verbunden. Der neue Vorstand muss jetzt aufräumen, vor allem im Investmentbanking, wo das teilweise kriminelle Verhalten strukturell bedingt war.“

  • Dietmar Bartsch, Linke

    Mit dem Stühlerücken an der Konzernspitze ist es nicht getan. Der Nachfolger wird kaum anders agieren als die alten Chefs. Große Finanzkonzerne können wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung die Politik erpressen, um am Ende auch mit Steuerzahlergeld gerettet zu werden. Wir brauchen eine Stärkung von Sparkassen und Volksbanken, und nicht von Großbanken.“

In die Geschichte der Bank wird diese nun wohl vor allem als großes Missverständnis eingehen. In erster Linie gilt das für Anshu Jain. Das Argument, dass ein Manager, der den Nährboden für die Verfehlungen der Vergangenheit bereitet hatte, besonders gut geeignet sei, diese künftig zu verhindern, war von Anfang an nicht sonderlich überzeugend. Mit jeder neuen Milliardenzahlung, die die Bank für Sünden ihrer Investmentbanker überweisen musste, geriet deren langjähriger Chef Jain immer mehr unter Druck.

Den Makel konnte er nie abschütteln, Jain ist über all die Jahre der Repräsentant  einer unrühmlichen Vergangenheit geblieben, der immer wieder erklären musste, was er wann wie genau (nicht) wusste. Oder hätte wissen können. Dass er immer mal wieder erklärte, wie sehr ihn die Enthüllungen über Manipulationen anwiderten und zuletzt auch die persönliche Verantwortung für diese übernahm, half da wenig.

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