Deutsche Bank: Falsche Töne, falsche Bilder: Ein unentschiedener Jain

Deutsche Bank: Falsche Töne, falsche Bilder: Ein unentschiedener Jain

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Anshu Jain bei seinem ersten politischen Auftritt vor dem Wirtschaftsrat der CDU. Der sei fast schon „zu freundlich“ gewesen, spottete Finanzminister Wolfgang Schäuble.

von Cornelius Welp

Der neue Co-Chef der Deutschen Bank gibt sich zu freundlich, zu smart und zu schwammig - was er für das Institut plant, lässt er nicht durchblicken. Was will Anshu Jain?

Wird der gebürtige Inder an der Spitze der Deutschen Bank hemmungslos zocken? Das Institut entwurzeln und zur komplett internationalen Investmentbank machen, für die das Geschäft auf dem Heimatmarkt mitsamt aller dort Werkelnden nur noch altmodisches Anhängsel ist? Seinen deutlich älteren Mit-Chef Jürgen Fitschen langsam zur Seite drängen oder sofort wie ein Tiger zum Frühstück verspeisen? Bisher ist der künftige Co-Chef die Antworten auf diese Fragen weitgehend schuldig geblieben. Auch in den ersten Interviews, die in diesen Tagen erscheinen, gibt es kaum klare Jas oder Neins, dafür reichlich schwammige Jains.

Bei seinem ersten Auftritt vor dem politischen Berlin in der vergangenen Woche hatte der Investmentbanker viel Kreide gefressen. Zu viel. Vor dem Wirtschaftsrat der CDU machte Jain einen tiefen Bückling vor Kanzlerin und Finanzminister, sandte Demutsgesten in Richtung Mittelstand und gab sich als Bewunderer der sozialen Marktwirtschaft.

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Doch mit ein paar Brocken Deutsch und anbiedernder Verbalfolklore à la „Die Deutsche Bank ist mein Leben“ haben die Kommunikationsberater den Bogen deutlich überspannt. Selbst hochrangige Politiker hielten den Kuschel-Jain-Kurs für reichlich übertrieben. Der sei fast schon „zu freundlich“ gewesen, spottete Finanzminister Wolfgang Schäuble, und Jain machte ganz schmale Lippen dazu, als der Saal lachte.

Vom Charisma des Selfmademan keine Spur

Sollte es Jain darauf angelegt haben, gemocht zu werden, ist er schlecht beraten. Als Banker mögen die Deutschen persönlich vielleicht gerade noch den Sparkassenfilialleiter von nebenan, mit dem man nach dem Tennis oder im Schützenverein ein Glas hebt. Vom Chef der einzigen deutschen Bank mit Weltgeltung aber erwarten sie mehr, als dass er ihnen nach dem Munde redet. Anstatt sich über die spießige Kleingartendiskussion, ob und wenn ja wie viel Deutsch er denn nun spricht, selbstbewusst auf Englisch zu erheben, radebrecht er ein paar Brocken. Viel spannender wäre es gewesen, den Menschen Jain kennenzulernen, der in seiner Biographie und Karriere wie kaum ein anderer die Megatrends verkörpert, die unsere Weltwirtschaft bewegen.

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Quelle: rtr, dpa

Der großartige Aufstieg eines jungen charismatischen Mannes aus einer exzellent gebildeten Elite in Indien, der sich nur in einem melting pot wie New York und in einer kosmopoliten Metropole wie London die Sporen für die CEO-Position einer wahrhaft globalen Bank verdienen kann - das wäre eine grandiose Story gewesen. Schließlich sind ja auch die deutschen Mittelständler exportstark und müssen nur noch lernen, dass die dritte Welt jetzt mindestens genauso selbstbewusst daher kommt. Doch vom Charisma des Selfmademan keine Spur. Stattdessen war „klein machen“ die Devise: Bloß nicht größer scheinen, als das deutsche Mittelmaß, und bloß nicht mehr wissen, als der Fuchsbrief.

Und dann stand Jain zwischen den Fernsehbildern wehender Deutschlandfahnen und um ihn herum wurde das Lied der Deutschen inbrünstig geschmettert. Musste hier ein Deutsche-Bank-Chef den deutschen Einbürgerungstest samt Hymne bestehen? Oder das Aufnahmeritual einer Burschenschaft? Das produzierte falsche Bilder. Wollen wir künftig so unsere ausländischen Führungskräften in den Dax-Konzernen behandeln? Jain bewegte wenigstens nicht die Lippen. Aber es war ihm anzusehen: Wohlfühlen geht anders.

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