
Frankfurt„Sehr geehrte Herren und Damen“ – mit diesen Worten eröffnet die EU-Justizkommissarin Viviane Reding am Mittwoch in Frankfurt einen Frauenkongress der Deutschen Bank und erntet Applaus. Weil es als Anspielung auf den Umbau des Top-Managements von Deutschlands größtem Geldhaus verstanden wird.
Denn jetzt, wo die Katze aus dem Sack ist, ist klar: Unter all den Namen, die für das oberste Führungsgremium des Instituts gehandelt werden und das direkt unterhalb davon angesiedelte Group Executive Committee, ist keine einzige Frau. Kurz gesagt ist das peinlich. Peinlich, weil es die Deutsche Bank offenbar nicht geschafft hat, beim gesellschaftspolitischen Dauerbrenner Frauenquote ein Signal zu setzen.
Während andere Dax-Konzerne wie die Deutsche Telekom, Daimler oder BMW scheinbar geradezu miteinander wetteifern, wer die femininste Führungsspitze hat, sieht die Realität bei der Deutschen Bank ernüchternd aus: Der Frauenanteil im achtköpfigen Vorstand stagniert seit Jahren – bei null Prozent! Das erhitzt die Gemüter. Ein Sprecher der Bank räumt ein: „Da gibt es sicherlich Nachholbedarf.“ Er bemüht sich darum, den schlechten Eindruck zu mildern. Dass eine Frau in den Vorstand gehievt werde, sei „sicher keine Frage von Jahrzehnten mehr“. Frauenförderung sei der Bank ein wichtiges Anliegen. Tatsächlich gibt es innerhalb des Instituts etliche Programme zur Qualifizierung von Frauen – Fördern bedeutet aber noch lange nicht Befördern.
Und ausgerechnet an diesem Mittwoch veranstaltet die Deutsche Bank zum 13. Mal die „Women in European Business (WEB) Conference“, ein exklusiver Kongress für Frauen in Führungspositionen. Im Konzertsaal des Hermann-Josef-Abs-Gebäudes soll es aber nicht um Frauenquoten sondern um knallharte Wirtschaftsthemen gehen. „A New Deal – Balancing Corporate and Public Needs“, lautet ganz international das diesjährige Thema, über das 250 Unternehmerinnen mit namhaften Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutieren.
Wie sich Ackermann und Börsig bei den Frauen blamiert haben
Die Deutsche Bank und die Frauen – das ist seit jeher ein schwieriges Kapitel. 2011: Bankboss Josef Ackermann wird vor laufender Kamera gefragt, wie er es mit der Frauenquote hält. Die Antwort sorgt für Wirbel: Leider sei es bisher nicht gelungen, eine Frau für das Group Executive Committee zu finden, also die Ebene unter dem Vorstand. „Aber ich hoffe, dass das irgendwann dann farbiger sein wird und schöner auch.“ Die öffentliche Reaktion war eine empörte. „Wer es farbiger und schöner mag, soll auf eine Blumenwiese gehen oder ins Museum“, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) dem Handelsblatt und wünschte sich, Ackermann wäre bei der Förderung von Frauen so ambitioniert wie beim Ausgeben von Renditezielen.
Auch der Noch-Aufsichtsratschef Clemens Börsig gab sich vor Jahren die Blöße, als er auf der WEB-Conference den versammelten Frauen riet, sich in ihrem Karrierestreben nicht nur vertikal, sondern auch „horizontal“ zu orientieren. Statt zu applaudieren, haben die Teilnehmerinnen lauthals gelacht.
Lachen erntet heute auch der designierte Co-Chef und Ackermann-Nachfolger Jürgen Fitschen für sein Bekenntnis: „Auch ich habe gegoogelt und weiß wie es geht. Ob sie's glauben oder nicht.“ Kein Patzer, kein Fettnäpfchen im Scheinwerferlicht. Aber auch kein klares Statement zu den Spekulationen ums Spitzenpersonal in den vergangenen Tage. Zum Thema Frauen ganz oben im Führungsgremium sagt er: „Geben Sie uns noch ein kleines bisschen Zeit. Aber dann werden wir liefern.“ Später, während die geladenen Top-Managerinnen in einzelnen Seminaren untergetaucht sind, sagt eine euphorische Mitarbeiterin der Deutschen Bank im Vorraum zu ihren Kolleginnen am Stehtisch: „Dass er das gesagt hat! Darauf können wir ihn festnageln. Wir haben alles auf Tape, alles.“
Der Deutschen Bank ist bewusst, dass sie gefordert ist, den Frauenanteil in ihren Entscheidungsgremien in absehbarer Zeit zu steigern. Immerhin: Im 20-köpfigen Aufsichtsrat sitzen inzwischen acht Frauen – damit wäre eine Quote von mindestens 30 Prozent mehr als erfüllt. Das muss man auch anerkennen. Die gestiegene Sensibilität zeigt sich auch daran, dass der Bank-Sprecher auf höhere Frauenanteile unterhalb des erweiterten Vorstands verweist. Nein, absolute Zahlen kann er keine nennen. Nur so viel: Der Frauenanteil liege hier bei 15,1 Prozent.
Generell sollte ein Ende der Männerwirtschaft in den Führungsetagen auch im wirtschaftlichen Eigeninteresse des Geldhauses liegen, denn gemischte Teams treffen bessere Entscheidungen und die Unternehmen sind langfristig erfolgreicher, wie zahlreiche Studien belegen. Frauen in Führungspositionen treiben Firmen demnach auch seltener in überteuerte Übernahmen und arbeiten gewissenhafter.
Wenn sich das Tempo nicht verändert, wird es 40 Jahren dauern, bis Frauen in zumindest jeden zweiten Sitz in Europas Führungsetagen erobert haben. Denn derzeit steigt der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten nur im Zeitlupentempo. Im Januar dieses Jahres waren acht Prozent dieser Gremien der 160 in Dax, MDax, SDax und TecDax notierten Unternehmen weiblich – das sind nur 1,5 Prozentpunkte mehr als Anfang 2011. Damit zählt Deutschland europaweit gemeinsam mit Tschechien zu den Nationen mit dem geringsten Anteil weiblicher Führungskräfte.
























