Deutsche Bank: Gericht lässt Anklage gegen Jürgen Fitschen zu

Deutsche Bank: Gericht lässt Anklage gegen Jürgen Fitschen zu

, aktualisiert 02. März 2015, 15:47 Uhr

Jürgen Fitschen muss sich vor Gericht verantworten. Ende April soll der Prozess gegen den Deutsche-Bank-Co-Chef und weitere Ex-Manager starten. Der Vorwurf: Versuchter Betrug im Kirch-Prozess.

Das Landgericht München hat die Anklage gegen Jürgen Fitschen wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess gegen ihn und weitere Ex-Manager der Bank in vollem Umfang zugelassen, sagte eine Gerichtssprecherin am Montag in München. Der Prozess soll Ende April beginnen. Vor Gericht verantworten müssen sich zudem Fitschens Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer, der ehemalige Aufsichtsratschef der Bank, Clemens Börsig, und ein weiterer Ex-Vorstand des größten deutschen Geldhauses.

Die fünf Top-Manager haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zusammengewirkt, um Schadenersatzzahlungen an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zu vermeiden. Durch falsche Angaben habe das Oberlandsgericht München getäuscht werden sollen.

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Wasser auf die Mühlen der Ankläger war das OLG-Urteil gegen die Deutsche Bank kurz vor Weihnachten 2012: „Die Beklagten haben ... im Verfahren nachweislich falsch vorgetragen“, schrieben die Richter um den angriffslustigen Vorsitzenden Guido Kotschy in die Begründung. Breuer, Ackermann, Fitschen und ein weiterer Ex-Vorstand sollen sich abgesprochen haben, „um ... nämlich mögliche Schadenersatzansprüche abzuwenden“. Fitschens Aussage sei „schlicht inkonsistent“, urteilte Kotschy.

Die Protagonisten im neuen Kirch-Prozess

  • Jürgen Fitschen

    Im Duo mit dem Investmentbanker Anshu Jain steht der gebürtige Niedersachse seit Juni 2012 an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. Kurz nach seinem Antritt als Co-Chef der Deutschen Bank verordnete der inzwischen 66-Jährige dem Frankfurter Finanzriesen einen „Kulturwandel“. Als ehrenamtlicher Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) würde er dabei am liebsten gleich die ganze Branche mitreißen.

  • Rolf Breuer

    Es waren nur wenige Sätze, die der damalige Chef der Deutschen Bank im Januar 2002 in ein Reportermikrofon sprach. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an. Wenig später ging dessen Medienkonzern unter. Kirch machte dafür zeitlebens Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Breuer steht für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt. Nachdem er 1997 das Ruder übernommen hatte, baute er gegen Widerstände das Investmentbanking aus. Von 2002 bis 2006 war Breuer Aufsichtsratschef. Der Abschied von diesem Posten kam nicht ganz freiwillig: Schuld war auch die Causa Kirch.

  • Josef Ackermann

    Der Schweizer wurde 2002 Nachfolger Breuers - als erster Ausländer auf diesem Posten. Ackermann, bis Ende Mai 2012 Chef der Deutschen Bank, war wie kaum ein Banker für viele eine Reizfigur. Ob sein Millionengehalt oder offene Worte zu schwierigen Finanzproblemen: Der meist freundlich lächelnde Manager hatte den Ruf eines knallharten Bankers. Zwei zum Siegeszeichen erhobene Finger im Mannesmann-Prozess 2004 haften ihm bis heute als Symbol von Arroganz an. In der Finanzkrise präsentierte sich der heute 67-Jährige geläutert: Er räumte Fehler der Banken ein.

  • Peter Noll

    Der grüne Hobby-Politiker hat als Richter reichlich Erfahrung mit Wirtschaftsbossen und Bankern. Je komplizierter die Fälle, desto mehr bemüht er sich um klare Sprache und Sachlichkeit. Bei schwierigen Themen bittet er Angeklagte oder Zeugen auch mal darum, es so zu erklären, dass es auch ein „kleiner bayerischer Richter“ verstehen kann - oder warnt aufgewühlte Anwälte davor „unter der Decke zu kreisen“. Zuletzt sorgte er mit der Einstellung des Bestechungsprozesses gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gegen 100 Millionen Dollar Geldauflage für Aufsehen.

Nach einer gründlichen Prüfung ließ der Vorsitzende Richter der 5. Strafkammer, Peter Noll, die Anklage nun zu. Die 627 Seiten lange Anklageschrift stützt sich auch auf Schriftstücke, die bei Durchsuchungen der Deutschen Bank sichergestellt wurden.

Deutsche Bank steht hinter Fitschen

Die Deutsche Bank zeigt sich auch nach Zulassung der Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen im Fall Kirch von der Unschuld des Managers überzeugt. „Die Deutsche Bank kommentiert grundsätzlich laufende Verfahren nicht. Für alle aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitglieder der Bank gilt die Unschuldsvermutung“, bekräftigte ein Konzern-Sprecher am Montag in Frankfurt eine frühere Stellungnahme der Bank.

Kirch hatte die Bank und deren Ex-Chef Breuer zeitlebens für die Pleite seines Medienkonzerns verantwortlich gemacht. Breuer hatte Anfang 2002 in einem TV-Interview Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert. Wenige Wochen später meldete Kirch Insolvenz an. Es folgte eine Welle von Prozessen. Anfang 2014 einigte sich die Bank mit den Kirch-Erben auf einen Vergleich und zahlte 925 Millionen Euro.

Dennoch ermittelte die Staatsanwaltschaft in Sachen Prozessbetrug weiter. Weil die Bank letztlich gezahlt hatte, lautet der Vorwurf nun: versuchter Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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Für Fitschen, den Wegbegleiter als sehr pflichtbewusst schätzen, sind allein die Vorwürfe zweifelsohne eine Belastung. Jetzt, da die Anklage zugelassen ist, sind Fragen nach einem vorzeitigen Rücktritt von der Spitze der Deutschen Bank programmiert. Fitschens Vertrag läuft bis zum 31. März 2017 - ebenso wie der seines Partners in der seit Juni 2012 amtierenden Doppelspitze, Anshu Jain.

Immerhin ist Fitschen nicht der erste Deutsche-Bank-Chef, der sein Büro zeitweise mit dem Gerichtssaal tauschen muss: Der Mannesmann-Prozess zwang Vorgänger Ackermann von Januar 2004 an dazu. Erst nach fast drei Jahren stellte das Düsseldorfer Landgericht den Prozess um Prämien- und Pensionsbeschlüsse im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone gegen eine Geldauflage ein. Im aktuellen Fall dürfte die Terminplanung des Münchner Landgerichts mit einem Verhandlungstag pro Woche Fitschen entgegenkommen.

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